Kultusminister beschließen: Der Bachelor wird einfacher

München - Deutliche Verbesserungen bei den Bachelor- und Masterstudiengängen stehen ins Haus. Darauf haben sich Hochschulrektoren und Kultusminister gestern in Bonn geeinigt. Die Umsetzung der Beschlüsse wird ein steiniger Weg.

Er sollte das Studieren leichter, flexibler, internationaler machen: der Bachelor. 1999 setzten die Wissenschaftsminister von 29 europäischen Ländern in Bologna ihre Unterschrift unter eine Erklärung für einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum. Dazu gehörte auch der in Großbritannien längst übliche Bachelor-Abschluss.

Weil der Bachelor aber an vielen deutschen Unis das Studium weder leichter, noch flexibler oder internationaler gemacht hat, sind seit Wochen Hörsäle in der ganzen Republik besetzt. Auch die protestierenden Studenten im Audimax harren noch aus.

Gestern haben sich in Bonn die Kultus- und Wissenschaftsminister der Bundesländer und das Präsidium der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) auf Nachbesserungen beim Bachelor- und Mastersystem verständigt. Am Abend verabschiedete die Kultusministerkonferenz (KMK) ein Papier mit zehn Eckpunkten: Unter anderem sollen die Studierenden künftig weniger Prüfungen stemmen müssen. Das Studium soll bis zu vier Jahre dauern und nicht schon in drei abgeschlossen werden müssen.

Im vergangenen Studienjahr haben sich bereits 74 Prozent der deutschen Studienanfänger für einen Bachelor-Abschluss eingeschrieben. Der Stoff wird in Modulen vermittelt, in denen die Studenten verschiedene Veranstaltungen wie Vorlesungen oder Übungen besuchen müssen. Nach dem Willen der KMK soll nur noch eine Prüfung am Ende eines Moduls stehen und nicht mehr eine für fast jede Veranstaltung.

Mit dem Beschluss sei ein großer Schritt nach vorn getan, sagte die HRK-Präsidentin Margret Wintermantel am Rande der Tagung. Rechtsverbindlich ist der Beschluss der Kultusminister nicht. Er hat „nur deklaratorischen Charakter“, sagte Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) unserer Zeitung vor seinem Rückflug. KMK-Vizepräsident Ludwig Spaenle (CSU), gleichzeitig bayerischer Kultusminister, sagte: „Jetzt liegt die Umsetzung in den Händen der Universitäten.“

Karl-Dieter Grüske, Rektor der zweitgrößten Uni Bayerns in Erlangen, zeigt sich selbstbewusst. Als HRK-Vizepräsident hat er mit über die Punkte des KMK-Papiers beraten. „Wir gehen jetzt an die Umsetzung dieser Punkte und werden sie gemeinsam mit der Politik und den Studenten vorantreiben.“ An allen bayerischen Universitäten, betonte er aber, „sind wir schon längst im Prozess der Verbesserung“.

Umgeschrieben werden müssen jetzt vor allem die Prüfungsordnungen und die Studiengang-Satzungen. Was die KMK beschlossen hat, sei längst im bayerischen Hochschulgesetz verankert, sagte Minister Heubisch. So etwa die Studiendauer. „Die Regelstudienzeit beträgt bei grundständigen Studiengängen mit dem Abschluss Bachelor mindestens drei und höchstens vier Jahre“, heißt es in Artikel 57.

Die Studiengang-Satzung der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität beschränkt die Studiendauer auf sechs Semester, also drei Jahre. „Wir können darüber reden“, sagt LMU-Sprecherin Luise Dirscherl. „Dann müssen wir in Bayern die Regelstudienzeit aber insgesamt verlängern.“ Die beträgt laut Gesetz fünf Jahre. Einen einjährigen Master dranzuhängen mache bei den Studiengängen der LMU keinen Sinnen.

Während die KMK tagte, demonstrierten draußen über 5000 Studenten aus der ganzen Republik und forderten die Minister zum „Nachsitzen“ auf.

Kolja Kröger

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