Knacks! Da brach der Ellenbogen

Klinik statt Theater: Die Münchner Opfer der Kältewelle

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München - Die Kältewelle hat die Stadt im Griff. Schnee und Eis sind Rutschfallen. Das bedeutet wie immer viel Arbeit für Notaufnahmen und Orthopäden. Wir stellen mehrere Opfer vor.

Klirrende Kälte, Eis und Schnee haben sich über München gelegt. Die Fußwege sind eine einzige Eisfläche, die Minusgrade lassen einem schier das Blut in den Adern gefrieren. Sturz- und Grippepatienten bevölkern die Krankenhäuser. Schnee und Eis sind Rutschfallen. Das bedeutet wie immer viel Arbeit für Notaufnahmen und Orthopäden. 

Allein die Uni-Kliniken hatten an diesen ersten Tagen nach dem Wintereinbruch Dutzende Sturzopfer mit Knochenbrüchen zu behandeln. Noch dazu ist eine Grippewelle über München geschwappt. Bei dieser Kälte ist das Ansteckungsrisiko besonders hoch. Folge:

Mehr als 1000 Grippepatienten in Bayern alleine zwischen Oktober und Dezember des vergangenen Jahres

. Und damit mehr als überall sonst in Deutschland. 

Marita Wehlus, Ramona Weise

Krankenhaus statt Theater

Brian Kraft (63) wohnt eigentlich in Palm Springs. Er und sein Mann besuchten zu Silvester ein befreundetes Schauspieler-Ehepaar in München. Als sie sich deren Aufführung im Residenztheater ansehen wollen, passiert es. Brian Kraft rutscht auf einer Eisplatte aus – und schon liegt der Rentner auf dem Boden. Er wird in die Garderobe der Schauspieler getragen, mit einem gebrochenen Unterschenkel wartet Brian Kraft auf den Notarzt. Im Krankenhaus angekommen will er sich ausfliegen lassen. Aber die Ärzte warnen ihn. „Er hätte nicht fliegen können. Von Amputation bis Tod wäre alles möglich gewesen“, meint Dr. Tobias Helfen, Unfallchirurg in der Uni-Klinik Nussbaumstraße. Also wird operiert. Er ist er sehr froh, geblieben zu sein: „Zum Glück waren wir in München, nicht irgendwo anders. Alle waren unglaublich toll hier.“

Gefrorener Schnee

Philippe Gsells (47) Skiurlaub nahm ein jähes Ende. Es war die letzte Abfahrt des Tages, kein Mensch mehr auf der starrgefrorenen Piste in Garmisch. Der Chemiker ist ein erfahrener Skifahrer, steht seit Kindesbeinen auf den Brettln. Doch plötzlich rutscht er weg und fällt auf die Schulter. Der Oberarmkopf ist gebrochen. Der Giesinger mit französischen Wurzeln kommt ins Krankenhaus Rechts der Isar. Hier ist klar, eine OP muss sein. „Ungefähr drei Monate wird es dauern, bis der Arm wieder voll funktionsfähig ist“, erklärt der Leiter der Unfallchirurgie, Prof. Dr. Biberthaler. Philippe Gsell will nun mehr aufpassen. „Vielleicht sollte ich doch weniger Gas auf der Piste geben...“

Knacks! Da brach der Ellenbogen

Kerstin Marshall (33) ist in der 15. Woche schwanger. Sie wollte bei Schnee und Eis eigentlich gar nicht mehr aus dem Haus gehen, bis das Baby da ist. Aber die Key Account Managerin musste zu einem Termin. Noch bevor sie an der Bushaltestelle ist, rutschen ihr plötzlich die Füße weg. Sie versucht noch, sich mit dem Arm abzufangen. „Es hat gleich geknackt. Aber ich war erleichtert, dass ich nicht auf den Bauch gefallen bin“, so die Sendlingerin. Sie will nicht sofort ins Krankenhaus, doch eine Freundin überredet sie. Diagnose: Ellenbogenbruch. Die Ärzte raten zur OP. Für Kerstin Marshall eine Ausnahmesituation: „Ich lag noch nie im Krankenhaus. Deshalb war ich froh, dass die OP mit lokaler Betäubung ging. Alles andere wäre mir zu riskant gewesen.“ Sechs Wochen muss sie sich schonen. Bis ihr Kind da ist, ist der Arm wieder gut.

Rubriklistenbild: © Götzfried

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