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Fritz Wöhe aus München (rechts) ist inzwischen 84. Er erinnert sich an Hollywood-Star Kirk Douglas.

Film-Klassiker 

Kirk Douglas: So erlebte Fritz Wöhe aus München den Hollywood-Star

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München - Selbst ein Held muss von A nach B kommen. Im Anti-Kriegsepos „Wege zum Ruhm“ wird Kirk Douglas zwei Mal mit einem Motorrad chauffiert. Sein Fahrer: Fritz Wöhe aus München. Der ist inzwischen 84 – und erinnert sich gut an „den Kirk“.

Der Film läuft eine gute halbe Stunde, als zum ersten Mal das Knattern zu hören ist. Der Motor gurgelt so rostig, wie es nur richtig alte Motoren tun. Die Maschine, eine weiße Mars A 20, fährt durch den Torbogen in den Schlosshof, macht eine elegante Kurve, die Kamera schwenkt mit. Dann hält die Mars, der Held steigt aus dem Beiwagen, Schnitt.

„Wege zum Ruhm“ (im Original: „Paths of Glory“) ist ein legendärer Anti-Kriegsfilm des noch legendäreren Regisseurs Stanley Kubrick. Der heldenhafte Protagonist heißt Colonel Dax und wird – natürlich – von einer Legende gespielt: Kirk Douglas. Und dann ist da noch Fritz Wöhe, damals wohnhaft in Nürnberg, Angestellter und Besitzer jener extrem seltenen Mars A 20. Wegen ihr wurde er Komparse: ganze 26 Sekunden an der Seite eines US-Filmstars. „Der Kirk“, sagt er, „das war ein ganz netter Typ.“

Wöhe lebt in einer ruhigen Straße in Untermenzing, dort, wo München wie eine Kleinstadt aussieht. An seinem Wohnzimmerschrank hängen jede Menge Medaillen, obendrauf stehen Pokale. In den 1950er Jahren hat Wöhe an internationalen Motorradrennen teilgenommen und einige auch gewonnen. Das hat er „dem Kirk“ damals auch erzählt. Aber langsam.

Der 84-Jährige, der so leicht durchs Haus fegt, dass er locker als 64-Jähriger durchginge, arbeitete damals bei dem Nürnberger Motorradhersteller Mars. Die A 20, Baujahr 1921, fand er durch Zufall, sie stand auf dem Dachboden einer firmeneigenen Lagerhalle. Wöhe kaufte sie und machte sie fahrbereit. Ein toller Fang: Von der Drei-Gang-Version der Mars wurden nämlich nur zehn Exemplare hergestellt – heute ist Wöhes Maschine die einzige, die übrig ist. Und schon damals, in den 1950ern, war sie eine Rarität.

So waren die Dreharbeiten 1957 mit Krik Douglas 

Das fanden auch die Bavaria-Studios heraus, in deren Kulissen „Wege zum Ruhm“ gedreht werden sollte. Im März 1957 bekam Fritz Wöhe einen Anruf. Jemand fragte, ob er seine Maschine für einen Film zur Verfügung stellen würde, Termin: 1. April. Wöhe hielt das für einen Spaß unter Kollegen, spielte mit und legte auf. Aber die Studios riefen wieder an. „Da habe ich gesagt: ‚Wenn Ihr die Maschine wollt, müsst ihr mich schon mitnehmen‘.“

Wöhe kramt ein DIN-A-4-großes Foto aus einem dicken Aktenordner. Darauf ist Kirk Douglas zu sehen, wie er in Offiziersuniform im Beiwagen eines Motorrads sitzt. Der Fahrer der Maschine trägt einen dicken Ledermantel, wie ihn französische Soldaten im Ersten Weltkrieg trugen. Das ist Wöhe in genau der Szene, in der der Motor seiner weißen Mars so herrlich knattert. „Ich hab’ damals extra ein paar Fehlzündungen reingehauen“, sagt er. Im Film klingt das nach tausend kleinen Explosionen. Natürlich hat Wöhe keinen Text, er schaut nicht mal in die Kamera. Das musste er dem Kameramann versprechen. „Der sagte mir, der Kirk sei der Star, nicht ich.“

Alles ging ganz schnell. Zwei Mal fünf Minuten waren für Wöhe eingeplant. Sein Lohn: 250 Mark. Er sollte Kirk Douglas, alias Colonel Dax, in den Hof von Schloss Schleißheim (Kreis München) fahren, das ein beliebter Drehort war. Regisseur Stanley Kubrick spielt im Film mit dem Gegensatz zwischen den prunkvollen Schlosssälen, in denen die Offiziere über Leben und Tod verhandeln, und den (bei Puchheim nachgestellten) Szenen in Schützengräben des Ersten Weltkriegs, in denen die Soldaten wie die Fliegen sterben. Aber das ist Filmästhetik – um die kümmerte sich Wöhe nicht.

„Der Kirk und ich, wir haben uns nett unterhalten“, sagt er. Auf Französisch, es ging um Motorräder. Der US-Star war von der Mars A 20 begeistert und als sie ein paar Proberunden im Schlosshof drehten, sagte Douglas plötzlich: „Lass mich mal ran.“ Also tauschten sie Plätze, der Kirk fuhr – und bekam die Kurve nicht. „Er fuhr mitten in ein Rosenbeet.“ Wöhrl nahm’s gelassen, aber der Manager des Schauspielers stürmte mit hochrotem Kopf heran. Wenn der Kirk sich verletzt hätte, wär’s teuer geworden.

Natürlich passierte nichts. Die beiden Szenen wurden abgedreht, man verabschiedete sich und sah sich nie wieder. Aber jetzt, da Kirk Douglas 100 Jahre alt geworden ist, hat Wöhe doch wieder an den April 1957 denken müssen. Die Mars A 20 steht seit 2003 in der Pinakothek der Moderne in München, bloß den Beiwagen gibt es nicht mehr, den hat Wöhe Ende der 50er Jahre weggeschmissen. Viel später hat er eine Chronik über die Firma Mars geschrieben. Und genau die will er dem Kirk bald zukommen lassen. „Er soll wissen, dass es die Mars noch gibt“, sagt Wöhe. Eine Widmung hat er natürlich auch reingeschrieben. Vermutlich auf Französisch. Aber das bleibt ein Geheimnis.

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