Hortplätze für Schulanfänger sind in München nur begrenzt zu haben. Foto: dpa

Mangelware Hortplatz

München - Berufstätige Eltern schlagen Alarm: Wenn ihr Kind in die Grundschule kommt, ist es oft vorbei mit der Ganztagesbetreuung – Hortplätze sind Mangelware.

Dass werdende Eltern in München weit vor der Geburt ihres Kindes mit der Suche nach einem Krippenplatz beginnen müssen, ist bekannt. Doch zusehends sind auch berufstätige Mütter und Väter von fünf- und sechsjährigen Kindern verzweifelt. Die Suche nach einer Nachmittagsbetreuung in Horten und Tagesheimen ist oft aussichtslos. Aus Haidhausen war Anfang 2009 zu hören, dass es fünf Hortplätze für 20 Schulanfänger gebe, in Obersendling kamen auf 42 Anmeldungen sechs freie Plätze.

Der Druck bei den Eltern sei sehr groß, sagt Stadtschulrätin Elisabeth Weiß-Söllner (SPD): „Ich bekomme Briefe, die mich zu Tränen rühren.“ Am Ausbau werde ständig gearbeitet. Im vergangenen Jahr seien 756 neue Betreuungsplätze entstanden. Aktuell gebe es 14 339 Betreuungsplätze für Grundschulkinder, das sei ein Versorgungsgrad von 38 Prozent – zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2010 seien weitere 350 Plätze in schulnahen Horten oder den Grundschulen angegliederten Tagesheimen geplant. Und: Zusätzlich gebe es viele Kinder, die über die von den Eltern in den Schulen organisierte Mittagsbetreuung oder in Ganztagesschulklassen versorgt seien.

Weiß-Söllner, die Mitte kommenden Jahres in den Ruhestand geht, will dem Stadtrat zuvor noch einen neuen Fahrplan unterbreiten: Nicht wie bisher für 35 Prozent, sondern für 50 Prozent der Grundschulkinder soll ein Platz in einem Hort oder Tagesheim zur Verfügung stehen. „Spätestens im Frühjahr 2010 werde ich das dem Stadtrat zur Entscheidung vorlegen“, sagt Weiß-Söllner. Erreicht werden solle diese Quote „in fünf Jahren oder länger“.

Schon jetzt geht der Ausbau jedoch nicht überall in der Stadt gleich schnell voran. So liegt die Versorgungsquote etwa in Pasing-Obermenzing bei 19 Prozent, im Bezirk Sendling-Westpark bei 33 Prozent, in Obergiesing und auf der Schwanthalerhöhe schon bei 58 Prozent.

In den dicht bebauten Innenstadt-Bezirken gibt es für neue Hortgebäude in der Nähe von Schulen schlicht keine Flächen. „Da stehen wir auf dem Schlauch“, sagt Weiß-Söllner. Lösen lasse sich das Problem dort nur, wenn „bedarfsgerecht Kindergarten- in Hortplätze“ umgewandelt würden. Dafür müssten aber zunächst genügend Kindergartenplätze vorhanden sein. Die Versorgungsquote hier liegt derzeit stadtweit im Schnitt bei 84 Prozent.

Die alleinige Verantwortung für den aktuellen Betreuungsmangel lehnt die Schulreferentin ab. „Wir erwarten vom Freistaat, dass er mehr Ganztagesgrundschulen einrichtet“, sagt Weiß-Söllner.

Caroline Wörmann

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