Schlager-Star Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals gestorben: Vermutung zu Todesursache

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"Wehret den Anfängen": Etwa 1000 Münchner versammelten sich am Dienstagabend auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus.

Kundgebung

1000 Münchner sagen "Wehret den Anfängen"

München - "Wehret den Anfängen": Etwa 1000 Münchner versammelten sich am Dienstagabend auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus. Charlotte Knobloch begrüßte etliche Prominente - darunter auch das Ehepaar Vogel.

In Gaza sprechen wieder einmal die Waffen. Beide Seiten, Israelis und Palästinenser, haben zahlreiche Opfer zu beklagen. Es fließt viel Blut unschuldiger Menschen. Schlimm genug. Doch ganz egal, wie man nun die Politik Israels beurteilt, ist eines beängstigend: Bei Kundgebungen in deutschen Städten zum Nahostkonflikt schleicht sich ein brandgefährlicher, antisemitischer Zungenschlag ein. Dumpfe und hasserfüllte Parolen werden skandiert, auch in sozialen Netzwerken. In der Nacht auf Dienstag gibt es eine erschreckende Eskalation: In Wuppertal gibt es einen Brandanschlag auf eine Synagoge.

Adina ist 20 Jahre alt. Sie kommt aus München, ist deutsche Jüdin und studiert seit zwei Semestern in Tel Aviv. Seit einer Woche ist sie auf Heimaturlaub. Adina ist am Dienstagabend zum Platz der Opfer des Nationalsozialismus gekommen – wie gut 1000 weitere Menschen, um bei einer Kundgebung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) ein Zeichen gegen den aufkeimenden Antisemitismus in Deutschland zu setzen. All ihre Kommilitonen wollten in Frieden leben, ob Araber, Juden oder Christen, sagt die BWL-Studentin. Die aktuell zu beklagenden Opfer seien erschütternd.

Die Medien in Deutschland würden aber häufig einseitig berichten. „Niemand hier weiß, wie es sich anfühlt mit dem Terror zu leben“, erklärt die junge Frau. Gerade jetzt sei dieses beklemmende Gefühl wieder präsent. Kurz vor ihrer Abreise nach Deutschland muss Adina mehrmals in den Bunker. „Wir sind den Krieg nach so langer Zeit leid“, sagt die Studentin.

„Mitleid für Palästina wird zur Waffe, um Leid gegen Israel gutzuheißen“, sagt am Dienstag die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) erklärt: „Es ist perfide, antisemitische Hetze unter dem Deckmantel der Kritik an Israel zu betreiben.“ Antisemitismus habe keinen Platz in Deutschland. Politiker, Gewerkschafter, Kirchenvertreter sowie an vorderster Stelle die IKG-Präsidentin, Charlotte Knobloch, sind sich auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus einig: „Wehret den Anfängen.“

Die Kundgebung soll ein Zeichen der Versöhnung und der Mahnung sein. Sie verläuft friedlich ohne Störung – und sie stimmt sehr nachdenklich. Vor allem die Worte von Charlotte Knobloch tun dies. Eine Jüdin, „die nicht glauben kann, was sich heute in Deutschland zuträgt“. Der Nahostkonflikt diene als Vorwand, „um Judenhass auszuleben“. Tagtäglich würden derzeit Menschen jüdischen Glaubens mit „Hassparolen aus dem Giftschrank der Menschenverachtung“ konfrontiert. Und die große Masse verharre schweigend, beklagt Knobloch. „Wo sind die Wutbürger?“, fragt die Holocaust-Überlebende und knüpft daran eine weitere Frage: „Wollt ihr uns Juden eigentlich noch?“ Nach einem Moment andächtiger Ruhe setzt großer Beifall am Platz der Opfer des Nationalsozialismus ein, an dem an diesem Abend zahlreich israelische Flaggen zu sehen sind. Charlotte Knobloch zeigt sich erschüttert: „Wir wähnten uns in Deutschland angekommen. Doch ich sorge mich um meine Heimat.“

Solidarisch zeigen sich unter anderem Landwirtschaftsminister Christian Schmidt als Vertreter der Bundesregierung, der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle, Bürgermeister Josef Schmid (alle CSU) sowie in einer sehr emotionalen Rede Christian Ude (SPD). Er sei zutiefst erschüttert über das Ausmaß der Hetze bei Demonstrationen und in den sozialen Netzwerken, erklärt der Alt-OB. „Solidarität mit Juden muss heißen, dass der Staat Israel und sein Recht zur Selbstverteidigung anerkannt wird.“ In Gaza haben auch am Dienstag die Waffen gesprochen. Die Kundgebung in München endet mit einer Schweigeminute.

Klaus Vick

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