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Blogger und BR-Journalist Richard Gutjahr referierte im Gymnasium München-Fürstenried.

Herausforderung Social Media

Lehrermedientag in München: Forschen auf „terra incognita“

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Snapchat, Netflix & Co. – nicht jeder Lehrer ist damit vertraut, was seine Schüler heutzutage in den Bann zieht. Der Lehrermedientag bayerischer Zeitungen schärfte am Mittwoch die Sinne.

München – Social Media im Internet – das ist für viele Lehrer terra incognita. Die Medienwelt durchzieht eine neue Undurchsichtigkeit, da kommt mancher Lehrer nicht mehr mit. Daher hatte der Verband Bayerischer Zeitungsverleger landesweit einen Lehrermedientag organisiert. 

Bayernweit nahmen 1200 Lehrer in 16 Städten an die Veranstaltungen teil. Am Gymnasium München-Fürstenried, wo Münchner Merkur, tz, SZ und AZ den Medientag gemeinsam ausrichteten, erlebten 200 Lehrer zunächst ihr Waterloo. Moderator Thorsten Merkle von der Initiative Junge Leser fragte sie, was ein Fashion Haul Video auf Youtube ist. 

Nur eine Handvoll Lehrer wusste, dass über diese Videos Kosmetika und neue Klamotten angepriesen werden. Schüler lieben es, die sogenannten Influencer verdienen so kräftig Geld. Nach diesem Lehrstück folgte ein fulminanter Auftakt mit den mitunter steilen Thesen des BR-Journalisten und Bloggers Richard Gutjahr. 

Seine Ausgangsthese war nicht ganz neu: Social Media verdrängt Print und andere klassische Medien. Dass auch Fernsehen von diesem Trend nicht ausgenommen ist, belegte Gutjahr mit einer für ihn deprimierenden Zahl: 72 Jahre – das ist das Durchschnittsalter der Zuschauer bei der BR-Rundschau-Spätausgabe, die Gutjahr manchmal moderiert. 

Lehrer sollen den Schülern Empathie antrainieren

Lehrer müssen also wissen, dass Schüler keine klassischen TV-Zuseher sind. Daneben lieferte der Journalist einige erhellende Erkenntnisse. So zum Beispiel, dass es neben dem klassischen Fingerabdruck nun ein zweites unverwechselbares Merkmal eines Menschen gibt, nämlich sein Google-Verhalten. „Keiner googelt so wie sein Nachbar“, eine Langzeitbetrachtung der Suchbegriffe inklusive typischer Rechtschreibfehler ergebe ein einzigartiges Profil. 

Den Lehrern riet Gutjahr, ihren Schülern Empathie anzutrainieren, Einfühlungsvermögen also, um zu verstehen, was sie mit einem Tweet anrichten können. Daran knüpfte Kultusstaatssekretär Georg Eisenreich (CSU) an, der die Lehrer bei einer Podiumsdiskussion dazu aufrief, die Schüler in der vierten Kulturtechnik zu schulen. Die Digitalisierung sei gleich wichtig wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Anders als Gutjahr zeigte sich Eisenreich ganz optimistisch. Jede Zeit habe ihre Herausforderungen, meinte er. 

Auch die tz war beim Lehrermedientag vertreten. Hier im Bild sehen Sie tz-Redakteurin Dorit Caspary, die für die Pädagogen einen Workshop zum Thema „Kinderrechte und Demokratie“ hielt. Die Devise: Schulstoff ist auch Zeitungsstoff.

Freilich gestand Eisenreich, dass er mit den neuen Trends nicht mehr mitkomme – ein Facebook-Profil hat der Politiker nicht. Nach dem Auftakt teilten sich die Lehrern in verschiedene Arbeitsgruppen auf, die von Journalisten geführt wurden. 

Es ging um Themen wie „Welcher Nachricht kann ich trauen?“, um Lügenpresse, Persönlichkeitsrechte und vieles mehr. Klar war freilich, dass nicht jeder Journalist in jedem Medium zu Hause sein kann. Er habe zunächst mit seinen Kindern alles brav mitgemacht, sei dann aber bei Snapchat ausgestiegen, bekannte Bernd Ernemann, Leiter unserer MM-Heimatredaktionen. Er beim Instagramm-Storytelling, bekannte SZ-Onliner Dirk von Gehlen. Man sah: Auch Journalisten haben mitunter Mühe, dem neuesten Schrei in der Medienbranche noch zu folgen.

Ein Austausch

Jugendtypische Dinge wie Snapchat kenne ich nur durch die Schüler, da lerne eher ich. Das ist ein Austausch. Mich interessiert aber auch die Glaubwürdigkeitskrise der Medien - zum Beispiel die Lügenpresse-Vorwürfe.
Walter Niedermeier, Fachakademie für -Wirtschaft, München.

Die Sinne schärfen

Medienkompetenz ist in jeder Klasse gefragt. Schüler sind oft sehr unkritisch bei Texten: Es spielt für sie keine Rolle, ob jemand privat eine Theaterkritik verfasst oder ein -professioneller Journalist. Da muss man die Sinne schärfen.
Veronika Eckl, Camerloher-Gymnasium, Freising

Youtube im Musiksaal

Es gibt heutzutage so -viele Möglichkeiten, die neuen Medien im Unterricht zu benutzen, da kommt es meiner -Meinung nach sehr auf die Auswahl an. Ich als Musiklehrer benutze im Unterricht zum Beispiel oft -Youtube-Videos, aber auch CDs.
Stefan Vogl, Realschule Freising II.

Nachholbedarf

Wir haben in jedem Klassenzimmer nur ein bis zwei Computer und einen Overhead-Projektor, da gibt es etwas Nachholbedarf. Wir würden uns Dokumentenkameras wünschen. Whiteboards sollen sehr störanfällig sein.
Anne Seeliger (l.) und Sabine Viechtl, Grundschule am Gärtnerplatz, München

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