Die Konferenz der Urvögel: Sechs Archaeopteryx-Fossilien in München

München - Für kurze Zeit sind jetzt sechs Fossilien des Urvogels Archaeopteryx in München auf den Mineralientagen zu sehen. Weltweit sind nur zehn Stück überhaupt erhalten. Forscher aus aller Welt pilgern zu dieser Konferenz der Tiere.

Weitere Infos

finden Sie auf der Homepage der Mineralientage.

Zwei Männer in schwarzen Anzügen stehen auf der Eingangstreppe des Paläontologischen Museums. Sie blicken am Lenbachhaus vorbei die Straße hinab. Die Sicherheitskräfte richten ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Konvoi, der dort um die Kurve biegt. Er transportiert eine wissenschaftliche Sensation: Sechs Versteinerungen des Urvogels Archaeopteryx. In München kommen die sechs Vögel heute zum ersten Mal zusammen, weltweit sind nur zehn bekannt. Ab Freitag sind sie auf den Mineralientagen zu sehen.

Ein Polizeibus fährt mit Blaulicht voran, dahinter ein Kleintransporter und ein unscheinbarer schwarzer Kombi. Die Autos bleiben stehen. Mitarbeiter des Museums greifen sich die Holzkisten in den Kofferräumen und schleppen sie an Ammoniten und versteinerten Fischen vorbei die Treppen bis unter das Dach hinauf. Eine Zeit lang tut sich nichts, dann tritt ein Wissenschaftler auf die Galerie im zweiten Stock. „Die Vögel sind gelandet“, sagt er.

Es ist Oliver Rauhut, der die Sammlung für niedere Wirbeltiere betreut. Er trägt weiße Handschuhe. Gerade hat er die Fossilien aus den Kisten gehoben. „Das ist etwas ganz besonders, sie alle zusammen sehen zu können.“ Vor allem, weil eines von ihnen lange verschollen war. Das „Fossil Nr. 8“, auf dem Kopf, Teile der Flügel und eine Kralle zu erkennen sind. Der Fossilienhändler Raimund Albersdörfer hat es bei den Recherchen für die Ausstellung bei einem Sammler aufgetrieben. „Ich kannte den Mann schon, nur von dem Fossil hatte er nie was gesagt. Aber wenn man auf einem Dorf lebt und ein kleines Häuschen hat, erzählt man nicht so schnell, dass man so ein wertvolles Fossil daheim hat.“ Wieviel er gezahlt hat, sagt Albersdörfer nicht. Aber jedes der Stücke hier ist mehrere Millionen wert.

Zwei Tage bleiben die Fossilien im Museum, damit Wissenschaftler aus aller Welt sie miteinander vergleichen können. „Wir erhoffen uns davon neue Erkenntnisse über die Lebensweise des Urvogels, die uns bis heute Rätsel aufgibt“, sagt Museumsdirektor Gert Wörheide.

Mark Norell, Chef-Paläontologe des Amerikanischen Naturhistorischen Museums in New York, ist bereits angereist. „Wie schnell wuchsen diese Tiere und wie lange lebten sie?“, will er wissen. Dafür entnimmt er den Skeletten mikroskopisch kleine Proben. Kürzlich hat er so das Exemplar untersucht, das seit 1999 im Besitz der Bayerischen Staatsammlung für Paläontologie ist und von dem ein täuschend echter Abguss im Museum ausgestellt wird. Heraus kam: Es war ein Jungtier und keine neue Art, wie lange angenommen wurde.

Forschern gilt der Archaeopteryx als Beweis für die Evolution. „Ein perfektes Bindeglied“, sagt Rauhut. Die Tiere hatten Federn und Flügel, ähnlich wie Vögel, aber Zähne, Krallen und einen Knochenschwanz wie Dinosaurier. Das zeigen die Fossilien, die alle in den Jura-Kalksteinbrüchen der Altmühlalb bei Solnhofen entdeckt wurden. Hier haben vor 150 Millionen Jahren ideale Bedingungen zur Konservierung der filigranen Tiere geherrscht. In Lagunen, die vom Meer abgeschnitten waren, um schloss der sandige Untergrund einen abgestürzten Archaeopterys unbehelligt von der Strömung.

Am Wochenende zeigt sich die Konferenz der Urvögel der Öffentlichkeit. Der Freitag gehört dem Fachpublikum.

Kolja Kröger & Kerstin Lottritz

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