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Der Schweizer Armin Risi bezeichnet sich auf seiner Homepage als einen der mutigsten Vordenker seiner Zeit. Er hat eine Reihe esoterischer und spiritueller Bücher geschrieben und stellt unter anderem die Evolutionstheorie in Frage.

Konferenz an der TU

Verschwörungstheoretiker: So lief das Treffen ab

München - An der Münchner TU trafen sich am Wochenende Verschwörungstheoretiker und sogenannte Grenzwissenschaftler zu einer Konferenz. Ein unheimliches Treiben im Zwielicht zwischen Unfug und Welterlösung.

„The earth, is it a star or is it a planet?“, Giuliana Conforto steht am Pult des Carl-von-Linde-Hörsaals an der Fakultät für Physik der Technischen Universität. 300 Leute hören ihr zu, viele mit geschlossenen Augen. Conforto, so heißt es in ihrer Vita, „richtet ihre Forschungen auf die Bereiche der post-relativistischen Theorien und der Quantenkosmologie“. Gelehrt habe sie an einer „University of Los Angeles“.

„Sie Ehrz iss id a stah...“ - das Englisch der Italienerin hat den Charme einer Pasta-Mama aus der Werbung. Die Übersetzerin fragt bisweilen lieber zweimal nach, bevor sie einen Satz wiedergibt. Ist die Erde also nun ein Stern oder ein Planet? Die Antwort wäre den TU-Studenten, die unter der Woche den Hörsaal bevölkern, vermutlich leicht gefallen. Um ein Stern sein zu können, müsste die Erde ja von sich aus leuchten. Conforto, Astrophysikerin, ficht das nicht an. Dafür die menschliche Beobachtungsgabe. Sie hat errechnet, dass der Mensch - und damit auch ein Wissenschaftler - nur fünf Prozent der Wirklichkeit erfassen kann. Conforto interessiert sich für die anderen 95 Prozent. Und weil man die ja nicht sehen kann, bleibt jede Menge Platz für bunte Theorien. So zählt zu Confortos Entdeckungen auch die „Quelle des Lebens“ - die wirkliche Sonne, die sich im Zentrum der Erde befindet.

Es ist ein weites Feld, dem sich Conforto und ihre Kollegen bei der ersten Münchner „Konferenz für Bewusstsein und menschliche Evolution“ widmen. Alles scheint Platz zu haben: Ufos und dunkelste Mächte, die hinterlistigste Komplotte gegen die Menschheit schmieden - aber auch Götter, Lichtwesen und Liebe bis zum Abwinken.

Armin Risi, ein Meister im Spiel mit dem Unwissen, feixt. Er hat das Bild eines Indohyus - ein Urtier, das Evolutionsbiologen als Vorfahre der Wale gilt - an die Wand projiziert: „Jetzt setzen wir diese hypothetischen Vorfahren einmal in ein Größenverhältnis. Es ist ein bisschen gemein, wenn man das macht, aber es ist nur Wissenschaft.“ Die Konferenzteilnehmer lachen begeistert, die Evolutionstheorie wird im Audimax der TU zum Slapstick: ein kniehoher Pflanzenfresser verwandt mit den größten Tieren der Welt, nur weil sich ein Knöchelchen im Ohr gleicht! Risi klärt auf: „Ich habe den großen Verdacht, dass sich die Lichtwesen zweifach, grob gesagt in zwei Linien verdinglicht haben, in einer Linie ans Land, da wurden sie Menschen, und in einer Linie ins Wasser, da wurden sie Wale und Delfine. Die Fossilien zeigen: Auf einmal waren die Urwale und Urdelphine da. Keine Vorstufen. Die waren einfach da.“

Als Armin Risi das sagt, lacht niemand. Der Schweizer, den Kritiker schonmal als den „Ultimativen Verschwörungstheoretiker“ bezeichnen, weiß alles über die Verdichtung und Inkarnation von Lichtwesen. „Aber durch die Verdichtung kamen auch andere Seelen in die Welt“, sagt er. Und die meinen es offenbar nicht so gut mit uns.

Der Dalai-Lama macht auch irgendwie mit

Wie zum Beispiel die IT-Spezialisten im Silicon Valley. Die arbeiten - nach Meinung von William Henry, einem amerikanischen „Neoarchäologen“, daran, die Spezies Mensch Hand in Hand mit „den Regierungen“, zu einem Hologramm umzubauen - bis spätestens 2045. Der Dalai-Lama macht dabei auch irgendwie mit und Google-Brille und iWatch sind dabei erst der Anfang.

Zum Abschluss der Konferenz tritt das Ehepaar Hurtak auf. Sie blondiert, er mit schlammbrauner Schärpe ums dunkle Sakko und Baskenmütze auf dem Kopf. In zwei Stunden peitscht der US-Anthropologe James J. Hurtak das Publikum durch den gesamten Wahnsinn esoterischer Pseudowissenschaft: So kommt er von der Stringtheorie über Molekularbiologie und Quantenphysik zu „Fernsichtigkeit“, Ufos und den höchsten Lichtwesen. Von den neuesten Forschungsergebnissen aus dem Teilchenbeschleuniger in Genf bis zu verstörenden Bildern in Pink, Gelb und Türkis voller Tauben, Diamanten und entrückter Gestalten im hellen Lichtkranz. Unzählige Physik-, Chemie- und Medizin-Nobelpreisträger werden zitiert - und alle stehen sie ganz offenbar im Dienst von Licht und Liebe. „Amen, Amen and Amen“ brüllt „JJ“, Jahrgang 1940, am Ende mit Prophetenstimme ins Mikrophon. Er bedankt sich bei der Technischen Universität, von der ja so viele „wunderbare Wissenschaftler in der Welt“ kommen.

Die „Konferenz für Bewusstsein und menschliche Evolution“ - veranstaltet durch den Briten Richard Smith und seinen deutschen Partner Jörg Schöneborn - hatte der TU im Vorfeld Kritik eingebracht (wir berichteten). Warum eine seriöse Bildungsstätte einer Gruppe von Verschwörungstheoretikern einen Platz biete, so der Vorwurf. Die TU und auch Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) verwiesen auf die weltanschauliche und politische Neutralitätspflicht der Uni. Auch Banken und die Kirchen würden Hörsäle mieten.

Martin Both

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