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Klinikum Harlaching

„Das System ist am Absaufen“

München - Der Kampf um das Klinikum Harlaching verschärft sich. Nach dem Enthüllungsbericht des Wallraff-Teams bei RTL über Missstände in dem Krankenhaus fordern verschiedene Seiten nun vehement Lösungen.

Mit drastischen Worten skizzierte etwa Dr. Herbert Schneider vom Betriebsrat des Klinikums im Bezirksausschuss (BA) Untergiesing-Harlaching eine düstere Zukunft: „Der Wallraff-Bericht hat verdeutlicht, dass wir personell auf eine Katastrophe zusteuern.“ Es werde höchste Zeit, das Ruder herumzureißen: „Es ist zwei vor zwölf.“

Der Pflegenotstand macht vielen Krankenhäusern zu schaffen, auch dem in Harlaching. Zu wenig Personal, aber immer mehr Arbeit. Immer mehr Überstunden, aber keine Aussicht, sie abzubauen. „Die Belastung für die Mitarbeiter wird ständig größer, auch emotional“, warnt Schneider. „Irgendwann wird sie so groß, dass es gar nicht mehr geht.“ Ein Trend, der gestoppt werden müsse. Sonst seien verbale Entgleisungen und Behandlungsfehler die Folge.

Die Initiative Klinikum Harlaching machte vor einigen Tagen in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) das städtische Sanierungskonzept für die Misere mitverantwortlich. Es verschärfe die Pflegeproblematik im Klinikum Harlaching – aber auch im Klinikum Schwabing. Die Umsetzung durch die Geschäftsführung der Städtischen Klinikum München habe bereits jetzt eine untragbare Situation für das Personal und die Patienten geschaffen. Noch bieten beide Kliniken laut Schreiben eine bedarfsgerechte, umfassende Versorgung der Patienten. „Aber in weniger als ein bis zwei Jahren wird das nicht mehr so sein“, warnte der Notarzt Dr. Ulrich Heindl, der ebenfalls in die BA-Sitzung gekommen war.

Die Initiative fordert rasches Handeln. Die jetzige Umstrukturierungsstrategie sei nicht zukunftsfähig. „Die verantwortlichen Politiker müssen sich fragen lassen, warum sie die städtischen Kliniken mit so wenig Personal ausstatten, dass Personal und die Bürger darunter leiden müssen“, heißt es in dem Brief. „In München wird viel Geld für Kulturelles ausgegeben“, fügt Betriebsrat Schneider hinzu. Drastischer Sparkurs herrsche dagegen bei den Kliniken. Er Schneider hält das für gefährlich. „Zumal dabei die demographische Entwicklung und der Bevölkerungszuwachs völlig außer Acht gelassen wird.“ Die Verlierer seien am Ende vor allem die älteren Patienten. „Es ist jetzt schwerer, Pflegepersonal zu bekommen.“ Und zu halten.

Gerade bei jüngeren, höher qualifizierten Kräften sei die Fluktuation hoch. „Die sind oft nach zwei, drei Monaten wieder weg.“ Momentan gebe es unbesetzte Stellen. Kein Wunder: In der heiß umkämpften Medizinlandschaft spiele die Attraktivität von Kliniken eine große Rolle. „Wir können da nicht mithalten.“ Auch nach Ansicht von CSU-Stadtrat Reinhold Babor eine unhaltbare Situation. „Das vorhandene Personal arbeitet am Limit.“ Es werde zu wenig dafür getan, es zu halten. „Das Sanierungskonzept ist noch nicht in Stein gemeißelt“, so Babor. Noch könne es an die Erfordernisse angepasst werden, die auch der Wallraff-Bericht deutlich gemacht habe. Ähnlich äußerte sich BA-Mitglied Andreas Babor (CSU): „Die aktuelle Situation ist kein Zustand, noch funktioniert es irgendwie, aber das System ist am Absaufen.“

Per Antrag fordert seine Fraktion die Stadt auf, „Anreize zu schaffen, um das Pflegepersonal zu halten und um neue Pflegekräfte einzustellen“. Etwa durch bezahlbare Wohnungen auf dem Klinikareal und einer an die Arbeitszeiten angepassten Kinderbetreuung. Zudem soll geprüft werden, welche zusätzlichen Finanzierungmöglichkeiten man für die Kliniken finden könne, schob BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) nach. Das Gremium segnete das Antragspaket einstimmig ab.

Brigitta Wenninger

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