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Faszinierend oder verkommen? Die "Kultfabrik" polarisiert. Die Betreiber wollen mit der Stadt eine Verlängerung des Betriebs aushandeln.

Kultfabrik: Die Party soll weitergehen

München - Die Zukunft von Münchens größter Partyzone entscheidet sich in den nächsten Wochen. Die „Kultfabrik“ und die „Optimolwerke“ am Ostbahnhof wollen mit der Stadt eine Verlängerung des Betriebs aushandeln. Viel spricht dafür, dass sie dabei Erfolg haben.

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Am 31. Dezember 2010 sollte die Party eigentlich zu Ende sein. Bis dahin laufen die Genehmigungen für die „Kultfabrik“ und die „Optimolwerke“ – zwei Areale an der Friedenstraße, die bei vielen Jugendlichen wegen ihrer Nachtclubs und Konzerthallen als legendär gelten, bei Lokalpolitikern im Viertel jedoch auf wenig Liebe stoßen. Der Abriss war für 2011 geplant: Die Partyzone soll dem neuen Stadtviertel „Rund um den Ostbahnhof“ (Rost) mit Wohnungen, Geschäften und Büros weichen.

Doch auch wenn einzelne Bauprojekte für „Rost“ bereits Gestalt annehmen, so verzögert sich der Bau des neuen Viertels insgesamt enorm. Noch hat nicht einmal das offizielle Bebauungsplanverfahren begonnen, und es dürfte wohl noch ein paar Jahre dauern, bis am Ostbahnhof im großen Stil gebaut wird. Wenn das Areal bis dahin nicht brachliegen soll, läge es nahe, den Nachtschwärmern eine Zugabe zu gewähren.

„Eine Verlängerung der Genehmigung für Kultfabrik und Optimolwerke werden die Grundstückseigentümer in den nächsten acht Wochen mit der Stadt verhandeln“, sagt Eric Heppt vom Immobilien-Unternehmen IVG, dem Teile des Grunds gehören, auf dem „Rost“ entstehen soll. „Wir gehen davon aus, dass es eine Verlängerung geben wird – allerdings mit Auflagen.“ Laut Heppt soll „wieder mehr Qualität und Niveau auf dem Areal einziehen“. Das könne erreicht werden, indem man die Zahl der Clubs reduziere und den Schwerpunkt mehr auf Kultur lege. „Das ist uns sehr wichtig.“

„Zu einer Verlängerung sehe ich keine Alternative“, bestätigt auch Werner Eckart. Er ist Mit-Geschäftsführer der Firma Otec, der das Kultfabrik-Gelände gehört. „Ich denke, die Stadt sieht das auch so. Die Gespräche beginnen jetzt aber erst. “ Auch er denkt daran, die Kultfabrik zu verschönern. „Sie soll noch kultivierter, ordentlicher und freundlicher werden.“ Dafür könnten künftig unter anderem neue Durchgangsachsen und ein neues Lichtkonzept sorgen.

Eckart betont: „Wir wollen die Seele dieses Geländes erhalten.“ Seine Familie errichtete hier einst die Pfanni-Werke, deren alte Industriehallen noch immer das Gesicht des Areals prägen. „Wir hoffen, dass einige historische Gebäude auch im neuen Stadtviertel bleiben können“, so Eckart.

Auch die „Optimolwerke“ neben der Kultfabrik hoffen auf Verlängerung. „Wir würden uns das wünschen“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Nöth. Mit einer Reduzierung der Nachtclubs würde er sich arrangieren. „Wir könnten auf manche verzichten, aber nicht auf alle.“ Vor allem die neu eröffnete „Theaterfabrik“ wolle er behalten.

Der örtliche Bezirksausschuss (BA) ist indes gegen die Verlängerung: BA-Chef Josef Koch beklagt das „niedrige Niveau“ sowie „Dreck und Schmutz“. Die Verantwortlichen bei der Stadt waren gestern nicht erreichbar. Ein Sprecher des Planungsreferats äußerte sich vorsichtig: Bislang sei eine Verlängerung in der Planung nicht vorgesehen.

Johannes Patzig

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