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Künftig nicht mehr notwendig? Luisa wartet in der Kita-Beratungsstelle der Stadt auf ihre Mama.

Online-Variante überzeugt noch nicht

Kita-Anmeldung im Internet: Start mit Mängeln

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München - Ab Samstag können Eltern ihre Kinder im Internet für einen Kita-Platz anmelden - bei bis zu sieben Einrichtungen. Zu- und Absagen kommen allerdings weiterhin per Post, erst in einem Jahr soll das System komplett sein. Und nicht alle Kitas sind beim Start mit dabei.

Der Kampf um den Kita-Platz wird digital. Zumindest ein bisschen. Lange war die Stadt zögerlich bei der Einführung einer Online-Anmeldung, so ganz überzeugt ist sie auch jetzt noch nicht. Aber warum sollte man in einer Welt, in der man sich im Internet für Studiengänge und Arbeitsplätze bewirbt, noch auf die Online-Kitaanmeldung verzichten?

Deshalb startet an diesem Samstag der „Kita-Finder“ unter www.muenchen.de/kita. Eltern haben dort Zugriff auf eine Datenbank aller teilnehmenden Kitas. Das sind zum Start 700 Einrichtungen, darunter alle 400 städtischen sowie alle, die die Stadt fördert oder denen sie die Räume stellt. Etwas mehr als die Hälfte der Münchner Kitas sind damit an Bord, mit den freien Trägern ist die Stadt im Gespräch. Bis Ende kommenden Jahres will sie die meisten von ihnen überzeugt haben, bei dem System einzusteigen.

Wenn Eltern ihre Kinder ab Samstag online bei Kitas anmelden, sind sie dort vorgemerkt - sie haben keine Garantie für einen Platz. Die Zu- oder Absagen kommen weiterhin schriftlich. In weiten Teilen handelt es sich deshalb zunächst um ein Provisorium. Der wesentliche Vorteil ist, dass Eltern für die Anmeldung im Prinzip nicht mehr das Haus verlassen müssen. Für bis zu sieben Kitas konnten sie sich auch bisher anmelden, mussten dafür aber eine der Kitas persönlich aufsuchen.

Die vielen weiteren Vorteile, die ein solches System bietet, sind jetzt noch nicht verfügbar. Ab Ende kommenden Jahres sollen auch Zu- und Absagen digital erfolgen. Noch wichtiger: Erhält ein Kind einen Platz, sollen seine Bewerbungen bei anderen Kitas gelöscht werden - die Plätze werden für andere Kinder frei. „Im Moment haben wir das Problem, dass Eltern nach einer Zusage vergessen, ihre anderen Bewerbungen zurückzuziehen“, sagt Ursula Oberhuber, Sprecherin des Bildungsreferats.

Ganz einfach ist es aber nicht, ein solches System technisch umzusetzen. „Die Kitas müssen auch auf die richtige Mischung achten“, sagt Sozialbürgermeisterin Christine Strobl (SPD). Damit Kita-Gruppen nicht beispielsweise nur aus vierjährigen Buben bestehen, muss das System in der Lage sein, die Wünsche der Eltern und die der Kitas unter einen Hut zu bringen.

Auch wenn in der Online-Datenbank bereits viele Informationen zu den einzelnen Kitas hinterlegt sind, rät die Stadt weiterhin dazu, sich die Einrichtungen selbst anzuschauen und das Angebot der Kita-Beratungsstelle im Bildungsreferat wahrzunehmen. Der persönliche Kontakt ist auch für viele Kitas wichtig, die noch nicht Teil des Online-Systems sind: „Einige wollen gerne noch selbst selektieren“, sagt Strobl.

Weil nun lediglich die spartanische Version des Systems online geht, macht die Stadt noch nicht offensiv Werbung dafür. Das Bildungsreferat rechnet dennoch mit einigem Zuspruch: „Unsere Zielgruppe sind junge Menschen, das wird schon Beachtung finden.“

Parallel will die Stadt das Problem angehen, dass in den kommenden Jahren tausende neue Kita-Plätze gebraucht werden. Momentan haben 45 Prozent der 0- bis 3-Jährigen einen Platz, bei den 1- bis 3-Jährigen sind es 63 Prozent. Bis 2020 müssen laut Prognose 8500 zusätzliche Plätze für Kinder unter drei Jahren sowie 6200 Kindergarten-Plätze geschaffen werden.

Darüber hinaus pumpt die Stadt Millionenbeträge in neue und bestehende Schulen. „Das ist das größte Schulprogramm Deutschlands“, betont Stadtschulrat Rainer Schweppe (SPD) stolz. 24 neue Grundschulen, 60 Erweiterungen von Grundschulen, Erweiterungen an fünf Mittelschulen, zwei neue Förderzentren, fünf neue Realschulen und sieben neue Gymnasien sollen bis 2030 entstehen. 60 Schulen müssen generalinstandgesetzt werden.

Dafür nimmt die Stadt ordentlich Geld in die Hand. Bis 2020 investiert sie in die Instandhaltung der Schulen jährlich 131 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie bisher. Bis 2020 fließen allein 200 Millionen Euro in die Sanierung der Schultoiletten, die Ende 2015 abgeschlossen sein soll. Jede Schule erhält ein Budget von etwa 100 000 Euro, das sie für Aufwertungsmaßnahmen verwenden kann - für Malerarbeiten oder die Einrichtung einer Leseecke beispielsweise.

Bei all den Projekten will das Bildungsreferat Gas geben. Langwierige Architektenwettbewerbe soll es nur bei großen Vorhaben geben. Neue Einrichtungen soll der Stadtrat gebündelt und nicht mehr einzeln beschließen. Aufträge sollen an Generalunternehmer ausgeschrieben werden, statt alle Gewerke einzeln zu vergeben. Der erste Schritt für die ambitionierten Vorhaben steht schon kommende Woche an: Am Mittwoch soll der Stadrat grünes Licht geben.

Moritz Homann

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