Großbaustelle Marienhof: Seit 2011 buddeln die Archäologen in Münchens Geschichte. Eine bedeutende Kochtopfscherbe haben sie schon gefunden. Haag

Bahn kommt Stadt entgegen

Marienhof soll wieder grün werden

München - Noch klafft ein riesiges Loch am Marienhof. Doch weil der Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke so schnell nicht beginnt, soll der Platz im nächsten Jahr wieder begrünt werden.

Es ist schon ein Jahr her, da hatte die Stadt München noch ein großes Ziel vor Augen: Olympia 2018. Deshalb musste alles ganz schnell gehen. In der Hoffnung auf Millionen-Zuschüsse aus Berlin ließ die Bahn die Archäologen auf dem Marienhof anrücken, damit die mit den Vorarbeiten für die zweite S-Bahn-Stammstrecke beginnen. Nur so könnte das Projekt bis zu den Spielen fertiggestellt werden, hieß es.

Vor einem Jahr platzten die Olympia-Träume, die Archäologen aber buddeln noch immer. Weil die Finanzierung der Stammstrecke hängt, wurden die Grabungen bis Juli verlängert. Jetzt gibt es eine weitere Frist. Über den Sommer wolle man die Arbeiten abschließen, sagt Bahn-Sprecher Michael Baufeld. Das heißt: Spätestens Ende September sollen die Archäologen abrücken.

Marienhof: Was die Ausgrabungen alles zum Vorschein bringen

Marienhof: Was die Ausgrabungen alles zum Vorschein bringen

Dass die Bahn, die derzeit ohne zeitliche Befristung über den Marienhof verfügen kann, der Stadt entgegenkommt und die Dauerbaustelle beseitigen will, hat einen Grund. Man wolle nicht, dass das Thema Marienhof die zweite Stammstrecke beschädige, betont Baufeld. Denn nicht nur die ansässigen Geschäftsleute sind sauer wegen der Grabungen, auch zahlreiche Stadträte blicken ärgerlich vom Rathausaus auf hässliche Erdhaufen statt auf eine Wiese mit Menschen, die in der Sonne liegen.

Auch OB Christian Ude (SPD) ist mürrisch wegen der Dauerbaustelle. „Schon dieser Sommer ist ein Sommer zu viel“, sagt er. Der Plan sehe nun so aus: Nach Abschluss der Arbeiten soll die Grube „noch vor dem Kälteeinbruch“ wieder zugeschüttet werden. Die Wiederbepflanzung sei für das Frühjahr 2013 geplant, berichtet Ude. Die Frage dabei lautet allerdings: Wie sieht die Wiederbegrünung aus?

„Das hängt davon ab, ob die Finanzierung der Stammstrecke schnell nachgewiesen werden kann“, meint Ude. Gelingt es der Staatsregierung, die zwei Milliarden Euro für den zweiten S-Bahn-Tunnel bald aufzutreiben, wird es wohl mit einer Rasenfläche und ein paar Büschen als Zwischenlösung bis Baubeginn getan sein. Steht dies nicht in Aussicht, könnten auch Bäume gepflanzt werden. Bis Herbst, so Ude, müsse Klarheit herrschen. „Jetzt müssen die Karten auf den Tisch.“ Ohnehin hat die Stadt längst Pläne für den neuen Marienhof in der Schublade.

München von oben im Vergleich: 1962 und 2011

München von oben im Vergleich: 1962 und 2011

Derzeit spricht vieles dafür, dass die Wiederbegrünung etwas üppiger ausfällt. Denn die Finanzierung des sieben Kilometer langen Tunnels steht keineswegs. Selbst der jüngste Rettungsversuch von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), das Flughafen-Darlehen über 492 Millionen Euro in das Projekt zu stecken (wir berichteten), gilt als höchst fragwürdig. Denn es ist unklar, ob der Bund seinen Anteil von 128 Millionen in die Röhre umlenken darf. Doch selbst wenn das gesamte Darlehen von Freistaat, Bund und Stadt verwendet werden dürfte, hätte man die prognostizierten zwei Milliarden Euro bei weitem noch nicht beisammen.

Auch die jüngste Verlängerung des Bau- und Finanzierungsvertrags bis Ende 2014 spricht nicht für eine Beschleunigung des Projekts - die jüngste Auskunft der Bahn, dass Baurecht erst Ende 2013 vorliege, ebensowenig. Vor der Landtags- und Bundestagswahl im Herbst 2013 werde nicht viel passieren, heißt es in CSU-Kreisen. Denn Seehofer habe durch den Vorschlag mit dem Flughafen-Darlehen Zeit gewonnen. Den Offenbarungseid, dass der Tunnel nicht zu finanzieren sei, brauche er vorerst nicht zu leisten. Nach dem Scheitern der dritten Startbahn dürfte ihm dies auch zupass kommen.

Weil keine konkreten Zahlen zur Finanzierung vorliegen, haben auch die Grünen von ihrer Idee, ein Bürger- oder Ratsbegehren zum Tunnel zu initiieren, vorerst Abstand genommen. Die Frage hätte wohl auch nur heißen könne, ob die Stadt ihren Anteil des Flughafen-Darlehens von 113 Millionen bereitstellen wolle, sagt Stadträtin Sabine Nallinger. Doch dafür sei die Finanzplanung noch viel zu unseriös.

Matthias Kristlbauer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Lokaljournalismus hat eine Bombenzukunft“
Heimat im Herzen und den Schreibblock seit über 40 Jahren in der Hand: Wir haben vier legendäre Merkur-Reporter zum Interview eingeladen.
„Lokaljournalismus hat eine Bombenzukunft“

Kommentare