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Liegen hier hunderte Tote? Das Areal an der Granatstraße.

Schrecklicher Verdacht

Liegt unter diesem Gerümpel ein KZ-Massengrab?

München - Unter einer dubiosen Gewerbefläche in Ludwigsfeld könnten Hunderte von Toten des ehemaligen KZ-Außenlagers liegen. Die Lokalbaukommission geht derzeit diesem Verdacht eines Stadtteilhistorikers nach. Doch auch sonst hat die Verwaltung einige Fragen zu den aktuellen Nutzern auf dem Gelände.

So richtig geheuer ist den Anwohnern die Sache schon länger nicht. Früher befand sich auf dem ehemaligen Liebel-Gelände an der Granatstraße in der Siedlung Ludwigsfeld eine Gärtnerei. Heute hängen am Eingangstor zahlreiche Briefkästen mit verschiedenen Familiennamen. Auf dem Areal selbst stehen zum Teil große Container, außerdem Fahrzeuge, die repariert oder verkauft werden. Gerümpel liegt herum. Hin und wieder sollen sogar Autorennen stattfinden. Dabei ist das Gelände eigentlich nur für eine Nutzung als Baumschule zugelassen.

Doch Klaus Mai (SPD), Stadtteilhistoriker und SPD-Mitglied im örtlichen Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl (BA 24) hat nun einen weitaus schlimmeren Verdacht als eine einfache Zweckentfremdung. Ihm liegen Hinweise vor, dass auf dem Grundstück Fundamente betoniert worden sind. Solche Maßnahmen könnten im Normalfall als gewöhnliche Ordnungswidrigkeit ausgelegt werden. Beim ehemaligen Liebel-Gelände aber handelt es sich um ein besonderes Territorium. Genau dort lag einst das sogenannte Judenlager des KZ-Außenlagers Dachau-Allach.

Mai geht davon aus, dass sich auf dem Areal ein Massengrab befindet. Er verfügt über Unterlagen, die diesen Verdacht rechtfertigen. „Im März und April 1945 wurden dort Hunderte von Toten im Lager verscharrt“, sagt Mai. „Normalerweise hat man die Toten des KZ-Außenlagers nach Dachau gebracht und dort verbrannt. Doch die Kapazitäten der Öfen reichten kurz vor Kriegsende nicht aus.“ Den Bezirksausschuss hat er über seinen Verdacht informiert. Auch dieser fordert nun Aufklärung.

Klaus Mai ist ein Experte, wenn es um das ehemalige KZ-Außenlager geht. Seit Jahren dokumentiert der Stadtteilhistoriker dessen traurige Geschichte. Dokumente, die aufzeigen, wo das Judenlager war und wo genau sich die Gräber befinden müssten, hat er nun der Münchner Lokalbaukommission (LBK) übergeben. Der LBK lagen schon zuvor Hinweise auf eine nicht genehmigte gewerbliche Nutzung des ehemaligen Liebel-Geländes vor. Daraufhin erließ sie eine Beseitigungsverfügung. Gegen diese wurde jedoch Klage erhoben. Das Verfahren läuft noch.

Klaus Mai geht davon aus, dass die meisten dort vergrabenen Toten Juden waren, unter anderem aus Deutschland und Frankreich. Im Gegensatz zu christlichen Grabstätten, die aufgelassen werden können, gelten jüdische Grabstätten ewig. Die Lokalbaukommission geht nun den Informationen nach. „Die LKB will alles unternehmen, um die rechtmäßigen Zustände wieder herzustellen“, sagte ein Sprecher. Wer der Eigentümer des Areals ist, wollte die LBK mit Hinweis auf datenschutzrechtliche Gründe nicht mitteilen.

Kathrin Hildebrand

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