„So lange sich die Waffenbesitzer an die Bestimmungen halten, gibt es keine Probleme.“ Polizeisprecher Sven Müller

Schon 1700 Anträge dieses Jahr

Kleiner Waffenschein: Die Münchner rüsten auf

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München - Die Zahl der Münchner, die einen „Kleinen Waffenschein“ besitzen, explodiert. 2016 haben bereits 1700 Bürger einen solchen Schein beantragt, im ganzen Jahr 2015 waren es nur 304. Als Ursache machen Experten ein gestiegenes Unsicherheitgefühl aus.

5169 Münchner haben eine Gaspistole, Schreckschusspistol oder Signalwaffe, die sie auch öffentlich tragen wollen. Dafür brauchen sie den sogenannten „Kleinen Waffenschein“. Den beantragen im Moment extrem viele Bürger, wie Manfred Thalhammer, Leiter Waffenwesen im Kreisverwaltungsreferat (KVR), bestätigt. „2014 wurden 155 kleine Waffenscheine ausgestellt, 2015 waren es 304 und im Jahr 2016 bisher schon 1747“, sagt er. Eine explosionsartige Steigerung, die Thalhammer auf ein „gestiegenes Unsicherheitsgefühl“ zurückführt.

Im bayerischen Innenministerium kennt man die Entwicklung. Bayernweit gab es Ende Januar 54 133 kleine Waffenscheine, Ende Juni waren es schon 71 608. Der Anstieg liegt in den Augen des Ministeriums vor allem daran, dass die Antragsteller nicht angeben müssen, wofür sie den kleinen Waffenschein brauchen. Die starke Zunahme sei zudem Ausdruck der Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung, sagte ein Ministeriums-Sprecher. Berichte über Terroranschläge, Amokläufe, die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln. Die Verunsicherung stehe aber „in einem Widerspruch zur objektiven Sicherheitslage, die sich nicht verschlechtert hat“.

Keiner Waffenschein 2003 eingeführt

Der kleine Waffenschein wurde nach einer Häufung von Amokläufen in deutschen Schulen 2003 eingeführt. Wer ihn will, muss dieselben Voraussetzungen erfüllen wie für den großen Waffenschein, jedoch muss man keine Erfahrung mit Waffen haben, nicht angeben, wofür man den Schein benötigt – und auch keine Haftpflichtversicherung nachweisen. Geprüft wird die „Zuverlässigkeit und persönliche Eignung“ zum Führen der Waffen. Man muss volljährig, körperlich und geistig fit sein, darf keine Vorstrafen haben und suchtfrei sein. In der Regel kostet der kleine Schein in München 100 Euro. Ungefährlich sind die frei verkäuflichen Gas- und Schreckschusswaffen indes nicht (siehe Kasten).

Die Münchner Polizei hält den Anstieg für unproblematisch. Zur Schau stellen dürften die Besitzer ihre Schreckschuss- oder Gaspistolen nicht, sie seien nur für Notsituationen gedacht. „So lange sich die Waffenbesitzer an die Bestimmungen halten, gibt es keine Probleme“, sagt Polizeisprecher Sven Müller. Im Verhältnis zu den 1,5 Millionen Einwohnern seien knapp 5200 kleine Waffenscheine wenig.

Die meisten Straftaten werden ohnehin mit illegalen Waffen verübt. Nach einer Erhebung des Bundes wurden zuletzt 96 Prozent der aufgeklärten Straftaten in Deutschland mit einer nicht registrierten Waffe verübt. Zurückgegangen ist indes die Zahl der Münchner, die legal echte Schusswaffen besitzen, für die sie ein „berechtigtes Bedürfnis“ nachweisen müssen – zum Beispiel Schützen und Jäger. Waren 2012 noch 47 000 Waffen bei 11 500 Münchnern registriert, so gibt es aktuell nur noch knapp 9600 angemeldete Waffenbesitzer mit rund 45 900 Waffen. 20 Personen verfügen laut KVR über mehr als 50 Schusswaffen. Der Spitzenreiter, der Verantwortliche einer Sicherheitsfirma, hat 310 Waffen registriert.

Unangemeldete Kontrollen

Schusswaffenbesitzer müssen mit unangemeldeten Kontrollen rechnen. Das KVR kommt ohne Vorankündigung. Laut Thalhammer könne nur so festgestellt werden, ob Schusswaffen ordnungsgemäß verwahrt sind, Waffen fehlen, geladen sind oder illegale Schusswaffen vorhanden sind. Heuer wurden bereits fünf Mal illegale Waffen gefunden, acht Waffenbesitzern wurde die Erlaubnis entzogen.

Die Ankündigung, rund 650 Waffenbesitzer zu kontrollieren, wird das KVR aber nicht einhalten können. Bislang sind 2016 erst 160 Kontrollen erfolgt. 2014 waren es noch 681, 2013 sogar 795. Grund: Für die Kontrollen sind im KVR genau zwei Sachbearbeiter abgestellt, die auch zu zweit im Einsatz sein müssen. Einer der beiden hat aber bis ins Frühjahr 2016 eine berufliche Weiterbildung gemacht, fiel größtenteils aus. „2016 werden bestenfalls 400 Kontrollen möglich sein“, sagt Thalhammer. Grundsätzlich sei die Ausstattung mit zwei Vollzeitkräften aber angemessen. „Die Kontrollen entfalten bereits durch den Umstand, dass es sie gibt, abschreckende Wirkung.“

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