1. Startseite
  2. Lokales
  3. München
  4. Stadt München

Heiz-Hammer in München: Stadtwerke wollen Preise für Fernwärme zum 1. Oktober erhöhen - Hilfsfonds geplant

Erstellt:

Von: Sascha Karowski

Kommentare

Schein-Heizung
Die Preise fürs Heizen werden in München noch mal deutlich ansteigen. © IMAGO

Der nächste Preis-Hammer in München droht: Nach Informationen unserer Redaktion planen die Stadtwerke München, die Preise für Fernwärme ab 1. Oktober zu erhöhen.

München - Jetzt wird das Heizen noch teurer: Nach Informationen unserer Zeitung werden die Stadtwerke München (SWM) zum 1. Oktober die Preise für Fernwärme anheben: Rund 17 Prozent mehr soll die Megawattstunde kosten. Statt bislang 153,70 Euro sollen ab 1. Oktober 180,32 Euro fällig werden. Diese Kosten schlagen sich für Endverbraucher aber frühestens im kommenden Jahr bei der Nebenkosten-Abrechnung nieder. Seit dem Ukraine-Krieg und der Energiekrise sind die Kosten für die Fernwärme sprunghaft gestiegen. Beispiel: Eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern mit einem Verbrauch von 12,7 Megawattstunden hatte im Januar 2021 noch rund 700 Euro im Jahr für Fernwärme zahlen müssen. Nach zwischenzeitlichen Erhöhungen und mit der neuerlichen Preissteigerung lägen die Kosten aktuell bei 2290 Euro.

Stadtwerke München erhöhen Fernwärme-Preise, weil Kosten für Beschaffung und Erzeugung steigen

Die SWM passen normalerweise die Fernwärme-Preise alle drei Monate an. Grundlage für die Berechnung ist eine Formel, die sowohl die Kostenentwicklung bei Erzeugung und Bereitstellung der Fernwärme als auch die jeweiligen Verhältnisse auf dem Wärmemarkt berücksichtigt, der in München, anders als in anderen Kommunen, noch wesentlich durch den Einsatz von Erdgas und Heizöl geprägt ist. Mit dem System trägt der Energieversorger sinkenden aber auch eben steigenden Preisen unmittelbar Rechnung.

Zum Vergleich: Allein der Arbeitspreis pro Megawattstunde stieg vom ersten Quartal 2021 bis zum ersten Quartal 2022 von 49,28 auf 129,17 Euro, also um 162 Prozent. Der Index-Preis für Steinkohle kletterte um 173 Prozent von 95,23 auf 260,13 Euro. Der Gaspreis schnellte um 305 Prozent nach oben – von 13,93 auf 56,39 Euro.

Fernwärme-Preise in München: Linke im Stadtrat kritisiert, dass SWM Geothermie-Ausbau verschleppen

Fernwärme entsteht, wenn Erdgas, Kohle oder Müll verbrannt werden. Einige Heizkraftwerke können gleichzeitig Strom und Wärme herstellen und so den fossilen Brennstoff besonders effizient ausnutzen. Über Rohre werden Haushalte dann mit Warmwasser und Heizwärme versorgt. Die größten Anlagen sind in München das Heizkraftwerk Süd und das Heizkraftwerk Nord.

Die beiden wesentliche Primärenergieträger der Münchner Fernwärme sind derzeit noch Erdgas und Steinkohle. Der Anteil erneuerbarer Energien (Geothermie und thermische Verwertung) liegt aktuell bei rund 15 Prozent, er soll aber bis 2030 auf bis zu 70 Prozent steigen. Die Linke im Münchner Stadtrat hatte bereits mehrfach kritisiert, dass der Ausbau zu langsam voranschreite. Fraktionschef Stefan Jagel: „Es scheint sich nun zu rächen, dass die Stadtwerke ihren eigenen Ausbauplänen für die Geothermie seit Jahren hinterherhinken.“ Seine Fraktion hatte bereits zum 1. Juli mit einer deutlichen Erhöhung von 44 Prozent gerechnet.

Fernwärme-Preise in München: Stadtwerke München legen Härtefallfonds über 20 Millionen Euro auf

Darauf hatten die SWM, wie berichtet, verzichtet. Die Erhöhung zum 1. Oktober ist dem Vernehmen nach aber zum einen unausweichlich und liege zum anderen noch weit unter dem Preis, den die Stadtwerke aufgrund der gestiegenen Parameter hätten verlangen können.

Die Stadtwerke unterstützen Kunden mit einem Härtefallfonds über 20 Millionen Euro. In Zusammenarbeit mit dem Sozialreferat wird geprüft, wie und wo Hilfesuchende im kommenden Jahr an das Geld kommen können. Zudem bauen die Stadtwerke die Energiesparberatung aus.

Führt das Oktoberfest zu einem rasanten Anstieg der Corona-Zahlen in und um München? Ein Arzt löste eine hitzige Debatte auf Twitter aus - mit geteilten Meinungen.

Auch interessant

Kommentare