+
Masern-Impfung.

Masern-Todesfall in München: Kritik von Kinderärzten

München - Der tragische Fall des 26-jährigen Weilheimers, der in München an Masern verstarb, schlägt Wellen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mahnt die Münchner an, sich gegen die zurzeit grassierende Krankheit impfen zu lassen.

Als „Skandal“ bezeichnet der BVKJ, dass der Patient auch Klinik-Personal anstecken konnte - dies zeige, dass die Mitarbeiter nicht geimpft waren.

Wie berichtet, war der 26-Jährige bereits vor etwa einem Monat in einer Münchner Klinik verstorben - nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich dabei um das Klinikum Großhadern. Der junge Mann war wegen einer Tumorerkrankung behandelt worden. Dem Weilheimer Gesundheitsamt zufolge war der Tumor aber gutartig und hätte nicht zum Tod geführt.

Besorgniserregend ist zudem, dass sich die Masern weiter ausbreiteten. Der Erkrankte infizierte seinen Zimmernachbarn und zwei Mitglieder des medizinischen Klinik-Personals. Der Verband reagierte darauf mit Empörung: „Dass es im Krankenhaus ungeimpftes Personal gibt, ist nicht zu akzeptieren“, sagte Dr. Martin Terhardt vom BVKJ, der auch Mitglied der Impfkommission des Robert-Koch-Institutes ist. Vor allem auf Intensivstationen sei das gefährlich - fürs Personal wie für die Patienten, die oft geschwächte Abwehrkräfte hätten.

Masern seien eine gefährliche Viruserkrankung und könnten vor allem dann tödlich verlaufen, wenn andere Vorerkrankungen vorliegen, so der BVKJ. Der Verband fordert daher eine Impfpflicht für medizinisches Personal - bislang gebe es dazu nur Empfehlungen. Großhadern ist keineswegs ein Einzelfall. Dem BVKJ zufolge ist es ein „weit verbreitetes Phänomen“, dass medizinisches Personal über mangelhaften Impfschutz verfügt. Die Münchner Klinik war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Wie berichtet, warnt das Münchner Gesundheitsreferat bereits seit Wochen vor der grassierenden Krankheit Masern. Die Zahl der in München gemeldeten Erkrankungen liege ein Vielfaches über den erwarteten Fallzahlen. Die Krankheit werde unterschätzt, sie könne einen ernsten Verlauf nehmen, sagte Gesundheitsrerent Joachim Lorenz. Er rät Münchnern jeden Alters, ihren Impfschutz beim Hausarzt überprüfen zu lassen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt insbesondere Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 40 (nach 1970 geboren), eine Masern-Impfung, sofern sie noch ungeschützt sind. Der Grund: Wer dieser Generation angehöre, sei oft als Kind nicht geimpft worden und habe auch nicht auf natürlichem Weg Immunität erlangt.

mm

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Panne bei der Narkose: Auf OP-Tisch aufgewacht
Panne bei der Narkose: Auf OP-Tisch aufgewacht
Nach MVG-Streik: So geht's am Donnerstag weiter
Nach MVG-Streik: So geht's am Donnerstag weiter
Was wurde aus Meister Eders Werkstatt?
Was wurde aus Meister Eders Werkstatt?
„Wildes Parken“: Frust über abgestellte E-Scootern steigt - das planen die Anbieter
„Wildes Parken“: Frust über abgestellte E-Scootern steigt - das planen die Anbieter

Kommentare