Digitales Lernen und Lehren praktizieren immer mehr Schulen. Hier konzentriert sich ein Gymnasiast in Aachen. foto: dpa

Am Mittwoch im Stadtrat

Kostenloses WLAN an Münchner Schulen

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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München - Tablet statt Tafel: Das Bildungsreferat will ab Januar alle Münchner Schulen mit kostenlosem WLAN ausstatten. Um Lehrern und Schülern die Chancen digitaler Bildung zu eröffnen. Höchste Zeit, meinen Experten.

Im Englischunterricht Video-Telefonate mit Schülern in Großbritannien führen? In Erdkunde per Google Earth um die Welt fliegen? Eine Nachrichtensendung im Sozialkunde-Unterricht produzieren? Kein Problem – vorausgesetzt die Schule verfügt über WLAN, also ein lokales Funknetz.

Das ist an den öffentlichen Münchner Schulen nicht der Fall. Sie haben zwar PC-Räume und teilweise PC-Plätze in den Klassenzimmern, aber keine drahtlose Internetverbindung, die Voraussetzung für mobile Endgeräte ist. In Wales, England und Finnland ist der Einsatz von Tablets und Smartphones im Unterricht längst selbstverständlich. In Bayern gibt es bislang 120 sogenannte Tablet-Klassen, in denen die Mehrzahl der Fächer mithilfe des digitalen Endgeräts gelehrt wird.

Jetzt will das Referat für Bildung und Sport auch an allen 339 öffentlichen Münchner Schulen die Voraussetzungen schaffen, um die digitalen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu fördern – und ab Januar kostenloses WLAN bereitstellen.

Am Mittwoch stimmt der Bildungsausschuss des Stadtrats über die Beschlussvorlage des Referats ab. Findet der Vorschlag eine Mehrheit, investiert die Stadt zunächst knapp 2,4 Millionen Euro in die Ausstattung der Schulen mit WLAN. Telekommunikationsanbieter sind die Stadtwerke (SWM), die auch das kostenlose „M-WLAN“ an 14 öffentlichen Plätzen in München bereitstellen.

Nicht jedes Klassenzimmer, sondern Allgemeinflächen

Geplant ist, innerhalb eines Jahres an jeder Schule drei sogenannte Access Points einzurichten. In Pausenhallen, Aulen und Mehrzweckräumen zum Beispiel. Das bedeutet, dass nicht jedes Klassenzimmer über WLAN verfügt, sondern Allgemeinflächen als erweitertes Klassenzimmer für einzelne Lehreinheiten genutzt werden können. „Wir wollen zunächst auf kleiner Ebene die Voraussetzungen schaffen“, erklärt SPD-Stadträtin Beatrix Zurek.

Sie hatte im Juli mit Fraktionskollegen beantragt, die Bildungseinrichtungen mit zeitgemäßer IT-Technik auszustatten. Eine Ausstattung aller Klassenzimmer sei aber langfristiges Ziel. „Der WLAN-Ausbau erfolgt nur an den Schulen, die das wollen. Keiner wird zwangsbeglückt“, betont Zurek.

Die Schulen haben also ein Vetorecht. Die Mehrheit der Schulen wird den Ausbau wohl befürworten. Zwar müssen laut dem Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz Handys und andere mobile Endgeräte in Schulen ausgesschaltet werden, Lehrer können die Nutzung aber erlauben.

Ausbau ist schlichte Notwendigkeit

Das tun sie immer öfter. „Tablets und Smartphones halten zunehmend Einzug in den Unterricht“, sagt Johannes Philipp, Medienreferent beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Deshalb sei der WLAN-Ausbau „eine schlichte technische Notwendigkeit“. Nicht zuletzt weil die Netzwerk-Technik stark auf Funk umgestellt habe. Drei Access-Points pro Schule seien viel zu wenig, um wirklich digitalen Unterricht anbieten zu können. Je nach pädagogischem Konzept und Bauweise der Schule könnten deutlich mehr Access-Points notwendig sein. „Das ist eine Riesen-Herausforderung für alle Schulen“, sagt Philipp.

Digitales Lehr- und Lernmaterial gibt es bereits, wie der Medienpädagoge Florian Schultz-Pernice von der LMU München betont. Etwa „Mebis“, eine virtuelle Plattform samt Mediathek, die das Bayerische Kultusministerium entwickeln ließ. Unter anderem bietet es 12.000 audiovisuelle Medien, die ohne Urheberrechtsprobleme in den Unterricht integrierbar sind.

Nicht am möglichen Missbrauch, sondern am Potential orientieren

Freilich berge der freie Internetzugang an Schulen auch Gefahren, „aber die Pädagogik sollte sich nicht am möglichen Missbrauch orientieren, sondern am Potenzial“, sagt Schultz-Pernice. Der Vorteil liege vor allem in der Didaktik. Mebis etwa könne Schülern individuell zum Erfolg verhelfen. Unter anderem könnten sie auf der Plattform ihr Vorwissen testen. Wer 50 Prozent erreiche, werde zu anderen Übungen weitergeleitet, als Schüler, die 80 Prozent erreichen. Die Risiken, etwa der ungefilterte Zugang zu jugendgefährdenden Inhalten, würden gerade die Dringlichkeit von Medienerziehung unterstreichen, meint Schultz-Pernice.

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