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Entspannt auf dem Weg in den Gerichtssaal: Der ehemalige Münchner Top-Chirurg Professor Walter L. (li.) mit seinem Anwalt Hartmut Wächtler.

Der saubere Herr Professor

Korruptionsverdacht: Transplantations-Experte vor Gericht

München - Der Transplantations-Experte Walter L. genießt internationales Ansehen in der Organchirurgie. Jetzt steht der 71-Jährige wegen Korruptionsverdachts vor Gericht.

Professor Walter L. genießt internationales Ansehen in der Organchirurgie. Der jetzt 71 Jahre alte Chirurg leitete seit 1986 das Transplantationszentrum im Klinikum Großhadern, ist 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Sieben Jahre später bekam die steile Karriere einen Knick. Prof. L. reiste eigenmächtig zur Operation eines Scheichs nach Abu Dhabi und zog eine disziplinarische Untersuchung auf sich. Schlimmer als das: Die Staatsanwaltschaft verdächtigte ihn in Zusammenhang mit einem Pharmaskandal. Das Verfahren zerschlug sich, doch die Behörde fand andere Vorwürfe, über die das Amtsgericht seit Montag verhandelt.

Die Anklage gegen den emeritierten Professor lautet auf Vorteilsannahme in 38 Fällen. Er war 1986 Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Transplantationschirurgie im Klinikum Großhadern. Der Verein sammelte Spenden, mit denen so genannte „Drittmittelstellen“ geschaffen wurden, also die Beschäftigung von Mitarbeitern, die nicht aus dem Staatssäckel honoriert wurden. Finanziert wurden auch Kongressreisen und Symposien sowie „nicht zuletzt die Bezahlung des Angeklagten selbst“, so der Staatsanwalt. Gespendet wurde fast nur von Pharma-Unternehmen, deren Medikamente das Transplantationszentrum einsetzte.

Das ist für den Anklagevertreter der Knackpunkt: Den Spendern sei klar gewesen, „dass sie die Tätigkeit des Angeklagten unmittelbar oder mittelbar unterstützten“. Prof. L. wiederum habe „den Zusammenhang zwischen den Spenden an den Förderverein und seiner dienstlichen Tätigkeit erkannt“, er habe damit gerechnet, dass die Pharmaindustrie sich sein „Wohlwollen“ habe sichern wollen. Der Professor war für die Unternehmen auf seinem Gebiet ein „Meinungsmacher“, dessen Spendenaufrufen man sich „aus geschäftlichen Gründen praktisch nicht widersetzen konnte“. Im nicht verjährten Zeitraum seit 1999 flossen laut Anklage rund 1,2 Millionen Mark.

Verteidiger Hartmut Wächtler sieht hinter der Auffassung der Staatsanwaltschaft eine „kaum zu überbietende Doppelmoral“. Der Professor sei bei Dienstantritt vom Kultusministerium zur Verwendung von Drittmitteln „verpflichtet“ worden. Er habe einen „großen Anteil daran, dass die Universität das Transplantationszentrum unterhalten kann“, lobte der frühere Kultusminister Zehetmair. Wächtler: „Das Zentrum hätte sonst gar nicht arbeiten können.“ Jetzt werde dem Prof. vorgeworfen, seine Sammeltätigkeit der Uni verschwiegen zu haben. „Wie verträgt sich das damit, dass die Uni ein eigenes Konto dafür unterhielt?“, so der Anwalt.

Sein Mandant war laut 1999 verschuldet, darin sieht der Staatsanwalt ein Tatmotiv. Tatsächlich geht es L. heute finanziell sehr schlecht, bestätigt Wächtler. „Er kann mit Geld nicht umgehen.“ Der Professor hatte im Tatzeitraum beträchtliche Nebeneinkünfte aus seiner Tätigkeit für zwei Transplantationsnachsorgekliniken. Eine eidesstattliche Versicherung über die Höhe gegenüber dem Fiskus soll falsch gewesen sein. Gegen L. wird weiter verhandelt. Sein dienstrechtliches Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ruht derzeit.

Sarah List

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