Luxus im Krankenzimmer

München - Um zahlungskräftige Patienten zu locken, geht die LMU neue Wege: Ihr Klinikum Großhadern bietet einen Fünf-Sterne-Service - samt Handtüchern mit Kuschelfaktor.

„Made in Germany“ - das ist für viele Menschen aus dem Ausland auch in Sachen Medizin ein Gütesiegel. In den 90er-Jahren begann der sogenannte Patienten-Tourismus in München nennenswerte Formen anzunehmen. Damals fielen erstmals Scheichs auf, die sich an Münchner Kliniken behandeln ließen. Mangelndes Vertrauen in die medizinische Versorgung ihres Heimatlandes veranlasste sie, komplexe Eingriffe oder anspruchsvolle Therapien in deutschen Krankenhäusern durchführen zu lassen.

Inzwischen ist der Anteil arabischer Patienten stetig gestiegen, zudem reisen immer mehr russische Staatsbürger für eine medizinische Behandlung an. Die aktuellen Zahlen hat der gemeinnützige Verein „Health Care Bayern“ veröffentlicht. Von den 10 029 ausländischen Patienten, die im vergangenen Jahr in Münchner Krankenhäusern behandelt wurden, kamen demnach 1183 aus Russland, 995 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, 745 aus Österreich und 390 aus Italien.

Das Potential aber sei weitaus größer, glaubt der Verein - mit Blick auf die Entwicklung der Besucherzahlen in der Stadt. 101 787 Menschen aus den arabischen Golfstaaten waren 2011 zu Gast in München. Die Zahl russischer Besucher in München wuchs zuletzt um ganze 35 Prozent, 2011 kamen 134 822 Russen in die Landeshauptstadt.

Die Konkurrenz unter den Kliniken ist groß - oft haben Privatkliniken die Nase vorn. Jetzt könnte sich das ändern: Das Klinikum der LMU in Großhadern bietet seit kurzem einen rundum erneuerten sogenannten Wahlleistungsbereich, der sich an deutsche und internationale Patienten richtet. Auf den acht Stationen mit jeweils 24 Betten arbeiten neben Ärzten und Pflegern sogenannte Serviceassistenten: „Die erzeugen eine Wohlfühlatmosphäre, wie man sie aus Fünf-Sterne-Hotels kennt“, erklärt Internist Dr. Matthäus Bauer. Die Serviceassistenten - ausgebildete Hotelfachleute in Steward-Uniform - helfen zum Beispiel beim Ein- und Auspacken der Koffer und besorgen auf Wunsch der Patienten arabische oder russische Tageszeitungen. „Diese menschliche Zuwendung ist für die Patienten noch wichtiger als die Ausstattung des Bereichs“, sagt Bauer.

Doch auch die Ausstattung kann sich sehen lassen: Die Wände sind mit cremefarbenen Lack-Paneelen verkleidet, die Türklinken glänzen golden. Die Zimmer sind mit Flachbildschirmen, beheizbaren Handtuchhaltern und einem Willkommenspaket samt Bodylotion und Blumen ausgestattet. „Die Handtücher sind aus einer Baumwolle mit Kuschelfaktor gefertigt“, erklärt Stationsleiter Andreas Alsmayr. Zudem haben die Patienten verschiedene Kopfkissen zur Auswahl sowie einen Catering-Bereich mit frischem Obst und Gebäck. Demnächst sollen in einigen Zimmern Pfeile angebracht werden, die nach Mekka weisen, um arabischen Patienten das Beten zu erleichtern.

Zwar hat sich die Zahl der stationären Patienten aus dem arabischen Raum seit 2006 nahezu verdoppelt, sie machen aber bislang nur 1,2 Prozent der stationären Patienten des Klinikums aus. Soll ihr Anteil steigen? „Wir betreiben keine Werbung“, sagt der Leiter der Abteilung Patientenmanagement und Unternehmenssteuerung, Dr. Andreas Schöne. Stattdessen setze man auf die Reputation der Klinik: „Als forschungsstärkstes Universitätsklinikum Deutschlands bieten wir Spitzenmedizin auf internationalem Niveau.“

Die Lukrativität internationaler Patienten liegt auf der Hand: Während deutsche Patienten lediglich den Zuschlag für die Wahlleistungen zahlen - das sind Annehmlichkeiten, die über allgemeine Krankenhausleistungen hinausgehen - stellt das Klinikum Patienten aus dem Ausland zudem einen Servicezuschlag in Höhe von 663 Euro in Rechnung und verlangt einen Vorschuss. „Die Servicepauschale deckt unsere zusätzlichen Kosten, und der Vorschuss garantiert, dass wir das Geld auch bekommen“, erklärt Dr. Matthäus Bauer. Dafür steht den Patienten aus dem Ausland auch ein internationales Patientenbüro zur Verfügung - mit russisch- und arabischsprachigen Mitarbeitern.

Ob die Investitionen in den Wahlleistungsbereich nicht zu Lasten der Kassenpatienten gehen? Bauer zufolge seien die Investitionen mit den Zuschlägen der Wahlleistungspatienten finanziert worden - Kassenpatienten bezahlten diese Zuschläge nicht.

Caroline Wörmann

und Bettina Stuhlweissenburg

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