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Die eilige Dreifaltigkeit: Erwin Horak ist ein Macher-Typ. Geht ihm etwas zu langsam, kann er ungeduldig werden. Lotto Bayern hat das nicht geschadet, im Gegenteil. Nun geht er in den Ruhestand.

Erwin Horak war 19 Jahre lang Präsident

Mister Lotto geht in Ruhestand

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München - Die bärtigste Glücksfee im Freistaat geht in den Ruhestand. 19 Jahre lang war Erwin Horak Präsident von Lotto Bayern. In dieser Zeit hat er vieles geschafft – und sich überdies den Beinamen „Taliban“ eingebrockt.

Ein Ausblick ist das. Durch die lange Fensterfront in Erwin Horaks Büro sieht man weit über die Münchner Theresienwiese – die Kirchtürme von St. Paul, die Bavaria, die roten Dächer der Stadt. Das Büro ist im vierten Stock eines Glaskastens. Wenn Horak gut drauf ist, weist er darauf hin, dass es da noch ein Stockwerk über ihm – dem Chef – gibt. Man könnte ein bisschen rumdeuteln und sagen: Macht braucht keine Höhe, aber Weitblick.

Vor zwei Jahren ist die Staatliche Lotterieverwaltung vom Karolinenplatz an die Theresienwiese gezogen. Horak ist stolz, das geschafft zu haben. Schließlich hätte man genauso gut in Kaufbeuren oder Kempten landen können; dort stand eine aufgelassene Kaserne frei, es hätte viel Platz gegeben, aber womöglich auch viele Abschiede. „Ich wollte alle Mitarbeiter an einem einzigen Standort behalten“, sagt er und dreht an den Manschettenknöpfen, auf denen die Buchstaben E.H. funkeln. „Alle, und möglichst an einem Platz.“

Horak übergibt den Lotto-Laden mit einiger Zufriedenheit 

Es ist ihm wichtig, das vor seinem Abschied geschafft zu haben. 19 Jahre lang war Horak Präsident von Lotto Bayern – wenn man so will die mächtigste Glücksfee im Freistaat. In diesem Jahr wird er 66 und tritt sein Amt Ende Juni an die Ministerialrätin Friederike Sturm ab. Am Mittwoch gibt es einen doppelten Festakt – für Horaks Abschied und Sturms Amtseinführung. Er übergibt ihr den Lotto-Laden mit einiger Zufriedenheit. Auch wegen der gewonnenen Aussicht.

Horak, der gerne weltmännisch auftritt, geht den Weg eines Beamten. Nach dem Abitur Jurastudium, bald eine Karriere unter verschiedenen Finanzministern: Streibel, Tandler, Waldenfels, Huber. 1997 wird er Lotto-Präsident. „Ich war nie der Typ eines engstirnigen Lohnsteuerreferenten“, sagt Horak. Ihm taugt das Gestalten, er bringt Zug in den Laden. Seine Leute wissen bald, dass er kreativ ist – und bisweilen auch ungeduldig. Horak versteht die Behörde als Wirtschaftsunternehmen. „Da muss man sich halt manchmal hinstellen und ein bisschen böse sein.“

Das bleibt nicht aus bei einem Unternehmen, das im Jahr gut eine Milliarde Euro Umsatz macht. Trotzdem wohnt in der Macher-Schale im Grunde ein humanistischer Geist. Horak besuchte ein musisches Gymnasium und machte Abitur im Fach Klavier. Außerdem stand er als Schüler oft auf der Bühne, sang und spielte Kabarett. Die Zeiten sind lange vorbei. Aber Horak sagt: „Kabarett-Erfahrung ist im Beruf manchmal sehr hilfreich.“

Er selbst merkte das im Jahr 2011, als es um die Änderung des Glücksspielstaatsvertrags ging. Damals feindete ihn der schleswig-holsteinische CDU-Politiker Hans-Jörn Arp an, weil Horak sich einer Öffnung des Glücksspielmarkts für private Anbieter widersetzte. Arp nannte Horak einen „Taliban des Glücksspielgesetzes“. Inzwischen lacht er darüber, warum auch nicht, er hat sich ja durchgesetzt.

Bis heute ein Gegner privater Glücksspiel-Anbieter 

Bis heute ist Horak ein Gegner privater Glücksspiel-Anbieter. Er ist überzeugt, dass sie die Menschen in die Spielsucht treiben und außerdem nichts für das Gemeinwohl tun – anders als die staatlichen Anbieter: 400 Millionen Euro gibt Lotto Bayern pro Jahr an den Freistaat ab. Viel Extra-Geld für den Staatssäckel.

Der Abschied naht. Und was werden Sie besonders vermissen, Mister Lotto?

Horak lehnt sich in seinen schwarzen Stuhl zurück, spannt mit einem Finger das goldene Kettchen an seinem rechten Arm und überlegt. Die Momente, in denen er tatsächlich Glücksfee spielen durfte, die wird er vermissen. Da gab’s zum Beispiel diese drei Männer aus München. „Die kamen in der Früh und sagten: Wir sind’s“, erzählt Horak. Die drei hatten eine Pizzeria in der Stadt und außerdem gerade ein paar Millionen Euro gewonnen. „Die Pizzeria gibt’s heute noch.“ Er kommt hin und wieder dran vorbei.

Ab Juli wird er genug Zeit haben, sich mal reinzusetzen und eine Pizza zu bestellen. Ende Juni räumt Horak sein Büro, dann beginnt das Leben des Ruheständlers, mit Zeit für die Familie, Ehrenämter – und Sport. „Mein Ziel ist, dass ich meinen Schwager beruflich möglichst wenig sehe“, sagt Horak. „Der ist mein Hausarzt.“

Marcus Mäckler

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