Was da drin ist, weiß niemand. Trotzdem raucht mancher das Kraut. Foto: rk

Lebensgefahr durch Kräuter-Drogen

München - Die Polizei überführt mehrere Händler, die mit illegalen Mixturen riesige Gewinne gemacht haben.

Vier Festnahmen und hunderte beschlagnahmte Drogentütchen - die Münchner Polizei hat mehrere Händler hochgehen lassen, die mit illegalen Kräutermischungen mehr als eine halbe Million Euro erwirtschaftet haben sollen. In den vergangenen Wochen gab es in München immer wieder Notarzt-Einsätze, weil zumeist jugendliche Konsumenten kollabiert waren, nachdem sie die dubiosen Kräutermischungen geraucht hatten.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um einen 48-jährigen Deutschen sowie drei ebenfalls deutsche 61, 62 und 66 Jahre alte Frauen. Alle vier haben in ihren sogenannten „Armyshops“ beziehungsweise Oriental-Läden nachweislich Räucherwerk als berauschenden Tabakzusatz verkauft. Der Handel damit ist gewinnbringend. Laut Armin Aumüller, Leiter der Rauschgift-Fahndung, haben die Händler die Kräuter-Mixturen mit einer Gewinnspanne von bis zu 300 Prozent verkauft. In der Regel werden die Tütchen per Internet aus Asien bestellt und hier für zwölf bis 15 Euro vertrieben.

Nachdem vor rund zwei Jahren die Inhaltsstoffe der Modedroge „Spice“ (synthetische Cannabinoide) dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt worden waren, reagierten die Hersteller der Kräutermischungen schnell: Mittlerweile werden beinahe monatlich neue Wundertütchen auf den Markt gebracht mit fantasievollen Namen wie Lava Red, Bonzai oder Blaze. Offiziell sind diese als Räucherdüfte deklariert, was tatsächlich darin ist, weiß kaum einer.

Fakt ist, dass die Tütchen im Prinzip hier legal vertrieben werden dürfen, solange nicht nachgewiesen ist, dass illegale Stoffe beigemengt sind. Meist sind dies synthetische Cannabinoide, die Halluzinationen, Empfindungsstörungen oder Euphorie hervorrufen können. Diese Drogen fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Das Problem: Bis das Landeskriminalamt alle Inhaltsstoffe der Kräutermischungen analysiert hat, ist die nächste Wundertüte schon unterm Ladentisch.

„Die Konsumenten wissen überhaupt nicht, was sie da rauchen“, warnt Aumiller. Das sei lebensgefährlich. „Die Wirkung der synthetischen Zusätze und der beim Rauchen entstehenden toxischen oder krebsfördernden Produkte können wissenschaftlich überhaupt nicht eingeschätzt werden.“ Ärzte berichteten von teils erheblichen Wirkungen auf das Herz-Kreislauf- und Nervensystem bis hin zur Bewusstlosigkeit. Zum Teil mussten Konsumenten vom Notarzt sogar wiederbelebt werden.

Die überführten Händler erwartet nun Strafverfahren wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz - der Strafrahmen liegt hier laut Aumüller bei bis zu zehn Jahren Gefängnis.

Sven rieber

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