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Franz Hafner, kaufmännischer Geschäftsführer des städtischen Klinikums, geriet zuletzt immer mehr in die Kritik.

Klinik-Krise: Finanzchef wird kaltgestellt

München - Franz Hafner, kaufmännischer Geschäftsführer des städtischen Klinikums, tritt seinen Jahresurlaub an – ob dies freiwillig geschah, wird indes angezweifelt.

Die Finanzkrise des städtischen Klinikums hat zu ersten personellen Konsequenzen geführt. Der zuletzt in die Kritik geratene kaufmännische Geschäftsführer Franz Hafner ist vorerst nicht mehr Chef in seinem Ressort: Er hat nach Auskunft des Klinikums seinen Jahresurlaub angetreten. Inwieweit dies freiwillig geschah, bleibt indes offen.

Scheibchenweise war in den vergangenen Wochen die Wahrheit über den Zustand des 8500 Mitarbeiter großen städtischen Unternehmens ans Tageslicht gekommen. Bis zu 43 Millionen Euro soll das Defizit in diesem Jahr betragen. In Krankenhaus-Kreisen ist es kein Geheimnis, dass es für das Unternehmen düster ausgesehen hätte – würde die Stadt nicht abermals mit einer großen Finanzspritze helfen: Um 100 Millionen Euro will sie das Eigenkapital der GmbH aufstocken, unter deren Dach die Krankenhäuser Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und Thalkirchner Straße vereint sind. Zuvor war schon ein Investitionszuschuss über 127 Millionen Euro bewilligt worden.

Nach Informationen unserer Zeitung war Finanz-Chef Hafner zuletzt immer mehr unter Druck geraten. Bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung soll Klinik-Chefin Elizabeth Harrison ihrem Finanz-Verantwortlichen vorgehalten haben, seine Prognosezahlen seien nicht belastbar und müssten überprüft werden. Wie ein Klinik-Sprecher auf Nachfrage unserer Zeitung gestern erklärte, habe Hafner nun einen Urlaub angetreten, um sich zu regenerieren. Klinik-Chefin Harrison und Aufsichtsratschef Hep Monatzeder hätten dem Wunsch wegen ihrer „Fürsorgepflicht“ zugestimmt.

In Klinik-Kreisen wird indes bezweifelt, dass das Urlaubsgesuch gänzlich freiwillig war. Denn die Klinik GmbH steht derzeit massiv unter Druck. Bis zur Aufsichtsratssitzung am 25. November müssen dem Gremium Zahlen vorgelegt werden, welches Sparpotential der erarbeitete Sanierungsplan bietet. Dies ist die Voraussetzung, dass die Stadt die 100 Millionen Euro als Eigenkapitalaufstockung zuschießt.

Wie der Sprecher des Klinikums erklärte, will die GmbH nun ohne Hafner „mit voller Kraft“ an dem Sanierungsplan arbeiten. Man habe dazu ein Team aus internen und externen Experten aufgestellt.

Matthias Kristlbauer

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