22-Jähriger steht vor Gericht

Ehefrau Korkenzieher in den Kopf gerammt

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München - Ein junger Afghane kann Unabhängigkeitsbestrebungen seiner Frau (17) nicht ertragen - und geht auf sie los. Dafür muss er sich nun Gericht verantworten. 

Mit hängendem Kopf sitzt Suliman N. (22) auf der Anklagebank. Weiche Gesichtszüge, ein trauriger Blick – und doch muss er sich seit Donnerstag wegen eines brutalen Verbrechens vor dem Landgericht verantworten: Er soll seine Frau mit einem Korkenzieher attackiert und schwer verletzt haben. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung.

Mit Aylin K. (Name geändert) führte der Angeklagte seit Jahren eine Partnerschaft, nach islamischen Recht waren beide verheiratet und hatten eine gemeinsame Tochter. Während Suliman N. in einer Asylbewerber-Unterkunft in Bad Endorf lebte, wohnte seine Partnerin bereits in München – wohin auch er wechseln wollte. In der Beziehung soll es aber immer wieder Streit gegeben haben. Mehrfach war es laut Anklage in der Vergangenheit bereits zu Schlägen und Beleidigungen gekommen.

Am 15. November 2015 soll die Situation schließlich eskaliert sein. Der Grund: Aylin K. hatte abgelehnt, mit Suliman N. und dem gemeinsamen Kind zusammenzuwohnen. Sie zog es vor, in einem Mutter-Kind-Heim zu leben. Laut Anklage auch deshalb, um sich vor Misshandlungen und Zudringlichkeiten zu schützen. Danach soll es zu einem regelrechten Gewaltausbruch gekommen sein. Denn Suliman N. suchte das Heim auf, um seine Frau zu bestrafen.

Er soll sie zunächst bedroht haben. Abends, gegen 21.30 Uhr, passte er sie dann am U-Bahnhof Brudermühlstraße ab, wo sie mit dem Kinderwagen unterwegs war. „Als ich ihn sah, habe ich den Kinderwagen mit meiner Tochter stehen gelassen und bin weggerannt“, sagt Aylin K. aus. Doch Suliman N. holte sie ein und schlug ihr laut Anklage mehrfach auf den Kopf. Er hatte auch einen Korkenzieher dabei. Den rammte er ihr laut Anklage insgesamt fünfzehnmal in den Kopf und schrie, dass sie sterben müsse.

Die Stiche trafen K. auch in den Augen, an Armen, Rücken und Beinen. „Als ich hinfiel, hatte er sich auf mich gesetzt und auf mich eingestochen. Ich habe um Hilfe gerufen, aber er hat immer wieder zugestochen, bis mir schwarz vor Augen wurde.“ Zum Glück schritten mutige Passanten ein. Sie zogen Suliman von ihr herunter.

Vor Gericht behauptet er, am Tag der Tat viel Alkohol getrunken zu haben. An die Stiche will er sich nicht erinnern. Sein Verteidiger Michael Adams sagt: „Man muss die weitere Beweisaufnahme abwarten und inwieweit sich die Alkoholisierung auf die Schuldfähigkeit auswirkt.“ Das müssten nun Sachverständige beurteilen. Aylin K. gab indes bekannt: „Ich möchte mich von Suliman trennen.“ Der Prozess dauert an.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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