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Lokführer Josef K. spricht über das Selbstwertgefühl.

So schwierig sind die Arbeitsbedingungen

Lokführer packt aus: "Bahn stellt uns aufs Abstellgleis!"

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München - Ein Lokführer packt in der tz aus. Er spricht über seine nicht gerade rosigen Arbeitsbedingungen und erzählt, warum sich daran wohl erst einmal nichts ändern wird.

"Ich liebe meinen Beruf, er war immer mein Traum“, sagt S-Bahn-Lokführer Josef K. immer wieder im Gespräch. Ein Albtraum hingegen sind die realen Arbeitsbedingungen. Er wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern (6 und 7) im Münchner Osten in einer 85-qm-Wohnung. Eng zu viert. Aber: „Dafür zahle ich 1400 Euro im Monat warm. Bei einem Gehalt zwischen 1800 und 2000 Euro netto – je nach Diensten – ist das Geld ohnehin schon extrem knapp.“

Doch das Geld ist nur das eine, das andere wiegt ebenso schwer und bringt den Lokführer gehörig auf Touren: „Wir werden von der Bahn von oben herab behandelt. Auf uns wird heruntergetreten. Wenn wir unsere Anliegen untermauern – also etwa familienfreundlichere Bedingungen wollen oder höhere Bezüge –, dann werden sofort Drohungen ausgesprochen. Etwa, dass bis 2025 keine neuen Lokführer mehr eingestellt werden. Uns fehlt es völlig an Wertschätzung seitens der Bahn-Verantwortlichen.“

Chronischer Lokführermangel

Dabei ist laut Lokführer-Gewerkschaft GdL der Lokführermangel ohnehin schon „chronisch“. Und der werde durch die hohe Fluktuation noch verstärkt. Alle bisherigen (finanziellen) Versuche der S-Bahn hätten den Personalmangel nicht beseitigt: „Sie hatten keinerlei regionalen Bezug zu den hohen Lebenshaltungskosten in München und haben keine nachhaltige Wirkung erzielt.“

Beispiel Josef K. Er ist sogenannter Rollierer, das heißt: Er erfährt zwei bis vier Tage vor seinem Dienst, wann er sich bereithalten muss. Aber wann er genau eingesetzt wird – ob um 4.30 morgens oder ab Nachmittag –, das weiß er nicht. „Ich muss mir 24 Stunden freihalten. Das macht das Leben mit der Familie sehr schwierig – und dieser Dienst wird auch nicht anders vergütet als bei einem Fahrer, der seinen festen Dienstplan hat.“ Klar, dass die Ehefrau auch noch arbeitet – 30 Stunden trotz zwei kleiner Kinder. „Sonst würden wir uns München überhaupt nicht leisten können.“ Und ins Umland ziehen? Das überlegt K. oft. Aber weil er Schichtdienst hat und zu teils unmöglichen Arbeitszeiten beginnt oder aufhört, ist kaum Zeit für lange Wege. Zudem das Umland preislich ja auch explodiert. K. fährt vom Osten Münchens normalerweise mit den Öffentlichen zur Arbeit. Falls das nicht möglich ist, steigt er in sein zehn Jahre altes Privatauto.

"Da wird sich nichts ändern"

Ob sich denn etwas in Zukunft ändern wird? Wird die Bahn familienfreundlicher für ihre Arbeiter? K. ist da mehr als skeptisch: „Bei der jetzigen Führung wird sich da nichts ändern.“ Er vermutet eher das Gegenteil: „Der Profit soll auf anderen Gebieten erwirtschaftet werden: Logistik, Flugverkehr, Buslinien. Die Bahn kommt unter die Räder, bis sich das Geschäft gar nicht mehr lohnt. Das wäre dann das Argument, um sie komplett zu privatisieren.“

K. liebt seinen Beruf auch wegen des Umgangs mit den Fahrgästen. Die allermeisten, sagt er, sind auch bei Verspätungen oder Zugausfällen freundlich. „Von 1000 Menschen zeigt mir vielleicht einer einen Vogel, wenn ich zu spät einfahre. Aber die allermeisten wissen, dass ich ja am wenigsten dafür kann. Natürlich sind wir Lokführer Prellböcke, aber das hält sich in Grenzen.“ Ganz im Gegensatz zu den Lebenshaltungskosten in und um München …

Die Bahn war am Dienstag wegen der aktuellen Situationen (Drama in Grafing, technische Störungen…) nicht in der Lage, eine Stellungnahme abzugeben.

Zweite Stammstrecke: Erster Blick in neuen S-Bahn-Tunnel

Matthias Bieber

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