1. Startseite
  2. Lokales
  3. München
  4. Stadt München

Letzte Gefechte um den S-Bahn-Tunnel

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Noch guter Dinge: Als vor einem Jahr der Bau- und Finanzierungsvertrag für die Stammstrecke unterzeichnet wurde, gaben sich Verkehrsminister Martin Zeil, OB Christian Ude und Bahn-Vorstand Volker Kefer (v.l.) zuversichtlich. © Schlaf

München - Die Zeichen werden deutlicher: Der Bau des zweiten S-Bahn-Stammstreckentunnels steht vor dem Aus. Doch wer läutet das Totenglöckchen? Eigentlich müsste es Verkehrsminister Martin Zeil tun. Der aber klammert sich an das Projekt.

Martin Zeil ist im Grunde nicht zu beneiden. Drei bayerische Verkehrsminister hatten vor ihm an der zweiten S-Bahn-Stammstrecke gewerkelt. Alle drei waren von der CSU. Nach Jahren der Planung ist nun ein Liberaler am Ruder. Ausgerechnet der – also Zeil – könnte jetzt derjenige sein, der das Projekt beerdigen muss. Mit dem Mut der Verzweiflung wehrt sich Zeil dagegen. Seine Chancen aber schwinden.

Es geht dabei ums Geld. Zeil fehlen rund 700 Millionen Euro, um die Finanzierung des auf zwei Milliarden Euro taxierten S-Bahn-Tunnels unter der Münchner Innenstadt zu sichern. Der Vorschlag der Staatsregierung lautete bisher, Stadt und Freistaat sollten die Summe zu je 350 Millionen für den Bund vorfinanzieren. Doch OB Christian Ude (SPD) winkte ab. Nach Informationen unserer Zeitung tastete Zeil deshalb unlängst vor, ob der Freistaat die Summe nicht alleine als Kredit beisteuern könnte – und scheiterte. Die CSU im Landtag schob dem Ansinnen des Liberalen einen Riegel vor. Es sei schon genügend Geld nach München geflossen, hieß es. Ende März schließlich appellierte Zeil „ein letztes Mal“ an die Kollegen in Berlin, bis Ende Mai zu erklären, wieviel Geld der Bund für den Stammstreckentunnel bereitstellen werde.

Genug wird es nicht sein. Gerade mal 200 Millionen Euro könnte der Bund wohl beisteuern. Bayerns derzeit größtes Verkehrsprojekt steht damit vor dem Aus. Und Zeil könnte dabei zur tragischen Figur werden. Während er noch für die zweite Röhre kämpft, laufen im Hintergrund schon Gespräche über einen Plan B. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) selbst debattierte mehrmals mit der Münchner CSU über Alternativen zur zweiten Stammstrecke. Am Wochenende lieferte die Nachrichtenagentur dpa, die mit Seehofer in Brasilien unterwegs war, neue Erkenntnisse: Die Staatsregierung gehe inzwischen davon aus, „dass der geplante Bau der zweiten Stammstrecke scheitert – sofern nicht in letzter Sekunde ein Wunder geschieht“.

Keiner aber will das Totenglöckchen läuten – also zugeben, dass das Projekt tot ist. Schließlich stehen im Herbst nächsten Jahres Landtagswahlen an. Deshalb wird der Schwarze Peter munter herumgereicht. CSU und FDP in der Staatsregierung suchen die Schuld bei OB Ude. Weil der nicht bereit sei, freiwillig die erhofften 350 Millionen Euro vorzufinanzieren, „übernimmt er auch die politische Verantwortung für ein Scheitern des Projekts“, sagt der CSU-Wirtschaftsexperte und frühere Parteichef Erwin Huber. Ude, der im nächsten Jahr Ministerpräsident werden will, nutzt seinerseits die Chance, dem Freistaat das Scheitern unter die Nase zu reiben. Sein Vorteil: Der OB kann darauf verweisen, dass der Tunnel ein Projekt des Freistaats ist und er als Stadtchef nicht mit Millionen aushelfen muss.

Die politische Zuspitzung und gegenseitige Beschuldigung, für das Desaster verantwortlich zu sein, dürfte in den nächsten Monaten noch zunehmen. Doch was kommt danach? „Wenn Ude weiterhin den Totengräber der Stammstrecke gibt, dann wird der Punkt kommen, an dem man dasjenige in den Blick nehmen muss, was auch ohne Ude machbar ist“, sagt der Münchner CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume.

Dass Minister Zeil diese Alternativen für den Ausbau des S-Bahn-Netzes vor 2013 selbst noch in Angriff nehmen will, darf indes angezweifelt werden. Der Nachrichtenagentur dpa sagte Zeil, er habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Er werde die Gespräche mit dem Bund über die Absicherung der Vorfinanzierung der zweiten Stammstrecke weiterführen. Dabei gilt die nach Udes Nein im Grunde als unrealistisch.

Matthias Kristlbauer

Auch interessant

Kommentare