Leere Schalter am neuen Busbahnhof

München - Der neue Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) an der Hackerbrücke kommt bei den Busunternehmern (noch) nicht an. Wenn er in elf Tagen eröffnet, bleiben viele Schalter im Reisezentrum leer.

Eine dünne Staubschicht hat sich auf die 29 Parkbuchten im Erdgeschoss gelegt. Überall liegen Paletten und Kabel. Handwerker schrauben an Aufzügen, Klimaanlagen und Schiebetüren herum. „Wir liegen aber voll im Zeitplan“, sagt Gabriele Stegers vom Essener Hochtief-Konzern, der den ZOB baut. Letzte Woche starteten die ersten zwei Busse probeweise nach Zagreb und Marseille, heute beginnt der reguläre Testbetrieb. Die Eröffnung ist für 11. September geplant (siehe Kasten).

Während ihre Busse im Untergeschoss schon losrollen, zögern viele Busunternehmer noch, sich ein Büro in der 1. Etage des ZOB einzurichten. Knapp zwei Wochen vor der Eröffnung stehen elf der 17 Mietflächen im Reisezentrum leer. „Die sind zwar hochwertig, aber die Mieten waren uns zu hoch“, sagt Jörg Sipli von „Berlin Linien Bus“, dem Marktführer im innerdeutschen Linienverkehr. Man erwäge nun, sich ein Büro mit einem anderen Mieter zu teilen.

Ein Unternehmer aus dem Kosovo, der mit seinen Bussen derzeit noch den Bahnhof an der Hansastraße ansteuert, sagt, er werde den ZOB nicht anfahren – weil seine Fahrzeuge nicht in die Umweltzone innerhalb des Mittleren Rings einfahren dürfen. „Warum sollte ich dann ein Büro dort brauchen?“

Bisher haben sich erst vier Busunternehmen in den ZOB eingemietet: die „Deutsche Touring“, der größte Anbieter ins Ausland, „Falcan“, „Kocakelci“ und „SL Reisen“. Eine weitere Fläche im Reisezentrum hat sich ein Geschenkeladen gesichert. Nach Informationen unserer Zeitung hatten die Unternehmen nur fünf bis sechs Wochen Zeit, um die Räumlichkeiten im ZOB zu besichtigen. Christian Rettenbacher vermutet, dass die Reiseveranstalter „mit ihren Bussen erst mal ankommen wollen, bevor sie gleich ein Büro aufmachen. Bei der Wirtschaftslage wollen natürlich alle sparen.“ Rettenbacher arbeitet für die Rot-Kreuz-Betriebe, die den Busbahnhof 25 Jahre lang betreiben sollen. Die Infrastruktur haben sie von Hochtief gepachtet. Rettenbacher sagt, es gebe noch fünf ernsthafte Interessenten, die man möglichst bald in den ZOB locken wolle.

Starten und ankommen dürfen die Busse auch ohne Büro – bis zur Einweihung sogar umsonst. „Das ist unser Schmankerl zum Einstieg“, sagt Rettenbacher. Ab 11. September zahlen die Busbetreiber dann 6 Euro für eine halbe und 10 Euro für eine ganze Stunde Aufenthalt. Den neuen Busbahnhof steuern nur Fernbusse an, also jene, die ihre Passagiere bislang beispielsweise am Busbahnhof Hansastraße abgeholt haben.

Während die Büros im Reisezentrum weitgehend noch leer stehen, brummt der Handels- und Gastronomiebereich im Zentralgeschoss bereits: Zwar bewirten die 24 Läden bis jetzt vor allem Bauarbeiter und Lieferanten, doch nur eine Fläche ist noch nicht vermietet. Reisende finden hier einen Supermarkt, ein Drogeriegeschäft, einen türkischen Imbiss und einen deutschen Metzger, sogar einen Friseur und einen Schönheitssalon.

Die Büros in den obersten Etagen des insgesamt siebenstöckigen ZOBs hat die Verlagsgruppe „Reed Elsevier“ angemietet.

Christoph Behrens und Thierry Backes

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