LMU: Doppelt so viele Bewerbungen

München - Seit Jahren bereiten sich die Unis vor, jetzt kommt mit dem doppelten Abiturjahrgang der große Studentenansturm. Die LMU erlebt eine Bewerberflut, an der TUM erwartet man keine größeren Probleme.

Manch angehendem Studenten dürfte die Vorstellung gefallen haben: seinen Vormittag im weichen Kinosessel zu verbringen statt auf der harten Hörsaalbank. Überfüllte Vorlesungen ins Filmtheater zu übertragen, das war eine der vielen Ideen, die in den letzten Jahren an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) diskutiert worden waren, um dem erwarteten Ansturm gerecht zu werden. „So weit sind wir aber wohl doch noch nicht“, sagt nun LMU-Sprecherin Katrin Gröschel.

An den beiden Münchner Universitäten zeigt man sich vorsichtig optimistisch, was die Situation in den Hörsälen im kommenden Wintersemester betrifft. Jahrelang hat man vorgesorgt, Räume umgebaut, angemietet, Stellen in der Lehre geschaffen. Jetzt kommt der doppelte Abiturjahrgang - und dazu auch noch ein größerer Schwung junger Männer, die durch die ausgesetzte Wehrpflicht an die Hochschulen drängen.

An der LMU hat sich die Zahl der Bewerbungen für die zulassungsbeschränkten Bachelor-Studiengänge verdoppelt: von 15 800 im Wintersemester letzten Jahres auf heuer 31 400. Den allergrößten Teil davon dürften Studienanfänger ausmachen - sie balgen sich um die 6200 sogenannten örtlich zulassungsbeschränkten Studienplätze - vor einem Jahr waren es 4700. Die Zusagen werden in diesen Tagen verschickt.

Auch wenn man die Zahl der Bewerbungen nicht mit der der Bewerber gleichsetzen kann, weil sich die jungen Leute auch um mehrere Studiengänge bewerben können: Heuer dürften deutlich mehr Abiturienten nicht den gewünschten Studienplatz ergattern. Das könnte an der LMU dazu führen, dass es in den Studiengängen, die keinerlei Beschränkung haben - also auch nicht von der Stiftung für Hochschulzulassung (ehemals ZVS) vergeben werden - richtig eng wird. „Da kommen sie einfach hin und schreiben sich ein“, erklärt Katrin Gröschel. Seit wenigen Tagen und noch bis Anfang Oktober laufen diese Einschreibungen, für die das Abiturzeugnis einzige Voraussetzung ist - für eher exotische Fächer wie Tibetologie, aber auch für Germanistik.

Die beliebtesten Fächer hingegen sind zulassungsbeschränkt. An beiden Münchner Unis drängen die Bewerber seit Jahren in dieselben Fächer, an der LMU etwa in Betriebswirtschaftslehre, Jura und Kommunikationswissenschaft. An der Technischen Universität München (TUM) gehören Ernährungswissenschaft und der Studiengang „Maschinenbau und Management“ zu den Favoriten.

An der TUM ist es nicht die Ausnahme, sondern die Regel, dass es keine feste Begrenzung an Studienplätzen gibt. Die TUM lässt nach einem Auswahlverfahren diejenigen Bewerber zu, die sie für geeignet hält - unabhängig davon, ob sich 400 oder 401 andere Kandidaten beworben haben. „In einem Großteil der Fächer schauen wir uns jeden Bewerber an“, sagt TUM-Sprecher Klaus Becker. Insgesamt sind dort 20 500 Bachelor-Bewerbungen eingegangen, die Zahl der Anfänger dürfte sich von 5500 vor einem Jahr auf 7400 erhöhen. „Das kommt hin, damit haben wir kalkuliert“, sagt Becker. Mit einem Chaos rechnet er nicht: Kommen auf ein Fach mehr geeignete Bewerber als gedacht, könnten durch die Studienbeiträge auch kurzfristig mehr Tutorien eingerichtet werden. Und auch das Raumproblem scheint man an der TUM im Griff zu haben. „Wir müssen wohl keine Veranstaltungen nach 20 Uhr oder am Wochenende machen.“

Auch an der LMU sieht man die Raumfrage zuversichtlich - Professoren auf der Leinwand könnte es trotzdem geben. „Wir überlegen uns Videoübertragungen in andere Hörsäle“, sagt die Sprecherin.

Felix Müller

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