Klinik-Finanzkrise: "Der Weg zur schwarzen Null wird hart sein"

München - Ein umfangreiches Sparpaket sowie die geplante Kapitalerhöhung um 100 Millionen Euro durch die Stadt München: Ohne diese Maßnahmen stünde das städtische Klinikum bald vor der Pleite.

Bei der Analyse des Finanzdebakels zeigt sich indes, dass nicht in erster Linie der Hygiene-Skandal im vergangenen Jahr als Auslöser für die Misere zu sehen ist.

Zwölf Stunden lang tagten die 22 Mitglieder des Klinikaufsichtsrats am Freitag. Am Ende beschlossen sie einstimmig, ein umfangreiches Sparpaket für den Klinikverbund auf den Weg zu bringen, der heuer mit einem Defizit von bis zu 44 Millionen Euro rechnet. Schwarze Zahlen soll der Konzern, zu dem die Häuser Harlaching, Neuperlach, Schwabing, Bogenhausen und Thalkirchner Straße gehören, frühestens 2015 schreiben.

340 Stellen sollen nun bis 2015 wegfallen, zwei Drittel bei Ärzten und im Labor sowie ein Drittel in der Verwaltung. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Die Verwaltung soll effizienter werden und eine neue Computertechnik kommen, die auch Ärzte von Verwaltungsaufgaben entlastet. Außerdem sollen bestimmte Fachrichtungen an einzelnen Standorten gebündelt werden. Geplant ist etwa eine große Pathologie anstatt der derzeit vier.

„Die Lage ist dramatisch, aber die Sanierung der städtischen Kliniken ist machbar“, bemühte sich die Vorsitzende der Geschäftsführung, Elizabeth Harrison, um Optimismus. Heute will sie dem Betriebsrat den Sanierungsplan vorstellen, im Laufe der Woche die Mitarbeiter an allen Klinik-Standorten über die nächsten Schritte informieren. „Der Weg zur schwarzen Null wird hart sein und fordert einen engen Schulterschluss von Aufsichtsrat, Geschäftsführung und den Mitarbeitern“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Hep Monatzeder (Grüne).

Im Aufsichtsrat indes werden Stimmen laut, die der früheren Chefetage Versagen vorwerfen. Nach dem Hygieneskandal um verschmutztes OP-Besteck in den Häusern Bogenhausen und Neuperlach waren drei der damals vier Geschäftsführer entlassen worden. Nur Finanzchef Franz Hafner durfte bleiben. Die Gefeuerten, heißt es aus dem Aufsichtsrat, hätten beschlossene Sanierungsschritte für das schon damals defizitäre Unternehmen blockiert. Auch Monatzeder sieht im Hygieneskandal nicht mehr den Ursprung der Finanzkrise. Er sei „höchstens das Tüpfelchen auf dem i“ gewesen. Ob Hafner im Amt bleibt, ist noch unklar. Der 47-Jährige hatte sich nach Bekanntwerden der aktuellen Krise in den Jahresurlaub verabschiedet - und ist nun bis 30. November krankgeschrieben.

Wie ineffizient die fünf städtischen Kliniken arbeiten, zeigt die Analyse einer Beraterfirma, die die Krankenhäuser vier Wochen lang untersuchte. Obwohl das Klinikum seit 2006 kontinuierlich Marktanteile abgebaut hat, wurden seit 2008 320 zusätzliche Stellen geschaffen. Die Personalkosten in der Verwaltung liegen 35 Prozent über denen vergleichbarer Kliniken, ein ähnliches Bild zeigt sich beim Einkauf und bei den Ausgaben für Reinigungs- und Wäschereidienste.

Die interne Ursachenforschung hat auch gezeigt, dass es bei der Abstimmung zwischen OP-Plänen und den Dienstplänen der Ärzte Organisationsmissstände gab. Sie führten dazu, dass Mediziner auf der einen Seite während ihrer Dienstzeit nicht zum Einsatz kamen und auf der anderen Seite eine große Zahl teurer Überstunden anhäuften. Und: Auch bei den Einnahmen wurde offenbar nicht immer genau hingesehen. Ärzte haben den Krankenkassen bisweilen weniger für die Behandlung eines Patienten in Rechnung gestellt als dem Krankenhaus zugestanden hätte.

Caroline Wörmann

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