Der letzte Pilot von Franz Josef Strauß

Truchtlaching - Er flog Franz Josef Strauß bei seinem letzten Flug, er stürzte bei Wackersdorf ab - als Polizei-Hubschrauberpilot hat Theodor Mayerhöfer einiges erlebt. Nun hat er ein Buch geschrieben.

Gut 20 Jahre ist es her, 7. September 1986, 17.43 Uhr, im Wald bei Wackersdorf. Gerade hat Theodor Mayerhöfer drei Polizisten in seinem Hubschrauber aufgenommen und die Maschine wieder steigen lassen, als sie zum Feuerball wird. Der Hubschrauber wird von hinten gerammt. Von einem Zug. Es ist der Moment, in dem Mayerhöfer das Bewusstsein verliert. Doch seine Erinnerung an diesen Tag ist bei dem heute 62-Jährigen noch äußerst präsent. Nicht nur wegen der Brandnarben.

24 Jahre flog Mayerhöfer für Bayerns Polizei-Hubschrauberstaffel. "Das Fliegen ist eine wunderbare Sache", sagt er. Der Mensch befinde sich "wortwörtlich über dem Horizont". Doch so poetisch dies klingt, so dramatisch waren viele Erlebnisse. Beide Seiten hat Mayerhöfer in seinem Buch zusammengefasst.

Der Unfall in Wackersdorf war Mayerhöfers einziger Absturz. Es war einer dieser "Großkampftage", wie er sagt. Einer der Tage, an denen die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Gegner der geplanten atomaren Wiederaufarbeitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf besonders heftig waren. 50 Meter weit wurde der Hubschrauber durch die Kollision geschleudert. So steht es im Unfallbericht. "Mein Bordwart und der hinter ihm sitzende Kollege blieben bei Bewusstsein", sagt Mayerhöfer. "Sie zerrten uns drei Bewusstlose aus der Maschine und löschten unsere Kleidung." Der Hubschrauber und der Zug brannten völlig aus. Alle Insassen erlitten schwere Brandverletzungen, überlebten aber, bis auf den Polizist Johann Hirschinger, der 16 Tage nach dem Unglück seinen Verletzungen erlag.

"Ich hatte riesiges Glück", sagt Mayerhöfer nüchtern. "Auf den Tag genau sieben Monate nach dem Unfall bin ich wieder geflogen." Und auch am 1. Oktober 1988. Es sollte der letzte Flug des damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß werden. "Ein sonniger Herbsttag", erinnert sich Mayerhöfer. Er sollte Strauß in Oberdill im Südwesten von München aufnehmen und nach Aschenbrenner bringen, einem Waldgebiet bei Regensburg.

"Unser Landesvater war gut gelaunt und trug einen Jagdanzug", erinnert sich der Pilot noch genau. Bei den meisten Flügen studierte Strauß Akten - an diesem Tag nicht. "Diesmal schaute er nur aus dem Fenster und genoss die Landschaft - das fiel mir auf." In der Nähe eines Jagdhauses des Fürsten Johannes von Thurn und Taxis ließ sich Strauß absetzen. "Er verabschiedete sich mit einem Handschlag, als ich abhob, winkte er mir noch nach", sagt Mayerhöfer. Wenige Minuten später hörte er über Funk, dass Strauß zusammengebrochen war.

"Ich bin sofort umgekehrt, habe einen Notarzt in Regensburg aufgenommen und bin wieder zu dem Jagdhaus geflogen", sagt Mayerhöfer. Der Ministerpräsident lag bewusstlos nur 60 Meter entfernt von dem Landeplatz, an dem er ihn abgesetzt hatte. In den kommenden Tagen flog Mayerhöfer ständig zwischen der Klinik in Regensburg und München hin und her. Er transportierte Spezialisten, Unterlagen, Politiker. "Am dritten Tag flog ich vormittags Ärzte nach Großhadern zurück. Kurz vor München wurde uns über Funk durchgegeben, dass der Ministerpräsident soeben verstorben ist."

Natürlich sind Wackersdorf und das Erlebnis mit Strauß bei Mayerhöfer in wacher Erinnerung. Aber es sind gar nicht die spektakulären Einsätze, die ihn besonders bewegten. "Am schönsten war immer, wenn wir Vermisste noch lebend gefunden haben, die alle anderen schon aufgegeben hatten."

Und im Ruhestand, kann er das Fliegen lassen? "Nein", sagt Mayerhöfer, er lässt es aber deutlich ruhiger angehen. An schönen Tagen steigt er mit dem Heißluftballon auf. Anfang der 90er-Jahre hatte er dafür die Lizenz gemacht. "Das ist natürlich deutlich gemächlicher", gesteht Mayerhöfer. Hubschrauber fliegt er nur noch nachts. In seinen Träumen.

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