So wie auf diesem Bild könnten sich im Frühjahr Passanten auf Münchens Straßen und Plätzen einfach ans Klavier setzen und spielen. Foto: fkn

Ein Klavier, ein Klavier!

München - Bei der Aktion „Play Me, I’m Yours“ sollen im Frühjahr 20 Pianos im öffentlichen Raum stehen. Jeder darf darauf spielen.

Ein Spaziergang an der Isar. Ein alter Mann hört die sanften Klänge von Beethovens „Mondscheinsonate“ über das Wasser schweben und fragt sich, woher sie wohl kommen mögen. Er folgt der Musik und entdeckt einen jungen Familienvater, der an einem Klavier direkt am Isarufer in die Tasten greift. Dann übernimmt seine Tochter - und klimpert die ersten Töne des „Flohwalzers“.

Solche Szenen könnten sich im kommenden Frühjahr in der Stadt zutragen. Vom 4. bis 19. Mai sollen zwanzig Klaviere an öffentlichen Orten in ganz München aufgestellt werden. Die Musikinstrumente sollen in Parks, an Bushaltestellen, Bahnhöfen, auf Märkten oder Brücken platziert werden und mit der simplen Aufschrift versehen sein: „Play me, I’m yours“ („Spiel auf mir, ich gehöre dir“). So lautet denn auch der Name des Projekts, das der englische Künstler Luke Jerram 2008 ins Leben gerufen hat. Nach Stationen in Sydney, New York und Paris, soll es nun erstmals nach Deutschland kommen.

Wie heißt es so schön: Musik ist eine Sprache, die jeder versteht. Frei nach diesem Motto soll das internationale Kulturprojekt unsere Stadt ein bisschen kommunikativer machen. Dafür sorgen wollen in München die Pianistin und Musiklehrerin Isabel Melendez-Alba und der Unternehmer Andreas Wagner, die „Play me, I’m yours“ ehrenamtlich betreuen. Offiziell trägt der Verein „Musik mit Kindern München“ das Projekt, deren Vorsitzende Melendez-Alba ist. Ihr persönliches Ziel: Die Menschen wieder auf klassische Musik aufmerksam machen und Lebensfreude in die Stadt bringen. „Die Leute sollen ihre gewohnte Umgebung einfach mal mit anderen Augen sehen“, sagt Melendez-Alba.

Vor allem Schulen sollen bei „Play me, I’m yours“ mit einbezogen werden, damit Kinder mit Mozart und Beethoven in Berührung kommen. Die Instrumente selbst sollen teilweise von Kindern gestaltet und verziert werden. Aber auch lokale Künstler dürfen sich der Klaviere annehmen und ihnen einen individuellen Charakter verleihen - ob mit Graffiti, Acrylfarbe oder Leuchtschrift.

Doch bevor es so weit ist, muss Isabel Melendez-Alba erst noch genügend Klaviere auftreiben. Sie hofft dabei auf die Unterstützung von Pianohäusern und Privatleuten, die alte Instrumente spenden möchten. Und auch sonst ist das Projekt noch auf Sponsoren und Unterstützer angewiesen. Die Klaviere müssen gelagert, transportiert und gestimmt werden. Außerdem soll jedes mit einem Lieder- und Notenbuch ausgestattet werden.

Wenn das Projekt im Mai startet, muss für jeden Standort auch ein „Klavierspezl“ gefunden sein, der die Instrumente jeden Tag auf- und zusperrt und bei Regen mit einer Plane abdeckt. „Es wäre natürlich praktisch, wenn das Leute machen würden, die in der Nähe wohnen oder arbeiten“, erklärt Melendez-Alba. Konkrete Orte, die sie in München anvisiert, sind etwa der Hohenzollernplatz, die Corneliusbrücke und der Platz am Fuße der Bavaria.

Über die Vorschläge muss aber noch in den jeweiligen Bezirksausschüssen diskutiert werden. Das Kulturreferat und den Oberbürgermeister wissen die Organisatoren auf jeden Fall hinter sich. Christian Ude übernahm bereits die Schirmherrschaft, und Kulturreferent Hans-Georg Küppers schrieb Melendez-Alba in einem Brief: „,Play me, I’m yours‘ ist aus Sicht des Kulturreferats ein spannendes und hochkarätiges Projekt, dessen Realisierung in unserer Stadt sehr wünschenswert wäre.“ Ob er sich auch selbst einmal ans Piano setzen möchte, schrieb er allerdings nicht. Janina Ventker

Alle Informationen

finden Interessierte online unter www.pmiy.de.

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