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Die Kunst soll nicht vergessen werden: Als Vorsitzende der „Magda Bittner-Simmet Stiftung“ betreut Verena Walterspiel den Nachlass von Magda Bittner-Simmet, einer verstorbenen Münchner Künstlerin.

Magda Bittner-Simmet-Stiftung

Knallbuntes Gedenken

München - Die Werke der toten Künstlerin sollen nicht in Vergessenheit geraten: Die „Magda Bittner-Simmet Stiftung“ setzt sich genau dafür ein – und stellt ihr Konzept beim Münchner Stiftungs-Frühling vor. Die Münchner im Hier und Jetzt profitieren seitdem vom letzten Willen einer Künstlerin.

Lila. Bunt. Bunt. Lila. Rot, gelb, Bbau. Wer die Wohnung der verstorbenen Münchner Künstlerin Magda Bittner-Simmet betritt, wird von knallbunten Farben überwältigt. Die Wände, strahlend weiß, geschätzt vier Meter hoch, voll behangen mit Ölbildern in allen Farben. Schwere, alte Eichenschränke unterbrechen die Bilderflut, daneben: ein Kleiderschrank, türkis.

Sieben Jahre ist es her, dass Magda Bittner-Simmet verstorben ist. Seitdem kümmert sich die gleichnamige Stiftung um ihren Nachlass. Die Magda Bittner-Simmet Stiftung ist eine von etwa 1000 rechtsfähigen Stiftungen in München – doch weiß kaum einer davon. 150 von ihnen präsentieren sich in den kommenden Tagen auf dem Münchner Stiftungs Frühling. Ihre Zwecke sind vielseitig: Ein Großteil springt für sozial schwache Münchner ein, andere haben sich auf die Hilfe für Kinder und Jugendliche spezialisiert. Wieder andere finanzieren Bildungsprojekte. Die Magda Bittner-Simmet Stiftung ist nur eine von vielen, allerdings mit einem in der Stadt einzigartigen Konzept. Das Beispiel einer besonderen Münchner Stiftung.

„Als wir das Atelier zum ersten Mal betraten, haben wir über diese Vielfalt gestaunt“, sagt Verena Walterspiel, Vorsitzende der Magda Bittner-Simmet Stiftung. Noch mehr Schränke, Rahmen und – Teppiche. Magda Bittner-Simmet war eine Künstlerin, die eine Leidenschaft für bunte Teppiche hatte und keinen davon wegwerfen konnte. Das Lebensmotto der Künstlerin, „Fest der Farbe“, spiegelte sich in jedem Eck ihrer Zimmer wider – ein Protest gegen den tristen Alltag der Nachkriegszeit. Schon beinahe liebevoll klingt Walterspiel, als sie versucht, die Situation der Wohnung in ein paar wenige Worte zu fassen: „Sie war einfach voll mit Erinnerungsstücken aus ihrem Leben“, sagt sie und zuckt entschuldigend mit den Schultern.

35 Jahre lang hat Magda Bittner-Simmet in dem lichtdurchfluteten Wohnatelier gelebt und gemalt. Landschaftsbilder kleiner italienischer Städtchen, weite Blicke über das Mittelmeer, sanfte Hügel. Noch viel erfolgreicher aber war sie mit den Porträts wohlhabender Persönlichkeiten. Der deutsche Schriftsteller Oscar Maria Graf ist einer derjenigen, die auf der Schwedenstraße vorfuhren. Wäre der Stuhl noch ein paar Mal die Sitzgelegenheit für einen Gast, würde sicher bald sein Innenleben durch den abgenutzten Stoff schimmern. Wie damals steht er auch heute noch auf einem hölzernen Podest in der Mitte des Raums – dafür sorgen Verena Walterspiel und ihre Kollegen. So hat die Künstlerin ihren Willen sogar in ihrem Testament festgehalten.

Ihre Kunst solle öffentlich zugänglich sein, heißt es darin. „Mit Blick auf die Stiftungsgründung hat sie dann sogar angefangen, ihre Werke zurückzukaufen“, sagt Walterspiel. „Mutig und selbstbewusst wie sie schon immer war, als Frau, die ihr Geld nach dem Krieg mit Kunst verdient hat.“ Die Stiftung will dafür sorgen, dass diese Persönlichkeit nicht in Vergessenheit gerät. 91 Jahre war die Künstlerin alt, als sie verstorben ist – „sie hat fast ein Jahrhundert Münchner Geschichte miterlebt“. Nicht nur ihre Bilder, sondern auch Tagebucheinträge und Briefe spiegeln wider, was Magda Bittner-Simmet in dieser Zeit erlebt hat. Bei Führungen durch das Wohnatelier wird vieles davon erzählt.

Doch das ist nicht alles, wofür sich die Stiftung einsetzt: Walterspiel organisiert zusammen mit ihren Kollegen Wanderausstellungen für Seniorenheime und all diejenigen, die ein Museum nicht mehr besuchen können. Dann dürfen die Senioren auch selbst zu Pinsel und Farbe greifen. Ein Kommentar, den Walterspiel oft zu hören bekommt: „Endlich mal schöne Bilder.“ Knallbunte Farben eben, die ab und an auch andere Wände schmücken.

Franziska Bär

Kontakt zur Stiftung

ist unter Tel. 089 / 361 52 95 möglich oder mit einer E-Mail an info@mbs-stiftung.de. Weitere Infos im Internet: www.magda-bittner-simmet-stiftung.de.

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