+
Können die Münchner auch Fasching? Ein Jeck macht den Test

Ein Kölner testet den Münchner Fasching

Können die Münchner auch Fasching? Ein Jeck macht den Test

Als Kölner ist Jonas Schumann aktuell als Praktikant der tz-Lokalredaktion in München. Er macht den ultimativen Faschings-Test.

München - Wenn man schon so jemanden da hat… Und wenn es schon zu dieser Jahreszeit ist… Dann muss es doch lustig werden! In unserer Lokalredaktion macht derzeit Jonas Schumann (20) ein Praktikum – er studiert in Köln und ist deshalb Karnevals-erprobt. Man hört ja immer mal wieder: Wir Münchner könnten nicht so recht Fasching feiern, bei uns sei es im Vergleich zum Rheinland gscheit fad. Stimmt das? Wir haben Jonas gestern zum Faschingsauftakt, dem unsinnigen Donnerstag, auf den Viktualienmarkt geschickt. Hier erzählt ne Kölsche Jeck, wie es ihm unter Münchner Nartren gefallen hat:

Jeck lass nach… Da ist ja gar keiner… Das Erste, was mir auf dem Viktualienmarkt auffällt, ist die Leere. Aus dem Kölner Karneval bin ich brodelnde Stimmung und dichtes Gedränge gewohnt, hier am Viktualienmarkt brodelt es erst mal bloß in den Töpfen der Suppenküche. Liegt aber nicht an München, sondern an mir. Ich bin extra vor dem offiziellen Beginn gekommen, weil ich Gedränge erwartet hab, aber die Münchner feiern offenbar exakt pünktlich (was in Köln anders ist, da geben sie schon in der Früh Vollgas). Hier am Viktualienmarkt muss ich ein bissl warten, dann geht’s aber zur Sache.

Vielleicht interessiert Sie auch das: Exhibitionist oder gut bestückter Schotte - Gehen diese Schmuddel-Kostüme zu weit?

Die Narren kommen: Ich sehe Teuferl, Rocker, Cowboys und klassische Gaudi-Kostüme. Und ich höre – was mit Köln wieder nicht viel zu tun hat – bayerische Volksmusik. Glaube ich. Ebenfalls sehr bayerisch ist die Kleidung, die ich sehe. Nämlich: Lederhosen. Die gibt’s auch im Rheinland – allerdings ausschließlich im Karneval, während das ja in München wohl das ganze Jahr über tragbar ist…

Kein Kölsch, aber das bayrische Bier kann auch was

Langsam füllt sich der Markt, die Leute haben Spaß, ich hab ihn auch. Oder Gaudi, sollte ich besser sagen – so klären mich einige Münchner auf.

Ein Prost auf die Völkerverständigung! Zu diesem Zweck gibt’s hier zwar nicht das süffig-leckere Kölsch, dafür aber feines bayerisches Bier für die Narren und Prosecco oder Hugo für die Närrinnen. Hier und da klopfen einige die Schnäpschen, ich natürlich fleißig mit… Da liegen Karneval und Fasching nicht weit auseinander.

Lesen Sie dazu auch: „Wie eine Kastration“ - Karnevalsgesellschaft beklagt bizarren Diebstahl

Am unsinnigen Donnerstag (oder Rheinländisch Weiberfastnacht) dürfen die Damen den Herren ja die Krawatten abschneiden. Für die Münchner Männer gäbe es da zwar theoretisch kein Entkommen – hier am Viktualienmarkt warte ich aber trotzdem vergeblich. Die Närrinnen wären mit Scheren bestens gerüstet – doch was fehlt, sind die Krawatten der Herren… Naja, München, das geht besser…

Was mir dagegen ganz gut gefällt, ist die Stimmung insgesamt. Ausgelassen, authentisch, aber nicht so irre dicht gedrängt wie in Köln. Ein bissl aufpassen muss ich trotzdem. Als mir ein „Kölle Alaaf!“ entfährt, ernte ich einen schiefen Blick. ­Uuups, ich bin in München – und da schreien sie alle „Helau“. Wie in Düsseldorf. Entschuldigung, aber: In Düsseldorf macht man bekanntlich alles falsch.

Jonas Schumann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld
Die Oktober-Bauarbeiten an der Münchner Stammstrecke starten. An diesem Wochenende geht‘s weiter. Wer mit der S-Bahn in die Innenstadt möchte muss Geduld haben. 
Schon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld
Craftbeer-Oktoberfest: Der große Auftritt der kleinen Brauer
Das „Craftbeer Oktoberfest“ in der Münchner Reithalle dürfte unter den Liebhabern außergewöhnlicher Biersorten bis einschließlich Samstag ein besonderer Tipp sein.
Craftbeer-Oktoberfest: Der große Auftritt der kleinen Brauer
„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus
Obwohl sie Münchner sind, fühlen sie sich hier nicht immer wohl. Nun startet die Stadt München eine Postkarten-Kampagne. 
„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus
Münchner Taxler wollte Terrorist werden: 32-Jähriger war fast in Syrien - dann kehrte er zurück 
Ein 32-jähriger Taxifahrer aus München radikalisierte sich und wollte für den Islamischen Staat sterben. An der Grenze zum Kriegsgebiet machte er einen Rückzieher. Nun …
Münchner Taxler wollte Terrorist werden: 32-Jähriger war fast in Syrien - dann kehrte er zurück 

Kommentare