Die Party auf Zeit wird verlängert: Bis Ende 2015 soll am Ostbahnhof gefeiert werden. ms
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Die Party auf Zeit wird verlängert: Bis Ende 2015 soll am Ostbahnhof gefeiert werden. ms

Kultfabrik: Noch fünf Jahre Party

München - Die Party am Ostbahnhof geht weiter - und zwar wohl noch mehr als fünf Jahre lang. Die Grundstückseigentümer beantragen eine Verlängerung der Genehmigung für Kultfabrik und Optimolwerke bis Ende 2015. Die Stadt dürfte dem nach der Sommerpause zustimmen.

Bei vielen Nachtschwärmern gelten sie als legendär, bei so manchem Anwohner hingegen als Ärgernis: Die weitläufigen Partygelände am Ostbahnhof. Sie sollten eigentlich eine Übergangslösung sein, eine Amüsiermeile auf Zeit, bis die ehemaligen Industriegebiete im Osten zum neuen, prächtigen Stadtviertel „Rund um den Ostbahnhof“ (Rost) mit Wohnungen und Arbeitsplätzen werden. Am 31. Dezember 2010 sollte Schluss sein mit Feiern. Doch wie berichtet, haben sich die Planungen für Rost erheblich verzögert - ein Baubeginn ist in den nächsten Jahren nicht abzusehen.

Spätestens jetzt ist klar: Die Party im Osten geht in eine ausführliche Verlängerung. Die Grundstückseigentümer der Party-Areale haben dem städtischen Planungsreferat einen Vertragsentwurf vorgelegt. Darin beantragen sie, die Party-Zonen bis zum 31. Dezember 2015 weiterfeiern zu lassen. Zwar äußert sich der Sprecher des Referats, Thorsten Vogel, noch vorsichtig. „Wir müssen erst intern prüfen, ob wir dem zustimmen.“ Nach der Sommerpause solle der Beschluss fallen. Doch alle Signale, die aus der Verwaltung zu hören sind, sprechen für die Verlängerung. Auch Vogel deutet an: „Wir sind da auf einem guten Weg.“ Denn der Vertrag beinhalte eine „Reihe von Verbesserungen“ für das Areal.

Verbesserungen sind auch zwingend nötig: Der örtliche Bezirksausschuss und die Anwohner waren immer wieder erzürnt über die Partyzonen - sie beklagten Lärmbelästigung, Müll und Verkehrsprobleme. Die Stadt hatte es deshalb den Eigentümern zur Auflage gemacht, die Areale herauszuputzen.

Und die sind offenbar dazu bereit. Schon im Juni hatte Optimolwerke-Chef Mathias Scheffel gegenüber unserer Zeitung erklärt: Es werde keine Flatrate-Partys und auch keine Ü16-Partys - also Feiern für Minderjährige zwischen 16 und 18 - mehr geben. Auch die Zahl der Nachtclubs werde sich verringern. Und es solle ein gemeinsames Reinigungskonzept für beide Areale eingeführt werden. Zudem erhält der neue Vertragsentwurf einen Punkt, der der Stadt wichtig ist: Das Areal soll durchlässiger und offener werden.

Josef Koch, Vorsitzender des Bezirksausschusses (BA), ist indes wenig begeistert von der Aussicht einer Verlängerung um fünf Jahre. „Wir bleiben dabei. Es sollten nicht mehr als drei Jahre sein.“ Und auch damit wolle sich der BA nur dann zufrieden geben, wenn die Grundstückseigentümer „konkrete Aussagen“ machen. Sie sollten klar sagen, was sie mit dem Areal vorhaben, wie sie die Infrastruktur verbessern wollen und wann das Neubauprojekt Rost startet. „Was ich bis jetzt gehört habe, ist bloß Wischiwaschi.“

Die Entscheidung über die Verlängerung liegt jedoch nicht beim BA, sondern beim Planungsreferat, wie die Behörde mitteilte. Allerdings macht sie den Anwohnern auch Hoffnung: Bald solle immerhin das Bebauungsplanverfahren für das Stadtviertel Rost beginnen.

von Johannes Patzig und Eberhard Geiger

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