"Mae West" steht - zweiter Anlauf geglückt

München - Erfolg beim zweiten Anlauf: Nachdem die Statue „Mae West“ in der Nacht zum Sonntag nicht wie geplant fertiggestellt werden konnte, mussten die Bauarbeiter am Sonntagabend noch einmal Hand anlegen – und erfreuten die etwa 100 Zuschauer mit einem spektakulären Einhub:

Schon eine halbe Stunde nachdem um 20 Uhr der Verkehr rund um den Effnerplatz gesperrt worden war, hob der 300 Tonnen schwere Raupenkran den etwa 32 Meter hohen Oberkörper von Mae West aus ihrem pyramidenförmigen Gerüst. Langsam, gemächlich und kerzengerade hob sich das 70 Tonnen schwere Carbongeflecht auf 18 Meter Höhe. Nur eine halbe Stunde dauerte das Heben.

Ein Vorgang, den das warm eingepackte Publikum so beeindruckend fand, dass sich mancher fragte, warum die Erlebnisagentur Jochen Schweitzer nicht auf die Idee gekommen ist, den Einhub der Skulptur als Ausflug zu vermarkten: Der fast 100 Meter hohe Kran im Licht der Baustrahler, die gewaltige „Mae West“, am Haken hängend und die Bauarbeiter auf den Montageplattformen, die vor den mächtigen Carbonrohren der Statue winzig wirkten. Kein Wunder, dass viele Interessierte mit Stativ und Videokamera kamen, um das Schauspiel zu dokumentieren. Das Baureferat hatte einen Catering-Service beauftragt, der kostenlos heißen Kaffee und Wiener Würstel ausgab. Nur der Souvenirstand fehlte.

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Eine, die auch ohne Kaffee nicht fror, war Christa Wetzl: „Wir halten uns mit Ratschen warm“, sagte die Anwohnerin des Effnerplatzes, die gerade Ute Marquart kennengelernt hatte. Die war in der Nacht zum Sonntag schon hier, aber: „nach einer viertel Stunde hab’ ich gewusst, dass das nichts wird.“ Wie berichtet, mussten die Arbeiten gegen sechs Uhr abgebrochen werden, weil die eisige Kälte keinen Fortschritt zuließ. Christa Wetzl, gefällt die Statue: „Man braucht bei diesen Hochhäusern schon was Auffallendes.“

Christa Wetzl (li.) und Ute Marquart gefällt die Statue.

Christian Naumann, Wirt vom Hüttenwirt an der Richard-Strauss-Straße teilt diese Meinung: „Mir gefällt’s“, sagte er, „schön groß, über 50 Meter, passt zu den Hochhäusern.“ Er ist in Begleitung seiner beiden Söhne Dennis (10) und Christopher (13) gekommen. Seine Frau sei in der Nacht zum Sonntag schon hier gewesen. Mit ein paar Gästen und Glühwein. Gegen 21 Uhr begann der Kran, das Oberteil in Richtung Rumänienhaus an der Richard-Strauss-Straße zu schwenken. Immer wieder mussten dabei Pausen gemacht werden, weil Gewichte neu austariert werden mussten, die das Oberteil gerade halten sollten. Schließlich hing der Oberkörper exakt über dem Unterleib und näherte sich diesem: „Einhub um 22.15 Uhr“, sagte Projektleiter Johann Wittmann in sein Handy nach geglückter Operation. Wittmann hatte rote Augen, war blass, aber erleichtert: „Jetzt lief es toll“, sagte er, als er mit Schutzweste, den Helm in der Hand, aus dem Licht der Baustrahler trat. „Die Nacht davor war frustrierend“, sagte er. „Da verkündet man ein Ziel, hat einen Ehrgeiz, und dann kann man es nicht erreichen.“

Am Effnerplatz hingegen hat er nun eine Fan-Gemeinde: Die Zuschauer riefen „Bravo“ und klatschen, als sich die beiden Skulpturenteile berührten. Einer hatte noch ein paar Silvesterknaller übrig und erfreute das Publikum mit einem kleinen Feuerwerk. Gegen 23 Uhr waren die Verkehrssperrungen am Mittleren Ring weitestgehend aufgehoben. Bis Donnerstagfrüh soll der Kran abgebaut, in drei Wochen die Baustelle geräumt sein. Ab März sollen Straßenbauarbeiten beginnen.

Bettina Stuhlweißenburg

Rubriklistenbild: © dpa

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