+
Höher geht immer: Die Immobilienpreise in München kennen scheinbar nach wie vor keine Grenzen.

Marktbericht 2015

Immobilienpreise in München: „Der Wahnsinn geht weiter“

München - Die Immobilienpreise in München steigen immer weiter. 2015 wurden laut Immobilienmarktbericht weniger Kaufverträge abgeschlossen, dafür aber erneut höhere Preise gezahlt.

12,6 Milliarden Euro wurden 2015 für Gewerbe- und Wohnimmobilien umgesetzt – ganze 20 Prozent mehr als im Jahr davor. Insgesamt wurde eine Fläche verkauft, die acht Mal so groß ist wie die Theresienwiese. Das sind die Eckdaten des Immobilienmarktberichtes 2015, der am Dienstag vorgestellt wurde.

Münchens Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) fasst die Entwicklung knapp zusammen: „Der Wahnsinn geht weiter“, sagt er. Und: „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass diese Preisentwicklung stoppen könnte.“

Mehr Umsatz

Rund die Hälfte des historischen Umsatzes von 12,6 Milliarden Euro, etwa 6,3 Millarden, wurde mit bebauten Grundstücken erzielt. Weitere 4,6 Milliarden Euro gingen für Eigentumswohnungen über den Tisch. Dabei ist die Zahl der Kaufverträge seit Jahren rückläufig. „Der Markt ist fast leergefegt“, erklärt Helmut Thiele, Vorsitzender des Gutachterausschusses. Das unabhängige Gremium untersucht Grundstückswerte in München und erstellt den jährlichen Immobilienmarktbericht. 12 850 Vertragsabschlüsse wurden 2015 registriert. „Seit 2011 ist die Zahl der Kaufverträge um 27 Prozent gesunken“, sagt Thiele, „gleichzeitig hat der Gesamtumsatz aber um 37 Prozent zugenommen.“

Einen großen Anteil am Mega-Umsatz haben große Büro- und Geschäftshäuser inklusive Hotels. Hier ist der Umsatz im Vergleich zu 2014 um satte 33 Prozent oder eine Milliarde Euro gestiegen.

Auch bei Eigentumswohnungen dreht sich die Preisspirale kräftig weiter. Im Schnitt war eine Neubauwohnung um sechs Prozent, eine Wohnung in einem bereits bestehenden Gebäude um acht Prozent teurer als 2014.

Weiter deutlich zugenommen haben die Verkäufe von Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäusern. Neun Prozent mehr mehr Kaufverträge registrierte der Gutachterausschuss.

Höchste Preise

Die Preise, für die Baugrundstücke über den Tisch gehen, sind gigantisch. Ein Mehrfamilienhaus-Grundstück wechselte für 65 Millionen Euro den Besitzer. Für das teuerste Gewerbebaugrundstück wurden 37 Millionen Euro bezahlt.

Der durchschnittliche Preis für ein unbebautes Grundstück für ein Ein- oder Mehrfamilienhaus lag bei rund 870 000 Euro. Pro Quadratmeter muss man in guter Wohnlage mit 1800 Euro pro Quadratmeter rechnen, in bester Lage mit 3600 Euro – wohlgemerkt unbebaut. Beim teuersten Einfamilienhausgrundstück wurden 2015 sogar 7000 Euro pro Quadratmeter bezahlt.

Und auch die Summen, die für Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäuser gezahlt werden, sind einmal mehr beeindruckend. Eine 75-Quadratmeter-Bestandswohnung mit Denkmalschutz in durchschnittlicher Lage wurde im Schnitt für 420 000 Euro verkauft, eine gleich große Neubauwohnung für 455 000 Euro.

Ein neu gebautes Reiheneckhaus in durchschnittlicher Lage ist für 835 000 Euro zu haben, bereits bestehende für 730 000 Euro. Das teuerste Reiheneckhaus, das 2015 verkauft wurde, steht unter Denkmalschutz, hat 160 Quadratmeter Wohnfläche in bester Lage. Es ging für stolze vier Millionen Euro weg. Für eine freistehende Altbau-Villa mit 520 Quadratmetern Wohnfläche in bester Lage wurden sogar 13 Millionen Euro bezahlt.

Fazit

„So lange die Preise bezahlt werden, wird sich der Markt weiter so entwickeln“, sagt Kommunalreferent Markwardt. „Die Käufer sind da.“ Deutschlandweit, macht Thiele vom Gutachterausschuss klar, muss man nirgends so viel bezahlen wie in der bayerischen Landeshauptstadt. Das liege unter anderem an der Attraktivität Münchens. „Große Firmen wie Microsoft oder Brainlab werden weiter nach München ziehen“, prognostiziert er. Thiele warnt Anleger aber vor übereilten Kaufentscheidungen. Denn: Es lauern Risiken wie das Wohngeld oder ein hoher Renovierungsbedarf.

Den Jahresbericht kann man für 65 Euro unter Telefon 089/23 33 96 06 oder im Internet unter www.gutachterausschuss-muenchen.de bestellen.

Caroline Wörmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

So lange muss der Messerstecher von der Landsberger Straße hinter Gitter
Aus Wut über ein Hausverbot stach Burim G. einen Wirt in den Kopf. Jetzt - fast ein Jahr später - steht das Urteil fest. Das Gericht sah ein Mordmerkmal.
So lange muss der Messerstecher von der Landsberger Straße hinter Gitter
Tempo 30 auf der Rosenheimer Straße? Entscheidung steht bevor
Am Dienstag wird der Stadtrat wohl für die neue Regelung stimmen – spätestens ab Anfang August wird sie gelten. Und: Es sollen nicht die letzten Veränderungen 
Tempo 30 auf der Rosenheimer Straße? Entscheidung steht bevor
Kommt jetzt die Massen-Überwachung? Mehr Kameras in Wiesn-Zelten
Im Hofbräuzelt bauen die Steinbergs die Überwachung weiter aus, andere wie Wiggerl Hagn halten das für überflüssig und setzen auf etwas Anderes.
Kommt jetzt die Massen-Überwachung? Mehr Kameras in Wiesn-Zelten
Zum 60.: So geht‘s dem Münchner Millionen-Buberl heute
Thomas Helmut Seehaus hätte eigentlich nur Helmut heißen sollen. Aber dann wurde er berühmt: Mit seiner Geburt erreichte München im Dezember 1957 die magische Zahl von …
Zum 60.: So geht‘s dem Münchner Millionen-Buberl heute

Kommentare