+
Bittet um Hilfe für seinen Sohn: Vater Zeki Demiral zeigt zwei Fotos seines leukämiekranken Buben Kerim.

Typisierungsaktion

Knochenmarkspender gesucht: Kerim will weiterleben

München - Der an Leukämie erkrankte Bub Kerim (14 Monate) braucht dringend eine Knochenmarkspende. Am Samstag findet deshalb eine Typisierungsaktion in Moosach statt.

Der kleine Bub, um den es heute geht, ist nicht da. Er ist nur auf einem Foto zu sehen: Kerim, 14 Monate alt, braune Augen, dunkle Haare, lacht in die Kamera. Auf seinem Kopf: ein Verband. Er zeigt, dass Kerims Leben nicht so unbeschwert ist, wie sein Lachen vermuten lässt. Denn Kerim ist schwer krank. Er hat Leukämie – Blutkrebs. Und: Er braucht eine Knochenmarkspende. Sonst stirbt er.

Im Herbst hatten die Ärzte Kerims Krankheit diagnostiziert. Heute bittet seine Familie zusammen mit der Stiftung „Aktion Knochenmarkspende Bayern“ die Menschen im Freistaat, sich typisieren zu lassen – um einen passenden Stammzellen-Spender zu finden (Kasten). Und so Kerims Leben zu retten.

„Er war erst neun Monate alt, als seine Kinderärztin merkte, dass etwas nicht stimmt“, erzählt sein Vater Zeki Demiral. Der Mann, Anfang 30, spricht mit gefasster Stimme, seine Hände umklammern fest das Bild von Kerim, auf dem der so fröhlich lacht. Es entstand kurz nachdem die Familie die Diagnose erhielt. Kerims Zustand hat sich seither verschlechtert, sehr sogar.

Erst letzte Woche musste Kerim notoperiert werden. „Seit dem 28. Dezember ist er jetzt ständig im Krankenhaus. Er darf es nicht mehr verlassen, weil die Infektionsgefahr zu groß ist. Meine Frau ist 24 Stunden bei ihm – jeden Tag,“ erzählt Demiral, der als Taxifahrer arbeitet. Dass ausgerechnet seine Familie diese Krankheit schon zum dritten Mal trifft, das konnte er kaum fassen: Kerims Mutter litt jahrelang an Blutkrebs – bis eine Knochenmarkspende ihr Leben rettete. Auch Demirals eigene Schwester hatte Leukämie – sie starb.

Kerim kann geheilt werden, er könnte später sogar ohne Medikamente leben. Dafür braucht es aber eine passende Stammzellen-Spende. Wenn sich genügend Menschen typisieren lassen, das heißt ihr Blut untersuchen und ihre Daten hinterlegen, stehen die Chancen dafür nicht schlecht. Rund 285.000 Menschen sind in Bayern als mögliche Stammzellen-Spender registriert. Das Problem: Die Zahlen sind rückläufig. Dabei erkranken im Freistaat 300 bis 400 Menschen pro Jahr an Blutkrebs. „Wir müssen uns klarmachen, dass das eine Krankheit ist, die jeden treffen kann“, sagt Dr. Hans Knabe von der „Aktion Knochenmarkspende Bayern“. Und: „Wir müssen den Unentschlossenen die Angst vor der Spende nehmen.“ Die Blutprobe für die Typisierung dauere nur fünf Minuten – wenig Zeit also, die aber so viel bewirken kann.

Diese Erfahrung hat auch Martin Prankl, 31, gemacht. Er spendete vor einem Jahr Stammzellen, mit denen einem Blutkrebs-Patienten geholfen wurde. „Die Chance, dass du zum Lebensretter werden kannst, hast du nur einmal“, sagt Prankl. „Es ist für dich nur eine Zeit von zwei Tagen, die du im Krankenhaus verbringst, aber dadurch gibst du einem anderen Menschen die Möglichkeit weiterzuleben.“ Weiterleben – das will auch Kerim. Und auch seine Eltern wünschen sich, dass ihr Sohn wieder so lacht wie auf dem Foto, das der Vater heute mitgebracht hat. Noch fehlt aber ein geeigneter Spender.

So können Sie helfen

Für Kerim findet am Samstag, 12. März, von 11 bis 16 Uhr eine Typisierungs-Aktion im Haus der Islamischen Gemeinde (Ortsverein Moosach, Braubergerstr. 32) statt. Weitere Informationen unter www.akb.de.

Als Stammzellen-Spender kann sich jeder registrieren lassen, der zwischen 17 und 45 Jahre alt und bei guter Gesundheit ist. Kommt ein Registrierter für eine Spende in Frage, werden ihm in der Regel Zellen aus dem Blut entnommen; bei 20 Prozent der Spender müssen sie mittels Spritze aus dem Knochenmark am Beckenkamm entnommen werden. Das geschieht im Krankenhaus. Die Stammzellen bilden sich innerhalb von zwei bis vier wieder Wochen nach.

Wer für eine Stammzellen- Spende nicht in Frage kommt, kann Kerim und allen Leukämie- Patienten dennoch helfen: Bei jeder Typisierung fallen 50 Euro an Untersuchungskosten an, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden. Für Kerim (Verwendungszweck: Kerim) können Sie spenden: IBAN: DE47 7025 0150 0022 3945 63. Oder sie nutzen die Handy-App „Nate“ , bei der auf dem Handy-Display Werbung gezeigt wird. Die Werbegelder gehen an Leukämie-Kranke.

Christian Dengg

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Stadt will Kita-Betrügereien beenden
München - Kita-Plätze sind in München noch immer umkämpft. Um bessere Chancen auf einen Platz zu haben, machen mache Eltern falsche Angaben. Damit soll nun Schluss sein. 
Stadt will Kita-Betrügereien beenden
Grüne fordern Verkehrs-Vision für München
München - Die möglichen Verkehrsentwicklungen in der Stadt wollen die Rathaus-Grünen untersuchen lassen. In einem Antrag fordert die Fraktion, drei Szenarien bis zum …
Grüne fordern Verkehrs-Vision für München
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
München - Rein oder nicht rein – das ist hier die Frage. Wer direkt in der Stadt wohnt, hat in der Regel kurze Wege zum Arbeitsplatz und spart sich viel Zeit, die er …
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Jury einig über Entwurf für Münchner NS-Mahnmal
München - Stolpersteine sind in München verboten. Der Stadtrat will auf andere Weise an den Holocaust erinnern und hat einen Wettbewerb ausgelobt. Favorit der Jury ist …
Jury einig über Entwurf für Münchner NS-Mahnmal

Kommentare