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Marienhof: Streit auf allen Ebenen

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So sieht der Platz hinterm Rathaus heute aus. Grün, aber mit Verschönerungsbedarf. © Schlaf

München - Am Marienhof spitzt sich der Streit um den Bau der zweiten Stammstrecke zu. Im Rathaus rumort es gewaltig: Die rot-grüne Mehrheit will erste Arbeiten auf dem Platz wohl genehmigen - aber nur unter Auflagen. Doch für diesen Fall wollen Anlieger des Marienhofs vor Gericht ziehen.

Eines ist klar: Mangelnde Ortskenntnis kann man den Stadträten beim Thema Marienhof nicht vorwerfen. Schließlich liegt der grüne Platz direkt hinter dem Rathaus - und die Politiker sind schon zahllose Male daran vorbeigeschlendert. Morgen müssen sie über die Zukunft ihres eigenen Hinterhofes entscheiden. Denn er ist zum Brennpunkt im Kampf um die zweite S-Bahn-Stammstrecke geworden.

Wie berichtet, will die Bahn dort noch im April mit den ersten vorbereitenden Arbeiten für den Tunnelbau beginnen. Archäologen sollen Untersuchungen durchführen. Etwa sieben Monate dürften die Arbeiten dauern. Der Stadtrat muss aber noch zustimmen.

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So soll der Marienhof einmal aussehen, wenn alle Arbeiten für den S-Bahn-Tunnel beendet sind: von allen Seiten mit Alleen eingefasst. © fkn

Anrainer des Marienhofs sind empört - und kündigen an, abermals vor Gericht zu ziehen. „Falls der Stadtrat die Arbeiten genehmigt, werden wir einstweiligen Rechtsschutz einreichen“, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Leitner von der Kanzlei Labbé und Partner. Der Jurist sagte jedoch nicht, welche Mandanten ihn beauftragt hatten. Zuletzt vertrat er mehrere Anrainer des Marienhofs, etwa Betten Rid. Leitner bekräftigte, seine Mandanten seien nicht gegen den Bau des S-Bahn-Tunnels. Sie wollten jedoch erreichen, dass auch bei den vorbereitenden Arbeiten für ausreichend Lärmschutz gesorgt werde. Derzeit werde versucht, dies zu umgehen.

Auch im Rathaus brodelt es: Alle Fraktionen diskutierten gestern heftig über das Projekt. Keine Partei, die keine Bauchschmerzen bei den Arbeiten am Marienhof hätte. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl beschäftigt vor allem ein „Dilemma“: Die Arbeiten sollen beginnen, bevor geklärt ist, ob der Tunnel überhaupt gebaut werden kann. Wie berichtet, ist bislang weder die Finanzierung gesichert, noch liegt für die gesamte Trasse eine Planfeststellung vor. Dennoch werde die SPD zustimmen, sagte Reissl. „Wir haben keine Wahl.“ Die Arbeiten müssten beginnen, sonst bestehe keine Chance, den Tunnel vor Olympia 2018 fertigzustellen. Gemeinsam mit den Grünen wolle die SPD aber fordern, dass die Planer einen Zeitplan für das Gesamtprojekt vorlegen und künftig die Bürger besser informieren.

Die grüne Stadträtin Sabine Nallinger bestätigte: „Wir werden zustimmen, aber nur wenn unsere Bedingungen erfüllt werden.“ Neben den von Reissl genannten Forderungen wollen die Grünen wohl unter anderem prüfen lassen, ob die Bäume am Marienhof erhalten bleiben können, anstatt verpflanzt zu werden. Unklar ist noch, ob sich die rot-grüne Mehrheit auf gemeinsame Forderungen einigen kann.

Kontrovers diskutiert wurde auch bei der CSU - so kontrovers, dass man noch zu keinem Ergebnis kam. Es gebe weiteren Beratungsbedarf, hieß es. Klar ist die Sache bei der FDP: Ausgerechnet die Partei des größten Tunnel-Fürsprechers, Wirtschaftsminister Martin Zeil, lehnt im Stadtrat die vorbereitenden Arbeiten strikt ab. Unter anderem müsse erst die Finanzierung gesichert sein, bevor man beginne, sagte Fraktionschef Michael Mattar.

Klar ist: Wenn die Tunnelarbeiten komplett beendet sind, soll der Marienhof schöner denn je erstrahlen, hierfür hat die Stadt bereits Pläne. Es dürfte aber noch einige Jahre dauern, bis es soweit ist.

Johannes Patzig

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