Klinikum trennt sich von Finanzchef Hafner

München - Der Revisionsbericht weist nach, dass der kaufmännische Geschäftsführer Aufsichtsrat und Stadt über die Finanzsituation des Konzerns täuschte.

Die städtische Klinikum GmbH und ihr kaufmännischer Geschäftsführer Franz Hafner haben sich mit sofortiger Wirkung getrennt. Der Aufsichtsrat segnete am Montag einstimmig einen einvernehmlichen Auflösungsvertrag mit dem 47-Jährigen ab. Mit dem Schritt reagiert der Klinikverbund auf die Erkenntnisse des städtischen Revisionsamtes, nach denen der Finanzchef dem Aufsichtsrat und der Stadt München systematisch geschönte Zahlen vorgelegt hat.

Man sei „gemeinsam zu der Auffassung gekommen, dass im Bezug auf die weitere Entwicklung der Kliniken unterschiedliche Vorstellungen bestehen“, erklärte Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne), Chef des Klinik-Aufsichtsrats. Das Klinikum danke Hafner „für das Engagement und den Einsatz in den letzten Jahren“, ließ das Unternehmen am Montagabend verlauten.

Die Chefetage des angeschlagenen Konzerns, dem heuer ein Defizit von bis zu 43 Millionen Euro droht, ist damit deutlich ausgedünnt. Es fehlt nicht nur der Finanzchef, sondern auch ein medizinischer Geschäftsführer - der gewünschte Kandidat sagte kürzlich ab, die Stelle wird neu ausgeschrieben. Der Druck auf die Klinik-Vorstandschefin Elizabeth Harrison wächst.

„Das Stadtklinikum ist handlungsfähig“, betonte Monatzeder aber gegenüber unserer Zeitung. Der Aufsichtsrat habe Harrison beauftragt, baldmöglichst Vorschläge für zwei externe Experten für den kaufmännischen und medizinischen Bereich zu benennen, bis die Posten neu besetzt sind. Monatzeder: „Wir brauchen eine Interimslösung.“

Die Trennung von Hafner resultiert aus einem vertraulichen Bericht des Revisionsamtes. Nach den Erkenntnissen der Behörde wusste der Klinik-Finanzchef früh vom laufend steigenden Defizit. Doch laut der Analyse wurden dem Aufsichtsrat und der Stadt konsequent andere, optimistischere Zahlen unterbreitet. Das Revisionsamt betont in seinem Bericht aber auch, dass weder das städtische Gesundheitsreferat noch der Aufsichtsrat kritisch genug nachgefragt hätten.

Die Revisioren verglichen verschiedene Klinik-Dokumente: einerseits die Monatsberichte, die Stadt und Aufsichtsrat zu sehen bekamen - und andererseits interne Tabellen aus dem Klinikkonzern. Letztere hatte Harrison, die seit Februar 2011 im Amt ist, an OB Christian Ude (SPD) übergeben. Sie wollte damit ihren Verdacht stützen, dass Hafner bereits im Mai 2010, noch vor dem Skandal um verschmutztes OP-Besteck, von einem Defizit von neun Millionen Euro ausging. Dieser Verdacht habe sich bestätigt, heißt es im Bericht des Revisionsamtes.

Die unterschiedlichen Prognosen sind nun belegt: So ging die Finanz-Geschäftsführung intern bereits im Februar 2011 von einem Defizit zwischen 29,2 und 46,3 Millionen Euro aus. Der Stadt und Aufsichtsrat mitgeteilte mögliche Jahresfehlbetrag: Zwölf Millionen Euro. Er sei tatsächlich „nie zu erreichen gewesen“, stellte das Revisionsamt fest.

Unklar ist nun, ob Hafner in Form von Schadenersatz haftbar gemacht werden kann. „Es wird sehr schwer nachzuweisen, dass absichtlich getäuscht und mit vollkommen unrealistischen Zahlen gearbeitet wurde“, sagte Monatzeder. Das müssten aber andere klären.

Monatzeder will nun lieber nach vorne schauen. Der kürzlich vorgelegte Sanierungsplan für die Kliniken müsse zügig umgesetzt werden. „Es geht jetzt darum, dass sich alle mit aller Kraft dem Klinikum widmen müssen, damit es wieder in normale Bahnen kommt.“

Caroline Wörmann

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