Landtagswahl 2008: Bierzeltkampf mit Hohn und Spott

Drei Wochen vor der Landtagswahl haben sich die Parteien gestern bei einem Volksfest in Abensberg einen heftigen Schlagabtausch geliefert. In bierseliger Stimmung gingen die Spitzenkandidaten aufeinander los  wohlweislich in verschiedenen Zelten.

Die Bayern-SPD ist wahrlich leidgeprüft. Wahlergebnisse und Umfragewerte von um die 20 Prozent sind für sie keine Seltenheit, sondern schon fast die Regel. Das schlägt vielen Genossen auf die Stimmung. Doch an diesem Montag ist alles anders: Nach der spektakulären Neuaufstellung der SPD-Bundesspitze am Wochenende fasst die SPD gerade einmal drei Wochen vor der Landtagswahl in Bayern neuen Mut. "Wir sind jetzt wieder gut aufgestellt, würde ich sagen", sagt ein örtliches Parteimitglied beim Gillamoos-Volksfest in Abensberg. Und auch Spitzenkandidat Franz Maget wirkt noch etwas fröhlicher als sonst üblich.

"Der wird uns helfen. Franz Müntefering ist mein Mann", sagt Franz Maget über den designierten neuen Parteivorsitzenden. Der 68-Jährige sei "voller Saft und Kraft, ein Sozialdemokrat aus echtem Schrot und Korn". Maget warnt aber auch eindringlich vor neuen Grabenkämpfen auf Bundesebene. Die SPD müsse aufpassen, dass sie sich nicht jetzt schon einen neuen Parteivorsitzenden kaputtschreiben und kaputtreden lasse, mahnte er vor rund 3000 Zuhörern. Diese Sätze über das Führungsdrama am Wochenende sind es, auf die die Zuhörer im Zelt mit Spannung gewartet haben. Landespolitische Themen wie Bildungspolitik rücken dabei etwas in den Hintergrund.

Maget schießt allerdings durchaus scharf auf die politischen Gegner: die CSU müsse "endlich einen auf den Deckel kriegen, und zwar saftig". Es brauche endlich einen Neuanfang im Freistaat. "Die tun so, als hätten sie den Chiemsee persönlich ausgehoben und damit die Alpen aufgeschüttet", sagte Maget über die CSU.

Wenige Dutzend Meter entfernt im Abensberger Hofbräu-Festzelt kämpft Günther Beckstein (CSU) gegen schwere Gegner: Linke, SPD und schwatzendes Publikum. Der Ministerpräsident rackert sich ab, schwitzend, mit trockener Kehle. Durch den Führungswechsel in der SPD habe sich "überhaupt nichts geändert", ruft er in die dicht gedrängte Menge der 2500 Zuschauer. Erst zum Schluss erntet Beckstein Jubel aber nicht für Angriffe auf SPD und Linke, sondern für die Ankündigung, nicht integrationswillige Ausländer vor die Tür setzen zu wollen. Die SPD, so fordert Beckstein, müsse bei der Wahl am 28. September eine "gscheide Watschn" bekommen: "15 Prozent wären noch viel zu viel."

Der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle sprach dem CSU-Spitzenduo mit Beckstein und Parteichef Erwin Huber jede Glaubwürdigkeit ab. "Die sammeln jetzt Unterschriften gegen sich selbst", spottete Westerwelle über die CSU-Forderung nach Wiedereinführung der vollen Pendlerpauschale, deren Kürzung die Christsozialen seinerzeit zugestimmt hatten. Ein Ministerpräsident, der gegen die eigene Politik eine Unterschriftensammlung mache, sei "ein Fall für die medizinische Behandlung".

Grünen-Landeschef Sepp Daxenberger warf der CSU vor, die Zukunft Bayerns zu verspielen und die ländlichen Regionen Bayerns zu vernachlässigen. "Schritt für Schritt gehen im ländlichen Raum die Lichter aus." Banken und Geschäfte wanderten ab, die Schulen würden geschlossen. "Die CSU versemmelt die Zukunftsfähigkeit Bayerns."

Für den Fall, dass die CSU ihre absolute Mehrheit bei der Wahl verliert, wollen die Freien Wähler (FW) keine Koalition eingehen. Man werde nicht Steigbügelhalter für die CSU sein, sagte der Landesvorsitzende Hubert Aiwanger.

Kübelweise Hohn und Spott hat Stoiber-Imitator Wolfgang Krebs über das CSU-Tandem Günther Beckstein und Erwin Huber ausgeschüttet. Krebs alias Stoiber empfahl seinen Nachfolgern, sich am US-Präsidentschaftskandidaten Obama zu orientieren: Dies sei schließlich auch ein Schwarzer und ein Mann mit Visionen. Seinem Publikum, das den Auftritt immer wieder mit "Edi, Edi"-Sprechchören unterbrach, versprach das Stoiber-Double: "Haltet durch, ich komme bald zurück!"

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