Populär, aber nicht sinnvoll

Kommentar zur MVV-Nullrunde: Verführerische Gießkanne

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Die CSU in München will die S- und U-Bahn-Fahrgäste in Anlehnung an die (gescheiterte) Bierpreisbremse jetzt mit einer MVV-Preisbremse beglücken. Klingt gut, ist aber nicht der richtige Weg. Ein Kommentar. 

Der Vorschlag ist populär, was nicht heißt, dass er sinnvoll ist: Die CSU in München will die S- und U-Bahn-Fahrgäste in Anlehnung an die (gescheiterte) Bierpreisbremse jetzt mit einer MVV-Preisbremse beglücken. Endlich, sagt der von Verspätungen gebeutelte Pendler. Aber Vorsicht: Mit einer Nullrunde ist es wie mit Steuersenkungen. Wendet man die Gießkanne an und bedenkt jeden, sind die Erleichterungen unterm Strich minimal. Doch mit Preis-Nachlass im Gegenwert von drei Butterbrezen ist niemandem wirklich geholfen.

Besser wäre es, die Steuerungswirkung des Tarifs zu berücksichtigen und durch gezielte Nachlässe bestimmte Pendler-Gruppen anzusprechen – mit dem Ziel, sie zur stärkeren Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu animieren. Mehrere Ansätze bieten sich an, etwa eine Nullrunde speziell für MVV-Abokunden oder für Auszubildende. In Hessen gibt es auf Initiative der Grünen einen Versuch mit einem Schüler-Jahresticket, das nur einen Euro am Tag kostet – auch das wäre eine Erwägung wert. Was auch immer rauskommt: Es ist richtig, dass über die MVV-Tarife endlich ohne Scheuklappen diskutiert wird und die geheim tagenden MVV-Gesellschafter sich öffnen. Vielleicht bewirkt der Vorstoß wenigstens das.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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