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Allein 2016 haben Diebe in Bayern Waren im Wert von fast 340 Millionen Euro gestohlen.(Archiv).

Betroffene packen aus

Ladendiebstahl in München: So schlimm ist es wirklich

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Die Zahl sinkt, die Alarmbereitschaft steigt: Obwohl es statistisch gesehen weniger Ladendiebstähle gab, schlagen Experten Alarm. Das liegt vor allem an den professionelle Banden.

München - 2016 haben Diebe in Bayern Waren im Wert von fast 340 Millionen Euro gestohlen. Und das, obwohl die Zahl der Diebstähle im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent gesunken ist. Warum ist das so? Die Dunkelziffer ist hoch. Immer öfter schlagen professionelle Banden zu. Die Diebe gehen immer raffinierter vor. Mütter lassen ihre Kinder klauen. Besonders in München schlagen die Kriminellen gezielt zu. 6945 Ladendiebstähle wurden hier 2016 angezeigt. Ladendetektive nennen die Gegend um den Bahnhof Bronx – benannt nach dem Brennpunktviertel in New York City. Lesen Sie hier, wie es um Münchner Geschäfte wirklich bestellt ist.

Ladendetektiv: „Was wir hier täglich erleben, ist der Wahnsinn“

Detektiv Torsten Doppler.

Eine Mutter, die mit ihren Kindern einkaufen geht – und ihnen befiehlt, die Regale zu plündern. Solche Geschichten erzählt Torsten Doppler. Er ist dem Verbrechen seit Jahren als Ladendetektiv auf der Spur. Und sein Beruf ist eben kein Kinderspiel: „Was wir hier täglich erleben, ist der Wahnsinn. Echter Horror.“ 

Er ist vor allem im Bahnhofsviertel unterwegs, in Drogerie- und Supermärkten. Woanders würden Detektive vielleicht zwei Diebe am Tag erwischen – in seinem Revier seien es oft zehn. 

Fast machtlos ist er bei professionellen Banden: „Die stürmen den Laden, einer lenkt das Personal ab, die vier anderen machen sich die Taschen voll.“ Er sagt, dass es sich meist um Osteuropäer handelt. Zahlen der Polizei zeigen: 2016 waren 64,7 Prozent der Tatverdächtigen Ausländer.

Obsthändlerin: „Ich wusste einfach nicht mehr weiter“

Die Obsthändlerin Anna Di Taranto (54) hat nach langem Kampf aufgegeben. Ein ganzes Jahr lang wurde ihr Fruchtmarkt in der Humboldtstraße (Giesing) von dreisten Seriendieben heimgesucht, jeden Tag verschwand Obst und Gemüse. 

Obsthändlerin Anna Di Taranto verkauft ihre Ware nur noch im Laden.

Jetzt reicht’s: Di Taranto hat die Straße geräumt – sie verkauft ihre Ware nur noch im Laden. „Ich wusste einfach nicht mehr weiter“, sagt sie. „Wenn wir die Diebe erwischt haben, waren sie am nächsten Tag einfach wieder da und haben wieder geklaut.“ 

Das Problem: Dem Familienbetrieb bricht dadurch der Umsatz ein – bis zu 40 Prozent weniger Laufkundschaft komme jetzt vorbei. Trotzdem bleibt die Händlerin konsequent: Sie will sich ihr Obst nicht mehr stehlen lassen. Wer sind die Täter? Vor allem ältere Männer, Obdachlose und Asylbewerber, sagt Di Taranto. Die hätten sich irgendwann sogar ganze Rucksäcke gefüllt.

Verbandschef Ohlmann: Organisierte Banden sind das Problem

Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern.

Bloß keine Entwarnung – das ist der Appell vom Chef des Handelsverbandes Bayern (HBE), Bernd Ohlmann. „Die Zahlen sind nur die Spitze des Eisberges, denn die Dunkelziffer liegt bei über 90 Prozent.“ Ja, die Zahl der Ladendiebstähle sei leicht zurückgegangen. 

Aber: „Nur einer von zehn Dieben wird bei seiner Tat überhaupt erwischt und angezeigt“, sagt Ohlmann. Große Sorgen mache dem Handel der Zuwachs bei schwerem Ladendiebstahl durch organisierte Banden. In München gab es laut Polizei davon 544 im Jahr 2016. 

Der HBE schätzt, dass in Bayern mindestens 25 Prozent aller Ladendiebstähle durch organisierte Kriminalität verursacht werden. „Die geklaute Ware wird heutzutage schnell und bequem mit hoher Rendite über das Internet verkauft“, so Ohlmann. „Die Diebe werden immer aggressiver.“

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