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Lärm und Gestank: Vorerst bleibt die Situation an der Tegernseer Straße unverändert.

Lärmschutz 

Krach um Tegernseer-Landstraße-Tunnel

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An der Tegernseer Landstraße wird es vorerst keinen zusätzlichen Lärmschutz für die Anwohner geben. Mit einer entsprechenden Initiative scheiterten die Grünen gestern im Stadtrat. Der CSU warf Stadträtin Sabine Nallinger daraufhin „Arroganz“ vor.

Sie lassen sich gemeinsam auf Schwulen-Paraden blicken, finden die selben Künstler cool und halten Geothermie für die Zukunft. CSU- und Grünen-Politiker waren sich in der Stadt noch nie so nahe wie heute. Bei einem Thema allerdings kochen die Emotionen hoch wie vor 20 Jahren: dem Verkehr. Gestern krachte es wieder im Stadtrat. Anlass war ein Antrag der Grünen zur Tegernseer Landstraße, dem Ring-Abschnitt in München, der nach der Donnersberger Brücke am stärksten befahren ist. Die Grünen-Fraktion forderte konkrete, schnell umsetzbare Lärmschutzmaßnahmen an der Oberfläche, um die Bürger zu entlasten. Einen entsprechenden Beschluss hatte kurz zuvor auch der Bezirksausschuss (BA) Obergiesing-Fasangarten gefasst. Bei der Koalition bissen die Grünen jedoch auf Granit.

„Die ideale Lösung zum Schutz der Bürger ist ein Tunnel“, sagte CSU-Fraktionsvize Manuel Pretzl. „Ich will keine Lärmschutzwand direkt vor die Fenster der Anwohner bauen.“ Man dürfe jetzt kein Geld für oberirdische Lärmschutzmaßnahmen „verplempern“, sagte Pretzl. Stattdessen müsse die Verwaltung die Tunnel-Planungen vorantreiben, so wie vom Stadtrat voriges Jahr beschlossen.

Sabine Nallinger (Grüne) bezeichnete Pretzels Wortbeitrag als „Unverschämtheit“ gegenüber dem Willen der Giesinger Bürger. Der BA habe sich einstimmig für die oberirdischen Lärmschutzmaßnahmen ausgesprochen. In den nächsten 20 Jahren sei der Bau des Tunnels nicht zu erwarten. Diese Einschätzung teilte SPD-Stadtrat Christian Amlong. „Wir wünschen uns den Tunnel, aber die Realisierung wird dauern.“ Die Koalition hatte voriges Jahr die Untertunnelung der Tegernseer Landstraße beschlossen, allerdings soll zuvor der Landshuter-Allee-Tunnel realisiert werden. Beides parallel zu forcieren, ist personell und finanziell für das Rathaus nicht darstellbar. Nach Angaben Amlongs werde der Giesinger Tunnel mit niedriger Priorität behandelt, da er sehr teuer und kompliziert wäre und zudem die geringste Entlastung brächte. Die örtliche BA-Vorsitzende Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne) appellierte deshalb eindringlich an den Stadtrat, jetzt mit oberirdischen Maßnahmen für eine Entlastung der Bürger zu sorgen. „Die Menschen müssen jetzt, nicht erst in 20 Jahren geschützt werden.“ Den Stadträten rief sie entgegen: „Tun Sie was.“

Die Grünen warfen der Koalition vor, nur noch auf Tunnelbauten zu setzen. „Das ist vor allem für die Anwohner in Obergiesing eine schlechte Nachricht, denn dort wird in den nächsten Jahrzehnten kein Tunnel entstehen.“ Es sei daher völlig unverständlich, so Nallinger, wie „arrogant“ CSU und SPD die Vorschläge des Bezirksausschusses Obergiesing für besseren Lärmschutz im Abschnitt Tegernseer Landstraße-Chiemgaustraße abgebügelt hätten. Das Fazit der Grünen-Politikerin: „Nichts sehen, nichts hören, nichts tun – das ist die Lärmschutzpolitik von SPD und CSU.“

Manuel Pretzel, empört angesichts der Vorwürfe, betonte, sich nicht gegen Sofortmaßnahmen zu sperren. „Aber sie sind nur ein kleiner Tropfen auf einen sehr heißen Stein.“ Nur mit einem Tunnel sei es möglich, die „Lebensqualität der 250 000 dort lebenden Bürgern“ zu verbessern. Den Vorstoß der Grünen und des BA lehnte die Koalition ab. Am Ring in Giesing wird es vorerst laut und stickig bleiben.

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