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Die Notaufnahme des Schwabinger Krankenhauses ist für die Versorgung des Münchner Nordens von größter Bedeutung.

Laut LMU-Studie

Münchner Kliniken: Versorgungslücke bei Notfällen

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Seit 2005 ist die Zahl der Patienten in Münchner Notaufnahmen um 41 Prozent gestiegen. Im Normalfall können die Kliniken den Ansturm bewältigen. Sollte es zu einer Pandemie oder einer Katastrophe mit vielen Verletzten kommen, wäre die Versorgung allerdings nicht mehr gewährleistet.  

Die Zahl der Notfallpatienten an den Münchner Kliniken ist in den vergangenen zehn Jahren rasant gestiegen. Ließen sich im Jahr 2005 noch 77 646 Menschen in der Notaufnahme behandeln, so waren es im vergangenen Jahr bereits 110 071 – eine Steigerung um 41 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Notfallmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München. Befragt wurden 14 Münchner Kliniken, die 96 Prozent des Notfallaufkommens in der Stadt abdecken.

Die Studie war auf Drängen des Stadtrats zustande gekommen. Hintergrund ist das Sanierungskonzept der städtischen Kliniken (StKM). Bis zum Jahr 2022 will die defizitäre Gesellschaft die Zahl der Betten von 3252 auf etwa 2500 reduzieren und auch ein Viertel der Beschäftigten loswerden. Die Frage, die viele Bürger und Politiker umtreibt, ist, ob sich die Notfallversorgung dann noch auf gewohntem Niveau aufrecht erhalten lässt. Die städtischen Kliniken bejahen diese Frage und sehen sich durch die LMU-Studie bestätigt. „Auch nach der Umsetzung des Sanierungskonzeptes wird die Notfallversorgung für Erwachsene und Kinder gewährleistet sein“, sagte ein Sprecher der StKM im Gespräch mit unserer Zeitung.

Süd-Nord-Gefälle bei Versorgungslage

Die LMU kommt in ihrer Untersuchung zu einem ähnlichen Schluss, allerdings mit Einschränkungen. Die Notfallversorgung sei gesichert, in der Regel seien die Kapazitäten für die Notfallversorgung ausreichend, heißt es in dem Bericht. Bei weiter steigendem Notfallaufkommen könnten jedoch „temporäre Engpässe bei der Versorgung“ auftreten. Gemeint sind etwa größere Grippewellen (Pandemien) oder Katastrophen mit vielen Verletzten. Laut Studie gibt es bei der Versorgungslage ein Süd-Nord-Gefälle. Während sich im Süden mehrere Kliniken befinden, gibt es im Norden mit dem Schwabinger Krankenhaus nur eine große Klinik mit Vollversorgung. 

Süd-Nord-Gefälle: Sehen Sie hier die Grafik

Die empfohlene „Prähospitalzeit“ von 60 Minuten, also der Zeitraum zwischen Notruf und Ankunft in der Notaufnahme, kann für Patienten von „Tracer-Diagnosen“ flächendeckend im Münchner Stadtgebiet eingehalten werden, so die Studie. Tracer-Diagnosen sind Fälle, die eine hohe Qualität der Versorgung erfordern, darunter fallen Herzinfarkt, Schlaganfall und Schädel-Hirn-Trauma.

Das Wachstum der Stadt und die gleichzeitige Überalterung bereitet den Autoren der Studie allerdings Sorgen. Mit zunehmendem Lebensalter (ab 70 Jahren) steigt das Notfallaufkommen stark an, zugleich nehmen der Bedarf an stationärer Versorgung und der Aufwand der Behandlung zu. Laut Demografiebericht der Landeshauptstadt wird bis 2030 mit einer Zunahme der Bevölkerung um 15 Prozent gerechnet, das entspricht rund 230 000 Menschen. Nach dieser Prognose wird der Anteil der Hochbetagten (über 75 Jahre) im selben Zeitraum überdurchschnittlich um 25,7 Prozent wachsen.

Die Autoren der Studie empfehlen, neue Wege bei der Notfallversorgung zu gehen. So sollten ambulante Patienten ohne kritische Krankheiten künftig nicht mehr in eine der 14 Münchner Notaufnahmen gehen, sondern stattdessen in eine Arztpraxis. Zwingen kann man dazu freilich keinen Patienten.

Verkauf des Blutspendedienstes: Entscheidung diese Woche

Der Verkauf des städtischen Blutspendedienstes soll nach Informationen unserer Zeitung noch in dieser Woche über die Bühne gebracht werden. Käufer ist das Rote Kreuz, deren Aufsichtsrat am Donnerstag über den Deal berät. Die Zustimmung gilt als sicher. Am heutigen Dienstag befasst sich der Finanzausschuss des Stadtrats in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Verkauf. Die Mitarbeiter sollen Ende der Woche über Details informiert werden. 

Die Forderung der Gewerkschaft nach einer fünfjährigen Beschäftigungsgarantie war einer der Knackpunkte bei den Verhandlungen zwischen der städtischen Klinik-GmbH und dem Roten Kreuz. Dem Vernehmen nach konnte sich die Gewerkschaft durchsetzen. Allerdings können wohl nicht alle der rund 100 beim Blutspendedienst beschäftigten Ärzte, Krankenschwestern, Labor- und Verwaltungsangestellten am Standort München bleiben. Beim Handel mit Blutkonserven hat das Rote Kreuz eine marktbeherrschende Stellung inne, weshalb das Bundeskartellamt den Verkauf seit Ende November prüft. Eine Entscheidung steht noch aus. 

Mit einem Minus von bis zu zwei Millionen Euro jährlich trug der städtische Blutspendedienst erheblich zur Misere der Münchner Klinikum GmbH bei. Hinzu kommt, dass der städtische Dienst bis Mitte 2016 aus dem Gebäude an der Dachauer Straße 90 ausziehen muss, da das marode Gesundheitshaus abgerissen wird. Ein Neubau kam aus Kostengründen nicht in Frage. Der Verkauf des defizitären Blutspendedienstes ist zentraler Bestandteil des Sanierungskonzepts für die städtischen Kliniken.

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