Kunst, versteckt unter der Luxusmeile

München - Seit fast vier Jahrzehnten dient eine Passage unter der Maximilianstraße als Ausstellungsraum für Münchner Künstler. Das „Maximiliansforum“ zog einst viele hundert Besucher am Tag an. Heute bemüht sich die Stadt, es mit neuen Konzepten attraktiver zu machen.

Auf den Rolltreppen wuchern seit Jahren die Büsche. Neongelbe Blenden über den Tunnelmündern verkünden „Maximiliansforum“. Der Passant ahnt: Irgendetwas ist da unter der Kreuzung Altstadtring/ Maximilianstraße. Auf Kunst kommt er nicht unbedingt. Dabei zeigen sich hier auf 1600 Quadratmetern angesagte Münchner Medienkünstler - und nicht nur die: Da lernen Choreographen von Schuhplattlern, da errichtet ein Spitzen-Designer eine Bühne, auf der Symphoniker des Bayerischen Rundfunks sich mit DJs ein Stelldichein geben.

Seit fast vierzig Jahren dient das „Maximiliansforum“ der Kunst. Früher hieß der Laden noch „Kunstforum“, gehörte zum Lenbachhaus - und er brummte: „Der Raum war primitiv, wie eine weiße Leinwand, auf der alles möglich war“, erinnert sich Museums-Direktor Helmut Friedel. Man konnte hier die unmöglichsten Kunstwerke zeigen, Dinge, die es Mitte der 70er-Jahre niemals in ein „ordentliches Museum“ geschafft hätten. Schon 1971 flackerten hier Lichtskulpturen zu elektronischer Musik.

Und man hatte auch noch Publikum - denn damals gab es die Ampel an der Kreuzung noch nicht. „Zu uns kamen jeden Tag hunderte Besucher“, sagt Friedel. „Denn die Leute mussten ja bei uns durch - und die Rolltreppen haben noch funktioniert.“

1995 war Schluss. Der Lenbachhaus-Kunstbau ersetzte das Kunstforum. Kulturreferent Julian Nida-Rümelin wollte die Passage jedoch nicht aufgeben und weihte im Jahr 2000 das renovierte „Maximiliansforum“ ein. Es folgte unter Nachfolgerin Lydia Hartl eine Kooperation mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe, genannt „ZKMax“. 2007 zogen sich die Karlsruher aus Geldnot von dem Projekt zurück, und bald dämmerte der Münchner Verwaltung, dass sie ohne „finanziellen Nachholbedarf“ nicht würde weitermachen können. Mehr ausgeben wollte man aber nicht - das „Forum“ kam inhaltlich auf den Prüfstand, mit der Maßgabe, dass es die Stadt nicht mehr als 35 900 Euro im Jahr kosten darf.

Man stellte die Weichen 2010 in Richtung interdisziplinäre Medienkunst: Renommierte Münchner wie der Maler Florian Süssmayr oder der Designer Mirko Borsche beteiligten sich, genauso wie das Plattenlabel „Gomma“. Hier gebe man jungen Künstlern eine Plattform und hole sie aus ihren „Off-Spaces“ in den Stadtraum, wirbt Jenny Kozarevic, die Sprecherin des Kulturreferats. „Das muss nicht unbedingt viel kosten.“

Was als Konzept klappt, krankt freilich am Ort selbst - und an seiner mangelnden Bekanntheit. Zwar spricht Kozarevic von „jeweils etwa 1500 bis 2000 Besuchern“, die an Veranstaltungen teilgenommen hätten. Aber Zahlen über Laufkundschaft gibt es nicht. Das Spannende ist ja, dass das „Maximiliansforum“ 24 Stunden am Tag für alle gratis begehbar wäre. Doch die Situation an der Kreuzung hat sich geändert: Keiner ist mehr gezwungen, die Unterführung zu nehmen, seit Ampeln den Verkehr regeln. Und mit dem Wegzug vieler wichtiger Kunstgalerien und später auch der Szene-Lokale „Schumann’s“ und „Roma“ hat man die Maximilianstraße fast völlig den Luxus-Einkäufern überlassen.

Kozarevic gibt zu: „Laufkundschaft ist nicht jedem Ort gegeben.“ Man wolle aber „keinen Schilderwald“, um Passanten anzulocken, setze eher auf Öffentlichkeitsarbeit. So präsentiere man das „Maximiliansforum“ zusammen mit den anderen städtischen Kunstorten, etwa den „Kunstarkaden“, der „Rathausgalerie“ und der „Lothringer 13“. Man informiere das Tourismusamt, man sei im „Museumsflyer“ vertreten und ab nächster Woche auch auf dem „Museumsportal“ im Internet. Für mehr fehlten die Mittel, sagt Kozarevic. „Wenn wir eine echte Werbe-Kampagne wollen, müssen wir über ein höheres Budget reden.“

Johannes Löhr

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