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Corinna Binzer ist Schauspielerin und Autorin. Sie stammt aus Berg am Laim.

Schauspielerin Corinna Binzer

Gastbeitrag: Meine Hunger-Halluzinationen in der Fastenzeit

Corinna Binzer ist Schauspielerin und Autorin und stammt aus Berg am Laim. In unserer Münchner-Merkur-Kolumne "Münchner Freiheit" schreibt sie über ihre Fantasien und Hungerattacken in der Fastenzeit.  

Es ist wirklich eine harte Prüfung, wenn man in der Fastenzeit schon nur alleine die kulinarischen Genüsse reduzieren möchte. Von anderen Entbehrungen will ich jetzt noch gar nicht reden. Mit dem Verzicht auf üppiges Essen und Naschereien reduziert sich ja nicht gleichzeitig der Hunger. Bei mir ist das richtig unverhältnismäßig: Wird das Essen weniger, steigt das Hungergefühl. Kennen Sie das, wenn man so richtig Hunger hat? Also nicht nur so ein kleines leises Grummeln im Magen?

Ich sitze im Kino, und Leonardo di Caprio wird fast von einem Grizzlybären bei lebendigem Leibe aufgefressen. Ein Kampf auf Leben und Tod. Fetzen fliegen. Blut spritzt. Echt grausam. Alle Leute um mich herum sind vor Betroffenheit mucksmäuschenstill. Genau in diesem Moment fängt mein Magen dermaßen zum Knurren an, dass die Dame neben mir meint, der Grizzly säße höchstpersönlich neben ihr.

Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass übermäßiger Hunger Halluzinationen verursacht. Im Fernsehen zum Beispiel sehe ich in jedem Film nur noch essende Menschen. Der „Tatort“ besteht nur noch aus Würstelbude und Schnellimbiss. In den Werbepausen sehe ich nur noch essbare Dinge. Auch Lieder bekommen einen ganz anderen Text. Helene Fischer singt „Pausenbrot für die Nacht...“ und Xavier Naidoo macht mir mit „Dieses Steak wird kein leichtes sein...“ die Zähne lang. Und als meine Tochter noch klein war und ich ihr hungrig aus dem Märchenbuch vorgelesen habe, da hatten die Figuren ganz andere Namen wie ‚Frau Knolle‘, ‚Rotkräpfchen‘, ‚Der Fleischwolf und die sieben Beisslein‘, ‚Hans am Stück‘, ‚Schneeschnittchen‘, ‚Hänsel & Brezel‘ und ‚Naschenputtel‘.

Wie sollte man auch die eigene Motivation hochhalten können, wenn einem mit Beginn der Fastenzeit die ganzen Osterhasen-Kollektionen aus den Supermarkt-Regalen entgegenlachen? Und erst vor Kurzem – da hat mir einer zugezwinkert! Und ich habe ganz deutlich gehört: „Corinnaaa, nimm mich mit. Ich zergehe zartschmelzend auf Deiner Zunge. Ganz heimlich. Es muss ja keiner wissen. Ich verrate nichts...“ War es eine Halluzination oder Wirklichkeit? Egal – ich habe widerstanden. Dieses Mal.

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