Marienhof: Ärger über Großbaustelle

München - Der Verdruss wegen der Baustelle am Marienhof wächst. Grüne und FDP fordern, die riesige Grube schnellstens zuzuschütten, weil aus dem Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke nichts werde. Doch womöglich droht den Münchnern hier eine Dauerbaustelle.

Es sind die Bilder aus dem vergangenen Jahr: In Gruppen sitzen Menschen auf der Rasenfläche des Marienhofs beeinander und ratschen. Andere genießen in ihrer Mittagspause die Sonnenstrahlen. Ganz anders sieht es hinterm Rathaus in diesem Sommer aus: Bagger wühlen im Schutt der Vorkriegsbebauung, Staub liegt in der Luft, und Archäologen staunen andächtig.

Dass sich der Marienhof in eine riesige Baustelle verwandelt hat, daran sind die ehrgeizigen Pläne von Stadt und Freistaat schuld, die zweite S-Bahn-Stammstrecke noch vor Olympischen Winterspielen 2018 fertigzustellen. Dazu mussten unbedingt im April die Vorarbeiten beginnen - archäologische Grabungen. Sonst wäre der Zeitplan nicht einzuhalten gewesen, hieß es.

Mittlerweile sind die Arbeiten weit weniger pressant. Die Olympia-Ambitionen sind dahin und mit ihnen auch die Hoffnung, den zweiten S-Bahn-Tunnel zügig realisieren zu können - wenn überhaupt. Denn Sondermittel für Olympia wird es nicht geben. Im Herbst soll sich nun entscheiden, ob Bund, Land und vielleicht die Stadt noch eine Finanzierung für das Zwei-Milliarden-Projekt hinbekommen (wir berichteten).

Vor allem Grüne und FDP im Rathaus haben große Zweifel, dass dies gelingt. Deshalb ist für sie klar, was mit dem Marienhof geschehen soll. Nach dem Ende der archäologischen Grabungen müsse hier „möglichst schnell wieder eine attraktive Grünfläche mit vielen Bäumen entstehen“, sagt Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger. FDP-Fraktionschef Michael Mattar wird deutlicher: „Unerträglich“ sei die Baustelle für die Münchner. Sein Vorschlag: Die Baugrube schnellstens wieder zuschütten. Pläne für eine Neubegrünung liegen schließlich schon seit 2007 vor.

Doch ob die Tunnelplaner ihr ehrgeiziges Projekt tatsächlich zu Grabe tragen, ist noch ungewiss. Im Rathaus wird gemunkelt, dass es am Ende doch noch eine gestreckte Finanzierung geben könnte und sich der Baubeginn um weitere Jahre verschiebt.

Doch was würde bis dahin mit dem Marienhof passieren? Bliebe er eine Baustelle? Im April hatte der Stadtrat beschlossen, dass die Planungen für die Neugestaltung 2012 fortgesetzt würden, wenn Ende 2011 die Finanzierung des Tunnels „nicht absehbar gesichert“ sei. Dass das reichlich schwammig ist, räumt auch SPD-Fraktionsvize Helmut Schmid ein. Jahrelang könne man den Marienhof aber nicht als offene Baustelle lassen, meint er. „Man müsste ein Provisorium schaffen.“ Also eine vorübergehende Begrünung, bis der Tunnelbau beginnt.

Im bayerischen Verkehrsministerium ist davon nicht die Rede. Bis Ende des Jahres seien die archäologischen Grabungen abgeschlossen, sagt ein Sprecher der Behörde. Danach gehe es weiter. „Auch beim neuen Zeitplan mit Inbetriebnahme 2019 werden die Bauarbeiten am Marienhof nicht zum Stillstand kommen, da hier Vorabmaßnahmen durchgeführt werden.“ Wann der Beginn der eigentlichen Bauarbeiten sein könnte, lässt das Ministerium jedoch offen. Gänzlich überzeugt, dass das Projekt realisiert wird, scheint man aber auch hier nicht mehr zu sein: „Sollte die zweite Stammstrecke nicht gebaut werden, wird die Landeshauptstadt am Marienhof die bereits geplante Umgestaltung durchführen“, heißt es.

Wolfgang Leitner kann bei der Entwicklung nur noch den Kopf schütteln. Der Münchner Rechtsanwalt vertritt die Anlieger des Marienhofs im Kampf gegen Lärm und Schmutz. Diverse Prozesse hat er deshalb geführt. „Die Befürchtungen der Kläger haben sich bestätigt“, sagt Leitner. Man hätte mit dem Beginn der Bauarbeiten eben warten sollen, bis die Finanzierung der zweiten Stammstrecke gesichert ist. Wenn dazu nun nicht bald eine Entscheidung falle, „dann ist es zwingend erforderlich, dass der Marienhof wieder begrünt wird“.

Matthias Kristlbauer

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