Grünes Licht für das Projekt

Kommentar zur 2. Stammstrecke: Die Vernunft siegt

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München - Die zweite Stammstrecke hat am Dienstag nach jahrelangem Streit grünes Licht bekommen. Merkur-Redakteur Dirk Walter wägt die Vor- und Nachteile ab. Und kommt zu einem eindeutigen Schluss.

Über den Bau eines zweiten S-Bahn-Tunnels muss man nicht jubeln. Trotzdem ist die Entscheidung, ungeachtet aller Finanzrisiken, richtig. Es ist eine Vernunftsentscheidung, eine Abwägungssache, bei der die Vor- gegenüber den Nachteilen überwiegen. Die Vorteile sind: ein 15-Minuten-Takt auf allen S-Bahn-Linien, Express-S-Bahnen und die Verlockung, dass im Störfall nicht mehr alles stillsteht. Dazu kommen Visionen: ein Flughafen-Express, ein Augsburg-München-Express. Die S-Bahn- Strecke wurde einst für 220 000 Fahrgäste konzipiert – heute sind es fast vier Mal so viele täglich. Der zweite Tunnel ist da ein Symbol: Es ist gut, dass nicht immer nur Autobahnen ausgebaut werden, sondern endlich auch in das Schienennetz investiert wird.

Aber ja, die zweite Stammstrecke hat auch Nachteile. Wer würde das bestreiten? Ein Beispiel: Pendler aus Freising, Erding und Starnberg müssen den zweiten Tunnel nicht vorbehaltlos gut finden, denn viele von ihnen werden künftig umsteigen müssen, wenn sie in die Innenstadt wollen. Zweiter Nachteil, grundsätzlicher Art: Die zweite Stammstrecke kannibalisiert für lange Zeit Milliarden, die man sich gut auch für andere Schienenprojekte vorstellen könnte – Südring-Ertüchtigung, drittes Gleis für die S4 und dergleichen. „München 25“ könnte es einst heißen, analog zur Geldvernichtungsbaustelle „Stuttgart 21“.

Doch all diese schönen Vorhaben haben einen Haken: Sie sind, teils mit purer Absicht, von Politik und Bürokratie verschleppt worden und nicht bis zur Entscheidungsreife durchgeplant. Ergo: Wer die Stammstrecke ablehnt, der bekommt im Grunde genommen gar nichts. Und das wäre nun wirklich die schlechteste Lösung.

Zweite Stammstrecke: Erster Blick in neuen S-Bahn-Tunnel

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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