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In einer Sommernacht des Jahres 1985 ist Kornelia S. (26) in ihrem Appartement ermordet worden, erschlagen von einem Einbrecher.

Mörder nach 26 Jahren verurteilt

München - In einer Sommernacht des Jahres 1985 ist Kornelia S. (26) in ihrem Appartement ermordet worden, erschlagen von einem Einbrecher. Jetzt ist die Tat gesühnt: Das Schwurgericht verurteilte Norbert C. (49) nach mehrwöchigem Prozess zu lebenslanger Haft.

6. Juli 1985: Der Küchenhelfer Norbert C. ist auf Beutezug. Gegen ein Uhr früh steigt er zunächst bei einer Wohngemeinschaft in der Studentenstadt Freimann ein, findet aber gerade mal 20 Mark. Das lässt ihn nach weiteren Wohnungen Ausschau halten, in die leicht einzudringen ist. Weil die Sommernacht so warm ist, hat die Sportartikelverkäuferin und Ex-Studentin Kornelia S. in ihrem Hochparterre-Appartement die Balkontür nicht geschlossen. C. steigt ein. Die junge Frau wacht auf, er würgt sie und schlägt ihr, als sie sich aufrichten kann, eine Wasserflasche zwei Mal mit voller Wucht auf den Kopf. Dabei stützt er sich mit der rechten Hand an der Wand ab.

Das zierliche Mädchen – es wiegt nur 40 Kilo – hat keine Chance. Es sackt mit mehreren Schädelbrüchen bewusstlos zusammen. Der Täter flieht. Kornelia S. kommt kurzzeitig zu sich, schleppt sich auf der Suche nach Hilfe vor die Tür und wieder zurück in die Wohnung, wie die Blutspuren belegen. Ihr Todeskampf dauert stundenlang.

In einer Sommernacht des Jahres 1985 ist Kornelia S. (26) in ihrem Appartement ermordet worden, erschlagen von einem Einbrecher.

Der bis dahin als Kleinkrimineller bekannte Täter hat zunächst Glück: Der Handabdruck führt nicht auf seine Spur. Das ermöglicht erst der Fortschritt der Kriminaltechnik: AFIS (Automatisiertes Fingerabdruckidentifizierungsystem) heißt die Methode, mit der Abdrücke viel effektiver digital gespeichert werden. Sie ermöglicht den Vergleich mit dem gesamten Bestand an Spuren von Fingern und Händen. Das System wird täglich um 1000 Datensätze erweitert. „So konnte dieser Mord auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert aufgeklärt werden“, sagt der Vorsitzende Richter Michael Höhne.

Im Oktober 2010 wird Norbert C. – mittlerweile Kraftfahrer – verhaftet. Er gesteht sofort. Allerdings will er die Schwerstverletzte damals zum Eingang geschleppt und bei Nachbarn geklopft haben, um zu sichern, dass sie rechtzeitig entdeckt wird. „Das ist abwegig“, sagt Höhne. „Es widerspricht jeder Lebenserfahrung, dass er sich der Gefahr der Identifizierung aussetzte.“

Der Angeklagte hat laut Urteil heimtückisch getötet – das macht die Tat zum Mord. C. habe das Einsteigen in das Appartement und mehrere zuvor verübte Einbrüche verdecken wollen – auch das ist ein Mordmerkmal. Dafür kennt das Gesetz nur eine Strafe: lebenslange Haft. Manch einem möge das angesichts der seither vergangenen langen Zeit zu hart erscheinen, sagt Höhne. „Der Angeklagte hat sich nach jahrelanger Delinquenz eine kleinbürgerliche Existenz aufgebaut, aus der er jäh gerissen wurde.“ Doch immerhin habe C. die Chance, eines Tages zu seiner Familie zurückzukehren. Diese Chance habe Kornelia S. nicht gehabt: „Sie verlor unwiederbringlich und endgültig ihr Leben.“

Die 26 Jahre seit dem Verbrechen sowie das Geständnis ersparen dem Angeklagten jedoch die Feststellung der besonders schweren Schuld, die Staatsanwältin Nicole Selzam gefordert hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Sarah List

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