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Die Konzerthalle, die keiner will

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Auf flachen Stufen in den Untergrund muss, wer die kleine Olympiahalle besuchen will.

München - Als die kleine Olympiahalle eingeweiht wurde, war sie die große Hoffnung für Münchens Konzertveranstalter. Doch ein Jahr später herrscht Ernüchterung. Der 30 Millionen Euro teure Saal weist so viele bauliche und konzeptionelle Mängel auf, dass hier kaum Livemusik stattfindet.

Sängerin Annett Louisan war die Erste, die hier auftrat, am 21. November 2011. Und sie war entsetzt von dieser Beton-Schachtel im Untergrund. Besucher von damals attestierten der kleinen Olympiahalle gar den „Charme eines Atomschutzbunkers“. OB Christian Ude (SPD) war bei der Eröffnung freundlicher, er nannte die Atmosphäre „ziemlich avantgardistisch-zeitgemäß“.

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Den „Charme eines Atomschutzbunkers“ attestierten die ersten Konzertbesucher der schmucklosen Halle.

Ästhetik ist freilich Ansichtssache und deshalb auch nur ein Grund unter vielen, warum Münchens Veranstalter den neuen Saal im Olympiapark links liegen lassen. Popkonzerte in der kleinen Olympiahalle nach dem von Louisan kann man bis heute an einer Hand abzählen.

Dabei suchen die Veranstalter der Stadt dringend einen Saal in dem Segment zwischen 2000 und 5000 Zuschauern – ersteres bietet die „Tonhalle“, letzteres das „Zenith“. Die kleine Olympiahalle, in gut zwei Jahren für 30 Millionen Euro gebaut, scheint mit einer Kapazität für 3600 (unbestuhlt) beziehungsweise 2000 Zuschauer (bestuhlt) die optimale Ergänzung zu sein. Doch die Erfahrung eines Jahres lässt die Veranstalter den Daumen senken: „Völlig fehlkonstruiert“, sagt auf Anfrage der eine, „für Konzerte nicht geeignet“ der andere. „Für uns ist es nicht rentabel, dort zu spielen.“

Die Probleme seien vielfältig, heißt es in Veranstalterkreisen: Zunächst ist da der flache Hallenboden. „Ich kann dort nur ebenerdig bestuhlen“, sagt ein Veranstalter, entsprechend schlecht sei die Sicht. Es sei ungewöhnlich, in der heutigen Zeit eine neue Halle ohne ausfahrbare Tribünen zu bauen. Zudem seien die Notausgänge zahlreich und so gesetzt, dass man nachträglich keine Tribüne aufstellen könne – stattdessen müsse man wegen der vielen Türen einen „unfassbaren Aufwand“ an Sicherheitspersonal betreiben. Der Saal sei niedrig und biete zudem keine Balkone, auf denen man „Spotlights“ aufstellen könne. Für die Scheinwerfer, die den Künstler ins Rampenlicht rücken, müsse man theoretisch extra Gerüste bauen. Für den Künstler außerdem nicht schön: Der Cateringraum befindet sich auf der einen Seite der Halle, die Garderobe liegt auf der anderen Seite, was einen unbequemen Fußmarsch bedeutet.

Für die Veranstalter birgt der Saal logistische Tücken: Die bei Popkonzerten üblichen großen Lkw könnten nicht in die Halle einfahren, sagt einer. „Einerseits haben sie oben an der Einfahrt eine Mauer gebaut, die es einem Truck nicht möglich macht, um die Kurve zu kommen – selbst mit vielem Rangieren nicht. Außerdem ist die Steigung der Rampe zu steil.“ Ein 7,5-Tonner könne da sehr wohl hinunterfahren, ein Truck nicht. Einhellige Meinung der befragten Veranstalter ist, dass Aufwand und Kosten, in der kleinen Olympiahalle ein Konzert durchzuführen, viel zu hoch seien. Zumal die Kapazität eigentlich am Bedarf vorbeigehe, weil sie zu klein sei, ergänzt ein Veranstalter. „Was wir brauchen, ist eine Halle mit einer Bestuhlung für 3500 Zuschauer.“ Zudem sei das Foyer zu klein für die Kapazität der Halle. Zwei Kioske gebe es, aber keine Möglichkeiten für die Leute, sich aufzuhalten, wenn sie dort etwas gekauft haben.

Olympiapark-Chef Ralph Huber kann nicht alle Kritikpunkte nachvollziehen. Auf Anfrage betont er, man habe die Halle „im Schulterschluss“ mit den Veranstaltern gebaut. Die Baupläne seien also bekannt gewesen. Außerdem sei die Halle als Mehrzweckhalle und nicht vorrangig als Konzertsaal konzipiert. Und in anderen Bereichen werde sie durchaus gut angenommen – etwa bei Firmenveranstaltungen oder Ergänzungsevents zur großen Olmpiahalle. „Da sind unsere Erwartungen im ersten Jahr übertroffen worden“, betont Huber. Gerechnet habe man mit 40 Veranstaltungen, über 50 seien es geworden. In vier bis fünf Jahren strebe man die Vollauslastung der Halle an, also 80 bis 100 Veranstaltungen im Jahr (mit entsprechenden Auf- und Abbau-Tagen).

Um das zu erreichen, braucht Huber freilich auch Livekonzerte, und darum betont er: „Wir nehmen die Wünsche der Veranstalter ernst.“ Einige Strukturprobleme wolle man lösen, so habe man bereits eine Zwischenwand eingezogen und Räume anders zugeordnet, um Türen und somit Security-Personal zu sparen. An der Zufahrtsituation lasse sich nichts machen, Experten hätten allerdings versichert, „dass man da runterkommt, wenn man Lkw fahren kann“. Außerdem werde man mobile Auszieh-Tribünen für die Zuschauer bereitstellen.

Allerdings findet der Olympiapark-Chef auch, dass die Ansprüche an Live-Konzerte kräftig gestiegen seien, seit die Halle vor neun Jahren ins Gespräch kam. „Die Aufbauten müssen immer größer werden“, sagt Huber. „Manche Wünsche können wir mittlerweile nicht mehr erfüllen.“

Johannes Löhr

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