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Unter den Ersten: Stadtrat Thomas Niederbühl (oben li.) und sein Mann Heinz Bänziger (re.) ließen sich am Freitag von Oberbürgermeister Dieter Reiter (Mitte) trauen.

Ehe für Alle seit 1. Oktober 

Der lang ersehnte Bund fürs Leben

Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist passé: Seit 1. Oktober dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Auch viele Münchner Schwule und Lesben haben lange auf diesen Tag gewartet. Die ersten halten bereits ihren Trauschein in den Händen.

München - Endlich offiziell verheiratet zu sein, wie es bisher nur für Mann und Frau möglich war: Das Interesse der Münchner Schwulen und Lesben am Bund der Ehe ist groß. Nach Angaben der Stadt sind bei den Münchner Standesämtern schon mehr als 50 gleichgeschlechtliche Eheschließungen und mehr als 20 Umwandlungen bereits bestehender Lebenspartnerschaften in gleichgeschlechtliche Ehen angemeldet. Zwölf Umwandlungen sind bereits offiziell, ebenso zwei Eheschließungen. Einer der Ersten: Stadtrat Thomas Niederbühl.

Liebe mit allen Rechten und Pflichten

Thomas Niederbühl (56) und Heinz Bänziger blicken sich tief in die Augen. Jahrzehntelang haben sie auf diesen Tag gewartet: ihren Hochzeitstag. 28 Jahre lang sind der Grünen-Rosa-Liste-Stadtrat und der Goldschmied bereits ein Paar, die Lebenspartnerschaft ließen sie sich 2001 eintragen. Dass ihre Liebe jetzt endlich auch offiziell und mit allen ehelichen Rechten und Pflichten besiegelt ist, hält Niederbühl aus politischer Sicht für mehr als überfällig: „Politisch kommt das viel zu spät. Das hätte schon vor 16 Jahren passieren können.“

Als frisch getrauter Ehemann lässt der 56-Jährige sein Herz sprechen: „Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir unsere langjährige Beziehung bestätigen können. Wir sind schon so lange zusammen – jetzt wird es auch rechtlich und gesellschaftlich anerkannt.“ Etwas aufgeregt sei er vor der Trauung schon gewesen, gibt Niederbühl zu. „Ich habe mir zwei Tage vorher noch einen neuen Anzug eingebildet. Den habe ich erst heute Nachmittag abgeholt“, sagt er und lacht. Dass er einmal mit Anzug (aber ohne Krawatte) und Hochzeitsstrauß seinem Partner das Ja-Wort geben würde, hätte er damals, vor 28 Jahren, nie gedacht. „89 war der Höhepunkt der Aidskrise. Wir waren beide überzeugt davon, dass wir uns zwei, drei Jahre eine schöne Zeit machen können, weil Aids dann eh jeden Schwulen erwischt. So war damals die Stimmung. Deshalb haben wir gar nicht an eine langfristige Beziehung gedacht.“ Heute denken sie umso weiter – für die Ewigkeit. Ein Symbol für ihre Zusammengehörigkeit ist bereits in Arbeit. „Zur Hochzeit schmiedet uns Heinz neue Ringe“, freut sich Niederbühl.

Endlich weg vom Außenseiterstatus

Wer wen auf der Faschingsparty vor 32 Jahren zuerst gesehen hat, darüber sind sich Alexander Miklosy (68) und sein Partner Walter Pretz (63) bis heute nicht einig. „Mir ist das ja nicht so wichtig, aber Walter besteht darauf, dass er mich entdeckt hat“, sagt der Vorsitzende des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt und lacht. Beide wollen heiraten, „wenn der ganze Heiratsstau“ im Standesamt abgeflaut ist. Dass sie beide bislang bei wichtigen Angelegenheiten, aber auch im Alltag den Hetero-Pärchen nicht gleichgestellt waren, hat den 68-Jährigen immer gestört. „Wir hatten immer einen Außenseiterstatus. Einmal, zum Beispiel, waren wir bei der Polizei, weil wir Anzeige erstatten mussten – und im Formular gab es keine Rubrik für Verpartnerung.“

Stadtteilpolitiker Alexander Miklosy (re.) und sein Partner Walter Pretz wollen den ersten „Heiratsstau“ noch abwarten.

Hochzeit und andere Anlässe zum Feiern

Seit Freitag wissen Dietmar Holzapfel (60) und sein Lebenspartner Josef Sattler (63), wann ihr großer Tag sein wird: „Wir heiraten am 6. November“, freut sich der Deutsche-Eiche-Wirt. Die Bürokratie war Holzapfel immer ein Graus. „Ich fand es immer furchtbar zu sagen: ,Das ist mein eingetragener Lebenspartner.‘ Da kann man gleich den Aktenordner für die Einkommensteuer noch überreichen.“ Genau 40 Jahre sind die beiden jetzt zusammen. Ein rauschendes Fest mit mehr als 200 Gästen ist nächsten Sommer geplant. „Wir sind 40 Jahre zusammen, heiraten, die Eiche wird 25 und wir adoptieren demnächst noch unseren Geschäftsführer. Damit besiegeln wir unsere Liebe und stellen die Weichen für eine familiäre und erfolgreiche Zukunft der Eiche.“

Deutsche-Eiche-Wirt Dietmar Holzapfel (re.) und sein Lebenspartner Josef Sattler (li.) heiraten im November und feiern groß nächsten Sommer. 

von Daniela Schmitt

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